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für seine Habsucht zu eröfnen. Er zog von meinem Vater unmässige Summen, die er vorgab auf mich verwenden zu müssen, die er aber freundschaftlich mit mir zu teilen beliebte; ich war schlau genug dieses inne zu werden, und ihm meinen Unwillen darüber zu bezeigen. Er fragte mich, ob die Nachsicht gegen meine Ausschweifungen für nichts zu rechnen wär, ob ich sie mit dem Anteil, den er an meinen Einkünften nähme, zu teuer zu erkaufen glaubte? Ich möchte seinetwegen das Ganze hinnehmen, und damit nach eigenem Gefallen leben, bis mein Vater Anstalten mache, mich in eine strengere Aufsicht zu liefern als die Seinige, da ich Geld genug ersparen, aber auch dafür nichts von den Vergnügungen schmecken würde, die ich an seiner Seite genösse.

Der Wink, den er gab, als ob er meine Aeusserungen für Geiz hielt, machte mich erröten, und die Furcht in dem mir so angenehmen Taumel von einem Vergnügen zum andern gestört zu werden, legte mir Stillschweigen auf. Um mich noch tiefer in seine Netze zu verstricken, lehrte mich der Oberste das Spiel, er gab mir verschiedene kleine Handgriffe in demselben als erlaubte überall eingeführte Regeln an, von welchen nur eine gewisse eingeführte Etiquette es unschicklich nenne, anders als verstohlen Gebrauch zu machen. Ich glaubte in meiner Einfalt, was er sagte, und freute mich sehr, in meiner neuerlernten Kunst, eine immerfliessende Quelle zu finden, meinen kleinen Bedürfnissen abzuhelfen; zwar fiel die Hälfte meines Gewinns allemal in des Obersten Beutel, aber dieser hatte mich schon gewöhnt zu solchen Dingen zu schweigen, und mich aus Dankbarkeit gegen ihn, meinen Lehrer, mit dem Anteil des erbeuteten Geldes zu begnügen, den er mir gönnen wollte.

Mein Hofmeister, Herr Reiner, den er mir zugegeben hatte, genoss auch einen teil des Raubes, und war dafür ganz zu seinen Diensten. Sein erster Anblick hatte mir eine fürchterliche idee von ihm gemacht; seine sonderbare ausgetrocknete Gestalt, sein schleichender gang, der schleppende Ton seiner stimme, und der immer zur Erde gesenkte blick, machten dass ich in ihm einen abgesagten Feind des Vergnügens und einen strengen Tadler meiner Handlungen zu sehen glaubte, aber der Erfolg wiess, dass ich mich geirrt hatte, dass ich mir keinen bequemern Führer als ihn hatte wünschen können. Herr Reiner pflegte immer über die Schwäche seines Gesichtes zu klagen, und ich hatte ursache zu glauben, dass auch die Sehkraft seines Geistes nicht so gar viel taugen müsste, weil er so wenig von dem zu merken schien, was ich unter Anführung des Obersten tat.

Nicht genug, dass dieser würdige Mann meinem Verführer durch nicht hören und nicht sehen, förderlich und dienstlich war, so arbeitete er ihm auch noch auf eine andere Art in die hände. – Er war seiner Sage nach ein wegen bestrittener Grundsätze vertriebener Prediger; von was für Art seine Religionsmeinungen sein mochten, habe ich nie erraten können, aber so viel weis ich, dass seine Moral sehr lustig und bequem war; er wusste die guten Grundsätze, die ich aus meinem väterlichen haus mitbrachte, so künstlich zu untergraben, meine Liebe zu meinen Eltern, vornehmlich zu ihnen, liebe Mutter, so lächerlich zu machen, dass ich bald aufhörte, den Meinungen des Obersten, wie ich anfangs getan hatte, meine reinen Begriffe von Pflicht, oder die Furcht Sie zu beleidigen entgegen zu setzen. Die Lehren meines Hofmeisters, die sich sowohl zu meinem Triebe zum Vergnügen passten, machten mich so folgsam gegen den Obersten, dass es ihm nicht schwer ward, mich zu allem zu bereden, was er wollte.

Wie sehr ich nach und nach herabsank, können sie aus dem Tone urteilen, in welchen meine Briefe nach und nach verfielen, aber Ihnen eine umständliche Erzehlung meiner unglücklichen Verirrungen zu liefern, erlaubt weder die Zeit, noch die achtung, die ich einer verehrungswürdigen Mutter und einer unschuldigen Schwester schuldig bin; genug, dass ich endlich in Abgründe geriet, aus denen ich mir nicht mehr zu helfen wusste.

Ich habe schon im Vorhergehenden erwehnt, dass mich der Oberste zum falschen Spiel anführte, um seinen Vorteil daraus zu ziehen. Mein unschuldiges Gesicht, meine Jugend, und vor allen die Unwissenheit dass ich unrecht tat, die mir ein gewisses ruhiges unbefangenes Ansehen gab, machten die Sicherheit dererjenigen, die sich mit mir einliessen, so gross, dass ich fast täglich beträchtliche Summen zog, und dass mein Verführer anfieng zu glauben, die Hälfte des Gewinnstes wär für mich zu gross, und es wagte grössere Ansprüche auf die Beute zu machen, als anfangs verabredet worden. Ich weigerte mich; wir veruneinigten uns, und der Oberste verliess mich, drohend, dass mich mein Verfahren gereuen sollte.

Es war sonderbar, mein ansehnlicher Gewinn verschwand mir unter den Händen, ich fand mich unter der notwendigkeit wieder zu spielen, um meine kleinen Vergnügungen bestreiten zu können, und gleichwohl fehlte es mir an gelegenheit zu solchen vorteilhaften Partien, wie mir der Oberste zu verschaffen wusste, zudem besass ich nicht so viel, dass ich eine einige Karte hinlänglich besetzen konnte.

Vielleicht, meine Mutter, erinnern sie sich noch des unsinnigen Briefes, in welchem ich sie um einige Louisdors bat, mich aus einer dringenden Not zu reissen; er blieb unbeantwortet und ich entschloss mich, meine Uhr und was ich etwa von einigem Wert besass zu verkaufen, um im stand zu sein, mein immer treu erfundenes Glück noch einmal zu versuchen.

Ich fasste mir ein Herz, und ging