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glaubte es nur halb, und brüstete mich nur darum desto mehr, weil ich meine Reize für so mächtig hielt, aus einem Wüstling einen Tugendhelden zu machen. Selbst die Versicherung, die mir überall zu Ohren gebracht ward, dass man freilich hätte froh sein müssen, denjenigen, welcher fast von jedem Mädchen dieser Stadt, auf das er die Augen geworfen hatte, abgewiesen worden sei, noch an eine so hübsche, vernünftige und tugendhafte person, wie Mamsell Hannchen, zu bringen, selbst diese fand keinen Eingang, ich nannte sie Neid und Verläumdung, wie sie auch vielleicht zum Teile sein mochte, und gab Herrn Haller an dem bestimmten Tage meine Hand mit so gutem Herzen, als sie die Tochter des Priesters zu On dem keuschen Joseph, oder fräulein Byron dem Tugendspiegel aller Männer gegeben haben mag.

Sechstes Kapitel

Gute Lehren einer Matrone vor der Trauung

Dieses kleine Haus, und dieser Garten, das einige was uns von unserm ehemaligen Vermögen übrig ist, war der Ort, wo unsere Verbindung gefeiert ward. – O Kinder! Kinder! ihr glaubt, wie nun die heutige Welt ist, nicht an Ahndungen, aber was würdet ihr sagen, wenn ich euch versicherte, dass, als Madam Haller, mich den Tag nach meiner Ankunft in die Stadt, an diesen angenehmen Ort führte, mir es nicht anders war, als flüsterte mir eins ins Ohr: diese Gegenden werden dich an einem der wichtigsten Tage deines Lebens sehen. – Und sie selbst, meine Wohltäterinn, war mir es nicht bei ihrem ersten Anblick, als müsste ich ihr in die arme sinken, und sie Mutter nennen? als säh ich im geist voraus, was sie mir einst werden würde? – Zwar, wenn ichs recht überdenke, bei andern mich noch näher angehenden Gegenständen schwiegen diese inneren Vorempfindungen; bei Herrn Hallers Anblick, fühlte ich nicht viel, und ich besinne mich nur ein einigesmal, dass mir etwas seinetwegen ahndete: Madam Haller nahm mich kurz vor der Trauung hier in dieses Zimmer; Nichte, sagte sie zu mir, sei hübsch andächtig bei dem, was man dir vor dem Altar sagen wird. Doch noch eins; bei den Worten: er soll dein Herr sein, kannst du an etwas anders denken; dein künftiger Mann braucht Beherrschung, du aber nicht. Wie ein Pfeil gingen mir diese Worte durchs Herz, es war, als säh ich manche traurige Scenen in der Zukunft vor mir, als fühlte ich es, dass ich glücklicher bei einem mann sein würde, dem ich meinen Gehorsam so recht aus ganzem Herzen geloben, bei dessen Führung ich hoffen könnte, alle Tage besser zu werden. – Doch nichts mehr von Ahndungen!

Mein guter Vater erhielt nach vieler Schwürigkeit die erlaubnis uns zusammen zu geben. Er hielt seine so lang meditirte, so oft wieder beiseite gelegte Trauungsrede. Er stellte im ersten Teile die fromme und geduldige Hanna, und im andern die mit vielen Kindern gesegnete Peninna vor. Die Deutung war, wie ihr denken könnt, ganz auf mich. Es war in der Tat recht schön zu hören, auch schien Herr Haller, welches mich wunderte, achtung gegeben zu haben, denn er versicherte mich, als er mich vom Altare führte, dass er mir nie gelegenheit geben würde, die Geduld der Hanna auszuüben, von welcher mein Vater im ersten Teile so viel gesagt hatte. Ach wie oft hätte ich ihn in der Folge an dieses Versprechen erinnern können, wenn solche Erinnerungen gut täten!

Siebentes Kapitel

Weibereigensinn und Weibertücke

So war ich also die Frau eines Mannes, den nicht ich, den das Schicksal für mich gewählt hatte, ein Grund der Beruhigung, welcher in künftigen zeiten oft sehr wirksam bei mir war.

Die Zeit meiner Glückseligkeit dauerte indessen länger als ich hätte hoffen können, sie dauerte Jahre lang, Jahre, o die glücklichsten meines Lebens, deren Erinnerung mir ein Gedankenfest ist! Bedenkt selbst, Kinder, einen Mann, den ich anbetete, eine Mutter, – diesen Namen kann ich Madam Haller mit Recht geben, – der ich alles war, die beständige Gesellschaft meines Vaters, welcher, nachdem die Chicanen des Katarines ihn genötiget hatten, sein Amt noch vor Endigung des bestimmten halben Jahres niederzulegen, den stillen Abend eines sorgenvollen Lebens an unserer Seite zubrachte, und dann auch meine Kinder, die ihr eines nach dem andern wie lächelnde Engel erschient, um meine Glückseligkeit vollkommen zu machen.

Und doch waret ihr, wenn ich mich recht besinne, die erste Ursache eines kleinen Zwists mit meinem mann. – Dass Hanna ihren ersten Sohn Samuel nennen musste, war ja natürlich, es wär sündlich gewesen, einen andern Namen zu wählen; aber, lieber Himmel, wie beleidigte ich Herrn Haller damit, welcher ihn schlechterdings nach seinem Namen Albert genennt wissen wollte. Fast so ging es mir mit meiner ältesten Tochter Peninna. Glücklicher Weise erwartete ich damals meine Niederkunft hier in diesem Gartenhause; mein Mann hatte wichtige Geschäfte in der Stadt, Madam Haller sagte, das Kind sei schwach, und so hies es Peninna, ehe er etwas dawider einwenden konnte, doch hatte ich am Tage meines Kirchgangs einen fürchterlichen Sturm desswegen auszustehen, und ich glaube sicherlich, dass er Samueln und Peninnen, bloss der Namen wegen immer weniger geliebt hat, als seine übrigen Kinder; bei ihm sollte alles weltlich und eitel sein. Da ich mich zum drittenmal meiner Niederkunft nahte, nahm er mich ernstlich vor, und warnte mich, ihn nicht wieder