erfuhr, dass der Ort, wo das schreckliche fest gefeiert werden sollte, unter freiem Himmel, dass es kein anderer als derjenige war, den sie Sankt Peters Stelle zu nennen pflegte. Mit verneutem Mut entschloss sie sich, selbst bei der Feierlichkeit gegenwärtig zu sein, und das auszuführen, was sie beschlossen hatte.
Die Nacht erschien. Franz entfernte sich mit seinen Helfern vom schloss. Perchta schlich sich durch den unterirdischen gang an den Ort, wo sie wusste, dass sie ihren ruchlosen Gemahl finden würde. Es war ihr diesen Abend besonders schwer geworden, Römhilden, die von diesen Dingen nichts erfuhr, von ihrer Seite zu entfernen, sie hatte sich verspätigt; die den Geheimnissen der Magie geweihte Stunde war bereits verflossen, da sie auf Sankt Peters Stelle anlangte. Sie hörte nur noch die letzten Worte des Beschwörers, in welchen er Franzen mit umumschränkter Macht, Böses zu tun bekleidete, so dass weder Engel noch Heiliger im stand sein sollen, seine Absichten zu hindern.
Perchta schauerte in sich zurück vor dem schrecklichen Klange der Worte; sie sah, dass sie zu spät kam Böses zu hindern, aber sie fühlte, dass sie es wenigstens in ihrer Macht hatte, es zum Guten zu kehren. Sie dachte an die freie Bitte, die ihr Sankt Peter gewährt hatte, sie sank auf der heiligen Stelle nieder, und flehte zu Gott, dass alles Böse, das ihr ruchloser Gemahl tun würde, zum Besten derer, denen er zu schaden suchte, gewendet werden möge. Sie fühlte die Versicherung der Erhörung in ihrem Herzen, stand auf, eilte in das Schloss zurück, und legte sich ruhig an Römhilds Seite schlafen.
Ihre Ruhe dauerte nicht länger als ihr Schlaf, denn schon der andere Morgen liess sie Nachrichten von Unglücksfällen hören, welche vielleicht die Erstlinge von Franzens neuerlernter Kunst waren. Einem benachbarten Ritter, den Reutlingen besonders hasste, war sein schönes Schloss abgebrannt; und der hoffnungsvolle Sohn eines andern war, als er in der ersten Morgendämmerung über den Strom gehen wollen, von der brücke gefallen und ertrunken.
Reutlingen lachte und sprach, er habe ja selbst nichts als ein altes verödetes Schloss, welches seinetwegen heute abbrennen möchte; auch habe ihm das Glück nie Kinder gegönnt, er glaubte also wohl, dass andere das auch missen könnten, was er entbehren müsste.
Jeder neue Tag überzeugte Perchten, dass es mit Franzens Gabe Böses zu tun, kein Scherz sei; sie wusste nicht, auf was für Art er seine unselige Kunst ausübte, aber dass alles Unheil in der Gegend des Schlosses von ihm her kam, war offenbar, war schon dadurch genug erwiesen, dass dasselbe immer besonders diejenigen traf, die sie liebte. Ein kleines Mädchen, ihre Pate, die sie zuweilen um ihre Schönheit gelobt hatte, ward von scheusslichen Blattern entstellt, die ihr fast so wenig äusserlichen Reiz überliessen, als dem armen Julchen. Eine andere von ihren Freundinnen, welche sie im Begriff stand mit einem liebenswürdigen jungen Menschen zu verheiraten, ward von ihrem Bräutigam getrennt; er ward in fremde land getrieben, und die arme behielt nach ihren Gedanken wenig Hoffnung übrig ihn jemals wieder zu sehen. Solche Posten bekam sie alle Tage, und ihr edles empfindungsvolles Herz litt unaussprechlich dabei. Ach Sankt Peter! rief sie oftmals in halber Verzweiflung aus, wo sind deine Versprechungen? wo die Erhörung meiner Bitte? wo ist auch nur eine Spur, dass das gestiftete Böse zum Guten verkehrt worden sei?
Gab es noch etwas, das sie zu trösten vermochte, so war es Römhilds Umgang. Zwar zitterte sie oft nur ihren Namen zu nennen, es sich nur auf die entfernteste Art merken zu lassen, wie sehr sie sie liebte, weil sie fürchtete, dass ihre Freundin eben um ihrer Liebe willen einst würde leiden müssen; zwar fehlte es nicht an Beweisen, dass man wirklich Böses wider Römhilden vorgehabt habe, aber immer war es, als wenn eine unsichtbare Macht für sie wachte, und alles was zu ihrem Nachteil gereichen konnte, vereitelte.
Auch war Reutlingen wirklich in Verlegenheit, auf welcher Seite er Römhilden recht empfindlich angreifen sollte. Ihre Schönheit achtete sie nicht, sie war arm und hatte also nichts zu verlieren, und was ihr Leben anbelangt, so glaubte Franz nicht, dass ein Mädchen, welches Mut genug hatte sich dem Kloster zu widmen, für dem tod beben könne. Nur ein Gut hatte sie, das ihr über alles teuer war, und dieses war ihre Tugend, aber wie war es möglich ihr dieses einige wahre und ewige Eigentum der Seele wider ihren Willen zu rauben? Reutlingen wusste wohl, dass keine Zauberkraft vermögend ist, uns auf den Weg des Lasters zu leiten, wenn wir ihn nicht selbst freiwillig wählen. – Er dachte über diesen Gegenstand nach, und nahm seine Maassregeln.
Franz glaubte schon seit einiger Zeit eine schwache Seite an Römhilden entdeckt zu haben. Seit dem Tage, da er Conraden, einen jungen Edelknaben, in seine Dienste genommen hatte, liess Römhild sich öfter als sonst sehen; sie schien sich zu freuen, dass die Blicke des schönen Jünglings sich oft und zärtlich auf sie richteten; sie schmückte sich um ihm zu gefallen, suchte seine Gegenwart auf, hörte seine schmeichelnden gespräche an, und schien ihre Bestimmung ganz zu vergessen. Mit höhnischer Schadenfreude sah Reutlingen die Schwachheit der frommen Nonne, wie er sie zu nennen pflegte, er glaubte gewonnen zu haben, er stellte sich als den besten Freund der Liebenden,