, das was die Robignac verderbte, gleich wieder gut zu machen. Die Erlernung der französischen Sprache ausgenommen, hatten meine Mädchen wenig Vorteil von dieser Last meines Hauses, dieser Französinn. Ihnen einen guten Ton im Umgange anzugewöhnen hatte sie schlechte Gaben. Anstatt des ernsten gesetzten Wesens, das ich gern an meinen Kindern sah, gewöhnte sie ihnen ein gewisses albernes Geziere an, das mir unausstehlich war, und das sie un joli air enfantin zu nennen pflegte. Nichts wurde ordentlich und ohne läppische Ausschweifungen und Anspielungen erzehlt, alle Worte, vornämlich die deutschen, wenn man einmal ein deutsches Wort hörte, wurden verkehrt ausgesprochen, und selbst in der Sprache, die sie lehren sollte, beschäftigte sie sich so sehr, den Mädchen zu sagen, wie man nicht sprechen müsse, dass sie am Ende mehr von der Sprache des Pöbels, als den edlern Ausdrücken der grossen Welt wussten. – Ganze gespräche wurden auf diese Art gehalten, wie sie sagte zum Scherz, aber leider kam dieser elende Scherz so oft an die Reihe, dass an den Ernst wenig gedacht wurde. Ein Glück war es, dass das Air enfantin der alten Robignac so abscheulich liess, dass ich meine Kinder nur aufmerksam zu machen brauchte, um sie von der Nachahmung abzuschrecken. – In die Ausbildung ihrer Grundsätze, wie sie es nannte, mischte sie sich zum Glück nicht, sie pflegte als ein Kompliment gegen mich zu sagen, dieselbe wär in so guten Händen, dass selbst die Hofmeisterinn von Mesdames de France nichts darinnen würde verbessern können.
Hannchen hatte es sich von Anfang zum Schimpf gerechnet, dass sie, ein sechzehnjähriges Mädchen noch unter einer andern Aufsicht als der Aufsicht ihrer Mutter stehen sollte, und hatte daher nie viel auf die Lehren der Robignac gegeben; jetzt, da nun schon fast ein Jahr verflossen war, seit die Gouvernante im haus war, entzog sie sich ihrem Unterricht noch mehr, und wurde, wie man denken kann, von mir nicht deswegen getadelt. Die Robignac hätte dieses leicht ändern können, wenn sie Herrn Haller von Hannchens Widerspenstigkeit unterrichtet hätte, aber sie war hiezu zu klug, und suchte die Neigung des störrigen Mädchens auf eine geschicktere Art, als durch Zwang zu erwerben.
Es gelang ihr nur gar zu gut, und ich möchte fast aus dem Erfolg glauben, ich sei es zu spät inne geworden, um allen den Schaden zu verhüten, den das gefährliche Mittel sich einzuschmeicheln, dessen sie sich bediente, anrichten konnte. Hannchen las gern. Unsere Hausbibiotek war klein, und bestand meistens aus ernstaften Büchern. Mademoisell de Robignac besass einen merkwürdigen Vorrat von französischen Romanen, von welchen fräulein Gabriele noch den Anfang und das Ende hinweggelesen hatte, und welche kaum Büchern mehr ähnlich sahen. Hannchen hatte ein ziemlich zartes Gefühl für Wohlstand, und ein grosser teil derselben ward also gleich nach Verlesung der ersten Seiten verächtlich hinweggeworfen, indessen blieb doch immer genug solcher Wust übrig, der dem Mädchen das Gehirn verrücken, und ihr Ideen von Liebe und Glück in den Kopf setzen konnten, welche nicht viel taugten.
Hannchen war zu ehrlich, etwas heimlich oder wider meinen Willen zu tun; sie las, aber es war blosser Zufall, dass ich nichts davon erfuhr. Sie selbst war ursache, dass ich es endlich gewahr ward. Sie kam eines Tages in der Freude ihres Herzens, über eine Stelle, die ihr besonders gefiel, mir sie vorzulesen. Ich fragte weiter nach. Sie zeigte mir eine ganze Reihe solcher Schartecken, die sie schon gelesen hatte, und eine noch viel grössere, durch welche sie sich noch durchzuarbeiten gedachte. Ich sprach mit ihr von der Sache, wie es sich geziemt, und da ich nicht gewiss wusste, ob ich ihren Versprechen und den Gelübden der Robignac trauen sollte, dass inskünftige nichts von dieser Art mehr vorfallen sollte, so glaubte ich dem Unheil nicht besser abhelfen zu können, als wenn ich den Schluss fasste, den man bald hören soll.
Neun und zwanzigstes Kapitel
Die Frau Amtmannin kommt aus dem Regen in die
Traufe
Die gemeinschaftliche Goldmine gab so gute Ausbeute, dass zu meinem grössten Verdruss, der Ueberfluss in unserm haus täglich wuchs. Es hätte nur an mir gelegen diesen Ueberfluss noch zu vermehren, denn – – doch das gehört nicht hieher; das Glück, das mir insonderheit zugestossen war, soll schon ein andermal, und zu rechter Zeit erwehnt werden. Genug ich war so weit entfernt, etwas zur Vergrösserung unsers Glanzes beizutragen, dass ich vielmehr von demselben abkürzte und hinweg nahm, was mir möglich war, und dafür den Namen einer Geizigen erhielt, welches mir fast lächerlich dünkte. Ich leitete den ergiebigen Strom ja nicht zu seiner Quelle zurück, ich machte nur kleine Kanäle, und liess sie auswärts fliessen, dass auch der Durstige, der nicht zu uns gehörte, sich laben konnte.
In dem Wilteckischen haus ging es auf eben die Art her, doch ward daselbst fast noch ein vernünftigerer Gebrauch von dem übelerworbenen Gut gemacht: alle Schulden bezahlt, verpfändete Güter eingelösst, so dass es sich anliess, als könnte die hochadeliche Familie wohl ihr Haupt noch einmal erheben, um mit dem vorigen Lichte in der Residenz zu glänzen.
Frau von Wilteck, vielleicht aus Oekonomie, vielleicht aus Ueberdruss an den Auftritten in ihrem haus, entschloss sich, Hohenweiler zu verlassen und auf ein eben erst freigemachtes Gut zu gehen, dass sie nahe bei der Residenz besass. So schwer mir es auch ward, mich von dieser lieben Freundinn