fand keinen Ausweg aus seinem Elend, und ergriff endlich doch den Rat der weisen Perchta.
Der Kaiser war gnädig, er verziehe Franzen, und machte ihn, nach einigen nötigen Vorkehrungen zu Versicherung seiner Treue, zum Anführer eines Geschwaders, welches er seinem Sohne, der eben wider die Bayern zu feld lag, nachsenden wollte.
Reutlingens Schloss blieb als Unterpfand in den Händen des Kaisers; man wollte Frau Perchten zwar aus besonderer Milde erlauben, in Abwesenheit ihres Gemahls darauf zu hausen, aber ihr Vater, Hans von Steegen, fand dieses unziemlich für eine so junge und schöne Frau, wie seine Tochter war; er nahm sie zu sich, und brachte sie weit von hier in ein Kloster, um daselbst Ritter Franzens Rückkunft zu erwarten. – Ihre Abreise ging so eilig vor sich, dass sie nicht einmal Zeit hatte, wie sie gesonnen war, erst an Sankt Peters Stelle, so pflegte sie den heiligen Ort zu nennen, wo ihr der Heilige die Gewährung einer Bitte versprach, für das Glück ihres Gemahls zu flehen.
Reutlingen hatte im rechtmässigen Kampfe nicht so viel Glück als bei seinen Raubereien. Er verrichtete zwar genug tapfere Taten, aber sie nutzten ihm wenig; andere wussten sie sich zuzueignen, andere nahmen den Ruhm und den Vorteil dahin, und ihm blieben Wunden und verstümmelte Glieder zur Belohnung. Mit einem zerhauenen Arm und einem gelähmten Schenkel kehrte er aus dem feld zurück, ärmer als er zuvor war, und wegen übel geheilter Wunden, nicht einmal im stand, teil an dem Siegsfeste zu nehmen.
Der Kaiser war gerecht, er beklagte den, der bei den wenigen Schritten, die er auf dem Wege der Tugend getan hatte, so schlechtes Glück fand; er redete freundlich mit ihm, er bot ihm ruhige Dienste an seinem hof an, er erhob ihn, als er dieses mürrisch ausschlug, zur Belohnung seiner Kriegstaten, die er doch nicht einmal alle kannte, in den Grafenstand, und liess ihn wieder heim auf sein Schloss ziehen, welches er in seiner Abwesenheit hatte bessern und ausbauen lassen, und das er jetzt mit ansehnlichen Freiheiten beschenkte, so dass Franz auf demselben gar wohl leben konnte.
Perchta verliess mit schwerem Herzen ihr ruhiges Leben im Kloster, und eilte zu ihrem Gemahl, von welchem sie glaubte sich nicht anders trennen zu dürfen, als wenn er sie selbst verstiess. Ihr Empfang war noch schlechter als sie ihn erwartet hatte. Reutlingen war ein düstrer Menschenfeind geworden, keine Freude war für ihn mehr auf der Welt, und selbst das, was ihm bei seinem bösen unverbesserlichen Herzen, noch einiger Trost gewesen sein würde, die Macht Böses zu tun, selbst dieses fehlte ihm. Seine Kräfte waren geschwächt, seine Glieder verstümmelt, seine Schätze verflogen, er war weder fähig sein altes Raubhandwerk wieder vorzunehmen, noch seinen heimlichen Groll gegen den Kaiser auszulassen, den er ungeachtet seines gnädigen Verfahrens gegen ihn, den Urheber seines Unglücks nannte.
Perchta litt am meisten bei seinen fürchterlichen Launen, sie nannte er die Urheberinn seines Unglücks, sie war die einige, die er nach Wunsch quälen, und alles Gift das in seinem Herzen war, über sie ausströmen konnte. Geduld einer Heiligen gehörte dazu, seine Grausamkeit zu ertragen. Ihr einiger Trost war das Gebet, und die Gesellschaft einer gewissen Römhild, die sie im Kloster kennen gelernt, und sie mit sich genommen hatte, weil es ihr unmöglich dünkte, sich von dieser ihr so nahe verwandten Seele zu trennen.
Römhild, ein fräulein aus einem unbegüterten aber vornehmen Geschlecht, war an Tugend, Schönheit und Unschuld das vollkommene Ebenbild von Reutlingens Gemahlin; sie war ihr ungern in die Welt gefolgt, weil nur das Kloster Reize für sie hatte, die Freundschaft für Perchten machte ihr indessen dieses Opfer leicht, und sie bemühte sich, um ihr Gelübde auf keine Art zu brechen, selbst auf Franzens schloss ein klösterliches Leben zu führen. Reutlingen selbst bekam sie nur selten zu sehen, auch machte ihr Anblick keinen andern Eindruck auf ihn, als den, den jetzt jedes menschliche Wesen auf sein verwahrlostes Herz zu machen pflegte. Römhild war schön und gut, sie war Perchtens Freundinn; Grund genug für Franzen sie zu hassen, und auf ihr Verderben zu sinnen. Der Trieb Böses zu tun, wozu es ihm doch in den meisten Fällen an Vermögen fehlte, war jetzt so heftig in ihm geworden, dass er darauf dachte, ihn zu befriedigen, es möchte geschehen, auf was Art es wolle.
In jenen finstern zeiten des Aberglaubens gab es genug Leute, die sich für Zauberer ausgaben, oder vielmehr, um mich nicht zu sehr von dem Ton meiner geschichte zu entfernen, die es wirklich waren. Reutlingen zog insgeheim die berühmtesten seiner Gegend an sich, um von ihnen die schreckliche Kunst zu lernen, bei wenigen Kräften viel Böses zu tun. Er erwartete grosse Dinge von seinen abscheulichen Lehrmeistern; er hofte durch ihre Hilfe sich an dem Kaiser und an der ganzen Welt, von welcher er sich verkannt und vernachlässigt glaubte, zu rächen, aber alles was ihm diese armseligen Bösewichter gewähren konnten, war Unterricht in einigen verborgenen Künsten von der geringsten Art, die ihn zu einem Unglücksstifter in einer weit kleinern Sphäre machten, als er sich wünschte.
Perchta kam hinter das gottlose Vorhaben ihres Mannes, sie hoffte es zu hintertreiben, oder wenigstens seine Folgen zu schwächen. Sie wusste, dass eine gewisse Nacht zu Franzens feierlicher Aufnahme in die Geheimnisse der schwarzen Kunst bestimmt war. Sie