er verschafte ihnen alle gelegenheit sich zu sehen, und auf diese Art gelang es ihm Römhilden zur Verbrecherin zu machen, Römhild fiel –
Römhild fiel? schrie Hannchen mit zusammengeschlagenen Händen. Ja, antwortete ich, und ihr Vergehen durchbohrte das Herz ihrer Freundin, sie fühlte, was ich im ähnlichen Fall fühlen würde. Alle Mässigung verliess Perchten, sie überhäufte Franzen, den sie den Urheber auch dieses Unglücks nannte, und ihn auf gewisse Art so nennen konnte, mit Vorwürfen. Sie brachte ihren Gemahl, den ohnedem die beständige Ausübung böser Taten halb des Verstandes beraubt hatte, durch ihre Vorhaltungen dermassen auf, dass er seinen Dolch zuckte und ihr ihn ins Herz stiess; sie fiel leblos zu seinen Füssen nieder, und ihr Tod war, wie die geschichte sagt, das erste Signal zu seiner Besserung. Reue und Schrecken über das, was er getan hatte, streckte ihn dem Anschein nach eben so leblos zu Boden, als seine ermordete Gemahlin, und er erwachte nur zu nie versiegenden Tränen.
Eine andere Epoche von Franzens Leben fing jetzt an. Seine vorige Taten begannen sich ihm in ihrem wahren Lichte zu zeigen; er verabscheute sich selbst, und wünschte das Geschehene ungeschehen zu machen. Alle seine Verbrechen stellten sich seiner Seele in ihrem schrecklichsten Lichte dar, und – doch es wär eine zu mühsame Arbeit, einem Ruchlosen durch alle Stufen seiner Reue und Besserung zu folgen. – Genug sei es, dass die Sage berichtet, Franz habe sich wirklich gebessert, und sei, welches mir fast unglaublich dünkt, auch endlich dahin gekommen, seine vorigen Untaten aus den Gedanken zu bringen, und sich darüber zu beruhigen. Das vornehmste Mittel seiner Beruhigung soll eine Erscheinung seiner verklärten gemahlin gewesen sein, die ihn wegen der begangenen Verbrechen und ihrer Folgen zu trösten strebte. Reutlingens Religion legte ihm körperliche Büssungen seiner Verbrechen auf; eine derselben war, dass er Tag und Nacht auf Sankt Peters Stelle, wo er ehemals das ruchlose Gelübde der Bosheit tat, verweilte, und sich dem Frost, der Hitze und allen Ungemächlichkeiten der Witterung aussetzte. Einsmals als er in einer mondhellen Nacht auf dieser Stelle eingeschlummert war, ward er plötzlich durch einen Glanz erweckt, der den Glanz des Mondes, der ihn umstrahlte, noch weit übertraf. Perchta stand vor ihm in himmlischer Gestalt. Traure nicht mehr, lieber Franz, redete sie ihn an, quäle dich nicht mehr mit unnötigen Büssungen; das Bestreben, das getane Böse durch gute Handlungen zu vergüten, ist das beste Zeichen der Reue, das du dem Himmel geben kannst. – Kann dein Gram über deine begangenen Verbrechen durch die Vorstellung gemildert werden, dass sie denen, die du zu betrüben suchtest, bei weitem nicht den Schaden taten, den du ihnen zudachtest, dass sie vielmehr zum Guten verkehrt wurden, so vernimm das, was auch ich auf dieser Welt nicht einsah, und nun erst in einem bessern Leben erfahren habe. – Ach Gott, war nicht selbst mein Tod das Mittel zu meiner jetzigen Glückseligkeit, und zur Bekehrung meines Gemahls?
Auf einmal öfnete sich vor Reutlingens Augen eine weite Aussicht. Alle Personen, wider die er sich jemals vergangen hatte, gingen vor ihn über, und ihre Schicksale, die er zu verwirren gestrebt hatte, entwikkelten sich ihm. Die gesicht, die er wie das Märchen sagt, damals hatte, müssen länger als eine Nacht gedauert haben, so zahlreich waren sie. Ich will nur einige Beispiele von dem wählen, was uns bereits bekannt ist.
Eins von Reutlingens ersten Gesichten war, wie der Ritter dessen Schloss durch die Macht der schwarzen Kunst in Brand gesteckt wurde, unter den Trümmern seines Hauses einen Schatz fand, der ihn in den Stand setzte nicht allein dasselbe weit schöner als zuvor aufzubauen, sondern auch der Wohltäter der ganzen Gegend zu werden. Der frühe Tod des ertrunkenen Jünglings, ersparte ihm den Gram seinen Vater, an dem sein Herz hieng, langsam und schmerzhaft sterben, und seinen Freund und seine Geliebte untreu werden zu sehen. Das junge Mädchen, deren Liebhaber aus ihren Armen gerissen wurde, sah ihn in wenig Jahren treu und zärtlich wiederkehren; er war schöner und besser als zuvor, seine Standhaftigkeit war geprüft, seine Tugend bewährt, er machte seine Geliebte ganz glücklich, glücklicher als sie ohne die Trennung von ihm geworden sein würde.
Und die Kleine? fragte Julchen, welche? sagte ich – Je nun, fuhr sie fort, sie wissen schon, die mit den Blattern. Ach diese! sprach ich lächelnd; sie war ehe sie ihre Schönheit verlor, auf gutem Wege verdorben zu werden, sie war leichtsinnig, unfleissig und eitel, nun, da sie wusste, dass sie sich auf nichts verlassen konnte, als auf Tugend und wahre Verdienste, strebte sie so unablässig nach guten Eigenschaften, dass sie das vortreflichste Frauenzimmer ihrer Zeit wurde, und dass man, wenn man sie handeln sah und reden hörte, nicht einen Augenblick daran dachte, ob sie schön oder hässlich sei.
Julchen schlug freudig in die hände, und wollte noch etwas sagen, aber Hannchen unterbrach sie, indem sie mich bei der Hand fasste, und traurig fragte: Und Römhild, die arme Römhild was ward aus dieser?
Da sie, antwortete ich, nicht durch Franzens Zaubereien, sondern durch eigenes versehen unglücklich war, so kam auch ihre Gestalt nicht mit unter den Erscheinungen vor, die Perchta ihren Gemahl sehen liess, doch sagt die geschichte, auch sie habe sich