Gottes, und verspreche dir zur Belohnung deiner Frömmigkeit, die Gewährung einer Bitte, die du einst an dieser Stelle tun musst. – – Es war eben die Stelle, wo die hohe Säule steht, die ihr, meine Kinder wohl kennt, und deren ich im Anfang gedachte.
Perchta sah der schimmernden Gestalt nach, wie sie in der Luft zerfloss, nahm ihre Laterne, die verloschen war, von der Erde auf, hüllte sich mit einem kleinen Schauer in ihren Mantel, und wandelte den unterirdischen gang zurück nach ihrer wohnung, ohne dass sie sich recht besinnen konnte, ob das, was ihr begegnet war, Wahrheit oder Traum sei.
Sankt Peter musste die Bitte der edlen Frau wohl zu Herzen genommen haben, denn von diesem Tage an kam die Nahrung des Ritters Franz von Reutlingen sehr in Verfall. Die Gegend um das Schloss ward eine Wüste, alle Menschen flohen diesen Bezirk, als ob sie vom geheimen Schrecken zurück gescheucht würden; verirrte sich denn noch ja ein Wanderer in Franzens Gebiet, so misslungen die Anschläge auf ihn gemeiniglich, so dass Perchtens Gefängnisse ganz leer wurden, und sie weder jemand zu verschliessen, noch freizulassen hatte; aber Ritter Franzens Schatzkästen wurden es auch, und er fing an, sich jetzt mehr als vordem nach den Vorräten seiner gemahlin umzusehen.
Perchtens Weigerungen und alle ihre vormals gültigen Entschuldigungen waren vergebens, es wurden ihr alle ihre Schlüssel abgefordert, und eine Untersuchung angefangen, für welche die arme Dame zitterte, denn sie wusste wohl, dass ihre Wohltätigkeit alle Kästen geleert hatte, und ihr boshafter Gemahl nichts finden würde.
Sie war voller Angst in den Garten gegangen um daselbst ihr Schicksal, das sie wohl absehen konnte, abzuwarten. Aber wie gross war ihr Erstaunen, als sie nach Verlauf einer Stunde Ritter Franzen freundlich und heiter eintreten, und sie zum erstenmal seit ihrem Hochzeittage, mit einiger Zärtlichkeit umarmen sah. – Perchta, sagte er, du hast wohl hausgehalten, ich sehe, du bist eine so gute Schatzmeisterinn als Gefangenwärterinn; aber du darfst nicht denken, dass ich dir alle deine Schätze nehmen will, hier gebe ich dir indessen einen teil derselben wieder, es wird ungefähr der zwanzigste teil dessen sein, was ich bei dir gefunden habe. Perchta sah ihren Gemahl mit grossen verwundrungsvollen Augen an, sie öfnete den ihr wohlbekannten Beutel, den er ihr in die Hand legte, und fand ungefähr eben das an Quantität und Gehalt darinne, was sie ehemals Sankt Petern auf die Reise gab, und das nicht wenig gewesen war. sonderbar, sagte Ritter Franz, dass du alles in solcher schöner Ordnung, alles in solchen schönen Beuteln, und in solchen guten und egalen Münzsorten aufbewahrt hast; fast möchte es mich dauren, dir deine kleine Götzen genommen zu haben.
Perchta schwieg, wie man denken kann, und dankte in der Stille ihrem guten Freunde Sankt Petern, welcher, wie sie leicht erriet, der Urheber dieses Segens war. Sie wandte ihren Schatz zum Wohltun an, und wunderte sich sehr, ihn nie abnehmen zu sehen. Nicht so Ritter Franz; er brauchte nichts von dem Seinigen zum Wohltun und doch waren seine neunzehn Beutel längst leer, da Perchta den ihrigen noch nicht geöfnet zu haben schien.
Die Sachen auf dem schloss fiengen nun an ein trauriges Ansehen zu gewinnen, Franzens Schätze waren verzehrt, und mit ihnen war auch seine gute Laune dahin. Der heimliche Schatz seiner gemahlin schützte zwar das Haus vor Mangel, aber sie trug billiges Bedenken, ein einiges Goldstück aus ihrem gesegneten Beutel zur Ueppigkeit anzuwenden, und ohne Ueppigkeit und Schwelgerei konnte ihr Gemahl nicht leben. Zudem zog sich ein Ungewitter von der andern Seite auf. Der Kaiser hatte lange zu den Raubereien seines Adels geschwiegen, jetzt erwachte er, dem Unrecht zu steuren, und Ritter Franz stand oben an auf der Liste der Verbrecher.
Nicht lange, so sah man Reutlingens Schloss von den Kaiserlichen umringt, und obgleich Franz alle seine Freunde und Helfer um sich versammelt hatte, und ein gutes Vertrauen auf seine alte Veste setzte, die schon manchen Angrif unerobert ausgehalten hatte, so siegte doch diesesmal die grössere Macht, und die gute Sache. Reutlingens Raubgenossen fielen fast alle im Streite, und Franz ward gefangen und in einen von den Kerkern seines eigenen Schlosses geworfen, in welchem er ehemals so manchen Unglücklichen hatte verschmachten lassen.
Frau Perchten begegnete man mit achtung; es waren unter den Kaiserlichen einige, welche vormals in Reutlingens blutgierige hände gefallen, und von ihr gerettet worden waren. Sie priessen ihr Lob gegen ihren Anführer, und man gestand ihr zur Belohnung ihrer guten Taten, die Freiheit zu, im schloss zu schalten, als ob sie noch Gebieterinn desselben sei. Ihre Schönheit fand noch mehr Bewunderer als ihre Tugend, aber sie zog sich sittsam zurück, und bat, als man ihr eine Bitte freigab, um nichts als um die erlaubnis das gefängnis mit ihrem Gemahl zu teilen. Seine Freiheit zu erbitten, hatte sie schon vergebens gestrebt, und als die weibliche Schwachheit sie zu dem Einfall verleitete, ob die Loslassung ihres Gemals sich nicht mit Gelde erkaufen liess, fand sie ihren Beutel leer. Sie sann darauf, ob Franz sich nicht mit List durch den unterirdischen gang davon bringen liess, aber jeder Versuch, den sie machte, ward vereitelt, und als sie wirklich einmal die Wachsamkeit seiner Hüter getäuscht, und Franzen schon an den Eingang dieses düstern Weges gebracht hatte, so fand es sich, dass er weiter