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, sie seien in Verzweiflung mich in Kriegsdiensten zu wissen, und ich würde ihnen das Herz durchbohren, wenn ich hartnäckig auf meinem Sinne beharrte. Brauchte es etwas mehr, mich zur Einwilligung in alles zu bewegen, was man von mir verlangte? Ich legte das Kleid ab, das mir so wohl gefiel, und folgte dem Obersten wohin er mich führte.

Auf dem Wege fing er an in einem andern Tone mit mir zu reden; er machte mir bange, vor dem Zorn meiner Eltern, wenn sie die wahre Veranlassung meines getanen Schritts entdeckten, und nötigte mir endlich durch viele Umschweife, das Versprechen ab, wenn er von gewissen Dingen nichts gedenken solle, auch auf meiner Seite verschwiegen zu sein, und nie etwas von den Verhältnissen zu erwehnen, in welchen er und ich mit einander gestanden hatten. Ich sah nicht ein, dass bei diesem Bunde, den wir machten, der Vorteil allein auf seiner Seite war, dass ich so viel nicht verlohren haben würde als er, wenn meinen Eltern alle Ausschweifungen zu denen er mich verführte bekannt worden wären, und dass es eine gefährliche Sache sei, mich so in die Gewalt eines Menschen zu geben, der unser Einverständnis zu meinem Schaden nützen konnte.

Der Oberste stellte mich nun, ohne Furcht durch mich verraten zu werden, meinem Vater vor. – Mein Empfang war nichts weniger als hart, er nennte mich einen lüderlichen Jungen, der ihn um manchen Louisdor gebracht hätte, lobte meinen Wuchs und meinen Anstand, und sprach, ich sei sein völliges Ebenbild an Leib und Seele.

Meine Augen sahen sich vergebens nach meiner Mutter um, die verkappte Robignac war die, welche ich für sie gehalten hatte. Man zog mich ein wenig mit meinen fragen nach Ihnen auf, und der Oberste flüsterte mir ins Ohr, ich solle Gott danken, dass sie nicht gegenwärtig wären, ich würde sonst nicht so gut hindurch gekommen sein.

Meine Schwestern empfiengen mich mit vieler Zärtlichkeit, und sagten, ich müsste gleich des andern Tages Anstalt machen, sie in der ganzen Stadt herum zu führen, und ihnen alles sehenswürdige zu zeigen. über der Mahlzeit wurde unterschiedliches gesprochen woraus ich schlos, dass mein Vater im ganzen Ernste nichts davon wusste, wie ich unter die Soldaten gekommen war; er glaubte bloss, dass ich unglücklich gespielt, und dann aus Unmut diese Partie ergriffen habe. Dass mein allzuglückliches Spiel mich in Beschimpfung und Verzweifelung gestürzt hatte, dieses war ihm unbekannt, und ich sah den Obersten mit einem dankenden blick für diese Schonung an, ohne zu bedenken, dass er hiebei am meisten auf sich selbst Rücksicht genommen hatte.

Um meinen Vater desto besser zu hindern, hinter seine Betrügereien zu kommen, hatte er meinen Hofmeister zu entfernen gewusst. Herr Reiner hatte sich ohnedem dadurch schlecht bei ihm empfohlen, dass er meine Verschwindung so übereilt und ohne mit ihm Rücksprache zu halten nach Hohenweiler berichtet, und dadurch meines Vaters Ueberkunft veranlasst hatte. Nach des Obersten Sinne hätte es ganz anders gehen müssen. Man hätte meinen Verlust verschwiegen, so lang es möglich gewesen wär, hätte sich unter der Hand nach mir erkundigt, so bald man meinen Aufentalt entdeckt, nur dieses zu hindern gesucht, dass meine Eltern nichts von mir erführen, und indessen das Geld, das zu meinem Unterhalt bestimmt war, brüderlich geteilt. So klug war mein Hofmeister freilich nicht gewesen, dieses einzusehen, und zur Strafe für seine Dummheit brauchte der Oberste nichts weiter zu tun, als meinem Vater zu entdecken, dass der Herr Reiner niemand anders, als der in unserm haus so sehr verhasste Katarines sei. Mein Vater, wenn mir es erlaubt ist dieses zu sagen, pflegte zwar seine Liebe und seinen Hass nicht allemal nach den Gesetzen der Billigkeit einzurichten, aber hier machte der Name Katarines einen so widrigen Eindruck auf ihn, dass man fast hätte glauben sollen, er müsse einsmals persönlich von ihm beleidiget worden sein. Er bekam seinen Abschied.

Ich war also von diesem Mann, der mir immer so widerlich gewesen war, befreit, und man hielt es für gut, um mir doch noch einige Bildung zu geben, da ich bisher so vernachlässigt worden war, mir einen jungen Menschen zuzugesellen, welcher kaum fünf oder sechs Jahre mehr hatte als ich, und den man für einen Gelehrten hielt, weil er einige Jahr auf verschiedenen Universitäten zugebracht hatte.

Ich konnte mit Herrn Feldners Unterricht leicht zufrieden sein, denn so viel war doch allemal gewiss, dass er mehr wusste als ich; über dieses wusste ich nicht zu was für einem stand mich mein Vater bestimmt hatte, ich hatte nie hiervon ein Wort erwehnen hören. Meine Neigung trieb mich zum Soldatenstande, und ich begriff leicht, dass ich in diesem am ersten mit dem würde zufrieden sein können, was Herr Feldner mich lehren konnte.

Sein Fach waren vornehmlich die schönen Wissenschaften, es gelang ihm mir einen Geschmack an denselben beizubringen, und sein Einfluss war so stark, dass er sich auch auf meine Schwestern erstreckte. Er lernte Jucunden die italiänische Sprache, und las mit ihr mancherlei Bücher; Amalie ward auch seine Schülerinn in verschiedenen Teilen der weiblichen Gelehrsamkeit, doch merkte man es ihm deutlich an, dass er sich nicht besonders gern mit ihr abgab, und dass die arme immer nur die übergebliebenen Brocken von dem bekam, was er der bella Gioconda, wie er sie nannte, aufgetischt hatte.

Mademoiselle Robignac, war sehr gefällig gegen den Lehrer und die Schülerinnen. Eine kleine Schmeichelei,