zu trennen, so machte doch ein Antrag, den sie mir tat, und der mir aus gewissen Ursachen sehr willkommen war, diese Trennung leicht und angenehm.
Sollte man wohl diesen Antrag erraten? sollte man wohl glauben, dass es mir erwünscht sein konnte, dass sie mich um Hannchens Gesellschaft bat? – Ich bin nun ganz allein, sagte sie, meine Töchter sind verheiratet, Sie haben noch vier liebenswürdige Mädchen, die Ihnen ihre Einsamkeit versüssen können; wie wenn wir teilten? wenn sie mir Johannen und Jukunden indessen zu meinen Töchtern gäben? Sie werden mir das Leben auf dem land erträglich machen, und ich werde ihnen eine Mutter sein, die wenigstens den zweiten Rang nach Madam Haller wird behaupten können.
Eine Bitte von dieser Art, würde unter andern Umständen, geradezu mit Nein beantwortet worden sein. Ich konnte keins von meinen Kindern missen, und Hannchen vollends, die mir so lieb war! – Doch war eben sie jetzt die einige ursache, warum ich die Sache einging. Die Gesellschaft der Robignac fing an, mir immer gefährlicher für sie zu scheinen; die Spielgesellschaften in unserm und dem Wilteckischen haus waren auch nicht allemal nach meinem Geschmack; und doch mussten wir auf Befehl meines Mannes immer gegenwärtig sein; die jungen Offiziers aus den benachbarten Orten fanden sich fleissiger dabei ein als sonst, und man hätte blind sein müssen, wenn man nicht hätte merken wollen, dass sie weniger um der Karten willen kamen, als um zuweilen den Anblick der schönen Haller, wie sie Hannchen nannten, zu geniessen.
Ich nahm also die Einladung der Frau von Wilteck für Hannchen an, – nur für sie, denn Jukunde war mir noch zu jung, als dass ich sie aus meinen Augen hätte lassen sollen. Die Frau von Wilteck wandte sich an meinen Mann, und bat ihn, mich zur Einwilligung zu vermögen, er war viel zu galant einer Dame etwas abzuschlagen, und meine schlaue Weigerung machte, dass die Sache von seiner Seite noch weniger Widerrede fand. Ob ich Rosen meiner Tochter als Mädchen mitgeben sollte, darum ward er nicht gefragt, war auch nicht nötig. Hannchen brauchte eine Bedienung, sie hatte Rosen immer wohl leiden können, und ich hingegen hatte meine Ursachen, letztere gern entfernt zu sehen.
Wie mein Abschied von Samuel und Peninnen, so war auch die Trennung von Hannchen; zärtlich, traurig und ahndungsvoll. Ach ihr betrübten Ahndungen, dass ihr doch so sehr durch die Zukunft gerechtfertigt wurdet! – Ich empfahl der Frau von Wilteck meine Tochter so oft und mit so vielem Eifer, dass sie im Scherz sagte, ich sollte mir sie lieber assecuriren lassen. Der alberne Oberste, der gegenwärtig war, fand den Einfall von der assecurirten Tochter lächerlich, und so ward mir die ganze Abschiedsscene verdorben. – Ich habe es nie gern gesehen, wenn man bei ernstaften Dingen auch nur eine Miene zum lachen verzog. – Es ist kein Aberglaube, aber die Tränen kommen in solchem Fall meistens hintennach.
Dreissigstes Kapitel
Die alte Frau ereifert sich sehr über einen Brief
So oft als ich es in den zwei Jahren, dass die Robignac in meinem haus war, hatte wagen können, meine vier jüngsten Töchter mit ihrer Lehrerinn allein zu lassen, so oft hatte ich meine älteste, und meinen guten Vater besucht. Zuweilen nahm ich auch wohl eine oder etliche von den Mädchens mit mir, aber Herr Haller sah dieses niemals gern; er meinte, sie würden in der Gesellschaft ihres grillenfängerischen Grossvaters, und der einfältigen Peninna wenig gutes lernen, und so unterblieb es. Im grund sah ich es lieber, wenn er Peninnen schimpfte und verachtete, als wenn er, wie zuweilen geschah, davon sprach, sie von ihrem Grossvater hinweg zu nehmen, und sie unter die Zucht der Robignac zu geben, welche ihr, wie er sagte, sehr nötig wär. Um selbige Zeit hatte ich mein Hausregiment, das mir vor einiger Zeit so geschmälert wurde, unvermerkt wieder ziemlich an mich gebracht, so, dass ich schon ein Wort reden und mich Herrn Hallers Meinung wegen Zurückberufung Peninnens ein wenig widersetzen konnte, nur so weit reichte meine Gewalt noch nicht, die Robignac aus dem haus zu schaffen; hierzu musste ich glücklichere zeiten erwarten.
Ich hatte bei meinen Besuchen zu Traussental, immer alles in ganz gutem Zustande gefunden. Mein Vater befand sich wohl bei der zärtlichen Pflege seiner Enkelinn, und Peninna war, wenn auch nicht allemal heiter, doch meistens ruhig. Nur eins wollte mir nicht gefallen; es hatte sich zwischen meinen Lieben zu Traussental, und zwischen Herrn Walter und seiner Frau ein Umgang entsponnen, der meines Erachtens kein Gut tun konnte. Madam Charlotte Walter fand das Vergnügen, dass sie an der Seite Peninnens genoss, so unschuldig, dass auch der Neid nichts daran zu tadeln haben könne; ich aber dachte, dass Peninna nicht so sehr geliebt werden würde, wenn sie nicht Samuels Schwester wär. Das Reden von diesem Samuel nahm bei ihren Zusammenkünften kein Ende; Peninna hatte zur Dankbarkeit auch das Vergnügen, etwas von Herrn Walter zu hören, und konnte deswegen Charlotten, an der sie, wie man weiss, im Anfang wenig Gefallen fand, jetzt sehr wohl leiden. Kinder! Kinder! sagte ich zuweilen: Hin ist hin, und für euch beide ist kein Walter und kein Samuel mehr in der Welt, was soll also das Reden? – dass sie das besser wussten, lässt sich denken, man kennt ja die jungen