1788_Naubert_077_75.txt

ich schlage mich mit einem jeden, der mir das leugnen will.

Nun nun, rief der andere, das lohnte auch der Mühe, dass sich ein paar ehrliche Kerls um so eine Kreatur die Hälse brächen! So viel wirst du mir doch zugestehen, dass sie nichts als eine Glücksritterin ist, die es freilich, da sie ihr Handwerk so jung anfängt, weit bringen kann, über dieses hat sie an der Ralph eine gute LehrmeisterinnRalph? schrie der andere, die berichtigte Ralph eine Bekannte von der schönen Haller? – rede deutlicher, oder ich erwürge dich! – Einige andere Stimmen legten sich dazwischen, und ermahnten die beiden Streitenden zur Ruhe. Es ist hier nichts weiter nötig, erhub der eine seine stimme, als zu entscheiden, welcher von euch beiden recht hat, und ich fürchte, Ferdinand, du wirst nachgeben, und deine angebetete Fremde für das erkennen müssen was sie ist; du verlierst ja übrigens auch nichts dabei, wir werden sie vielleicht bald in dem Kreise schimmern sehen, in welchem die Ralph ihre Strahlen verloren hat, und was bleibt dir dann zu wünschen übrig? ein ehrliches Mädchen wär doch wohl für einen Purschen wie du bist, unerreichbar.

Kaum konnte ich mich halten, nicht diesen Augenblick loszubrechen. Nur das Verlangen, irgend etwas zu hören das mir nützlich sein könnte, gab mir Kraft, mich noch einige Zeit zu mässigen, aber was ich hörte, waren nichts als verneute Lästerungen, Ihr Vater ist ein Spieler, der vermutlich auch durch sie sein Glück hier zu machen sucht. Sie hat ein Weibsbild bei sich, die das völlige Ansehen einer Kupplerin hat, sprach der andere. Ein dritter fuhr fort: man sieht sie nie in Gesellschaft eines ehrlichen Frauenzimmers, nur einigemal habe ich sie mit ihrer Wirtinn gehen sehen, welche auch nicht viel taugt. Und was ihren Bruder anbelangt, sagte der erste, so wird der von dem Handel mit seiner Schwester auch wohl nicht abgeneigt sein, man hat ihn, so jung er ist, bereits als einen falschen Spieler ertappt, und man weis, wozu solche Leute fähig sind.

Hier war mir es unmöglich mich länger zurückhalten; ich sprang auf und stürzte mich mit gezogenem Degen mitten unter sie. Halb gebrochene vom Zorn verstümmelte Worte, forderten Rechenschaft, wegen dessen was ich gehört hatte. Man hielt mich anfangs für rasend, und strebte mich zu entwaffnen, eine Sache, die bei der Stärke, die mir der Grimm gab, nicht so leicht war.

Einer aus der Gesellschaft, welchen ich für denjenigen hielt, den ich hatte Ferdinand nennen hören, schlug sich auf meine Seite, und forderte, man solle mich zu Atem kommen lassen, und mich ruhig anhören; – Rache! schrie ich, Rache für die Ehre meiner Schwester, und für meine eigene! Mit diesen Worten stürzte ich mich auf denjenigen, den ich für den Sprecher der Worte hielt, die mir die anstössigsten gewesen waren. – Gönne ihm Zeit sich in Verteidigungsstand zu setzen, rief Ferdinand mir zu, indem er mich zurückhielt, und denn soll dich kein Teufel hindern, die Genugtuung zu fordern, die ich selbst nehmen würde, wenn deine Rechte nicht näher wären, als die meinigen.

Der andere zog. Ferdinand bewog die Uebrigen uns nicht zu stören. Wir schlugen uns, und ich streckte meinen Gegner nach wenig Stössen in den Staub. – Er ist tot, ertönte aus aller mund, er ist tot! und sein Mörder soll nicht ungestraft bleiben. – Indessen die andern hinaus eilten Lärm zu machen, oder hülfe für den Verwundeten zu suchen, warf Ferdinand mir seinen Mantel um, setzte mir den Hut meines Gegners auf, und führte mich, weil ich wegen einiger Verwundungen stark blutete, und ziemlich schwach war, davon.

Wir sprachen nichts mit einander, bis wir dicker ins Gebüsch kamen, da mich mein Führer niedersetzen hiess, und anfing meine Wunden zu untersuchen, sie waren von keiner sonderlichen Bedeutung, wie Ferdinand sagte, und er behandelte sie mit solcher Klugheit, dass ich ihn für einen Kunsterfahrnen halten musste. Er hiess mich aufstehen, begleitete mich noch eine Strecke, und bedeutete mir denn einen Ort, wo ich diese Nacht ausruhen könnte. Aber Bruder Haller, sagte er, du darfst dich keine Stunde ohne Not aufhalten, man wird dich verfolgen, und ich eile zu meiner Gesellschaft, damit man nicht merke, dass ich Anteil an deiner Entfliehung habe. lebe wohl, wir sind gute Freunde, folge meinem Rat und werde Soldat, diess wird die beste Sicherheit für dich sein. – Ich konnte ihm nicht antworten. Noch ein Druck der Hand, und er verschwand aus meinen Augen.

Ich war noch nicht zwanzig Schritte langsam fortgeschlichen, als ich seine stimme wieder hinter mir hörte. – Bruder Haller, rief er, ob du wohl Geld bei dir hast? Ich wollte nach meinem Geldbeutel greifen; keine Untersuchung, rief er, hier sind zwei Louisdors, die Hälfte meines Vermögens; keine Ziererei, oder mit uns ist es aus. Hiermit war er aus meinen Augen verschwunden, ich sah ihm nach und schüttelte den Kopf, weil ich nicht wusste, was ich aus der seltsamen Erscheinung machen sollte.

Ich suchte nach meinem Geldbeutel, ich hatte wirklich nichts bei mir, als einige Silbermünze. Ferdinands Goldstücke waren auf die Erde gefallen, ich hob sie auf, und wünschte den Geber derselben näher kennen zu lernen. Was wäre