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Vielleicht im Spiele? fragte ich wider meine Art etwas höhnisch.
Ich weiss nicht, ob man mir bei meinem vieljährigen Ehestande, einen einigen Mangel an gehöriger Klugheit und Behutsamkeit in meinem Betragen, wird haben vorwerfen können, aber dieses weiss ich, dass ich jetzt einen Fehler beging, der meiner Peninna kaum würde zu verzeihen gewesen sein. Wie konnte ich hoffen bei einem mann wie Herr Haller mit der Miene des Hohns fortzukommen? was konnte ich davon erwarten, wenn ich mich stellte, eine Sache zu wissen, die man mir verbergen wollte, und dabei man sich, so lange man glaubte, ich sei unwissend, noch einer gewissen Behutsamkeit im Aeusserlichen bediente?
Alle Schranken der Bescheidenheit waren nun durchbrochen. Die üble Begegnung, welche ich gegenwärtig erfuhr, war noch das kleinste von den Uebeln, die ich mir durch meine unbedachtsamen Worte zugezogen hatte. – Andere für mich noch empfindlichere Leiden folgten nach. Mein Mann schonte nun nichts mehr. Das Hausregiment ward meinen Händen fast gänzlich entzogen. Unter dem Vorwande, ich wüsste meine Kinder nicht nach dem Tone zu erziehen, der ihren gegenwärtigen Aussichten zukäme, gab man meinem Albert einen Hofmeister, den ich nicht einmal aussuchen, oder wenigstens seine Wahl mit meinem Beifall bestättigen durfte. Albert ward nach Berlin, jener Stadt, die mir aus Samuels Beschreibungen so verhasst war, geschickt, und sein Führer sollte ihm erst dort zugegeben werden. Der Oberste von Wilteck, ein Mann, den ich nie leiden konnte, nahm Alberten mit nach dem Orte seiner Bestimmung, und ich bekam kaum die erlaubnis, ihm einige mütterliche Lehren mit auf den Weg zu geben.
Meine Töchter bekamen eine Gouvernante, eben die Demoiselle de Robignac, die die beiden nun verheirateten Fräuleins von Wilteck so herrlich erzogen hatte, und die, da sie das hochadeliche Haus schon seit einem Jahre hatte verlassen müssen, eine Stelle brauchte. Das was ich bisher nur gemutmasst hatte, ward jetzt Gewissheit. Mein Mann und die beiden alten Herren von Wilteck, hielten eine gemeinschaftliche Bank zu Berlin, welche ihnen jetzt, da das Glück ihnen günstig war, ein ansehnliches einbrachte. Die Anwesenheit dieser drei würdigen gefährten wurde wechselsweise bei dem Quell ihrer Reichtümer erfordert. Mein Mann hatte den Anfang gemacht, jetzt war der Oberste dort zugegen, nach ihm sollte die Reihe vermutlich den alten Herrn, den Gemahl der Frau von Wilteck treffen, und so war es beschlossen, dass es in einer Reihe fortgehen sollte, bis man genug erarbeitet habe, sich zur Ruhe zu setzen. Fr. v. Wilteck seufzte hierüber sowohl als ich, aber wir wurden nicht gehört.
Das löbliche Handwerk ward nun im kleinen, bald in ihrem bald in meinem haus getrieben, und wir hatten keinen andern Trost als unsere gegenseitigen Klagen. Ich erinnerte denn wohl zuweilen meinen Mann an sein ehemals getanes Gelübde, nicht mehr zu spielen; aber er behauptete, nichts gelobt zu haben, als nicht unglücklich zu spielen: da er nun in seinem gegenwärtigen Verfahren die Quelle seines Glücks fand, so hielt er sich nicht für meineidig. – Ach mir gefiel das anfängliche Schach und Piquetspielen bei Wiltecks gleich nicht, – es war doch gespielt, und man breche nur ein Gelübde erst auf die kleinste Art! –
Acht und zwanzigstes Kapitel
Die Hausfranzösinn
So lästig mir auch Demoisell de Robignac war, so hielt ich es doch der Klugheit gemäss, mich mit ihr zu vertragen, und nur in der Stille, ihre Gewalt so viel als möglich zu beschränken. Auch sie sah es ein, dass es ihr Vorteil sein würde die Frau vom haus zur Freundinn zu haben. Die Art, mit welcher sie sich bei mir einzuschmeicheln suchte, war mir so verhasst, als ihre ganze person. Sie bemühte sich unablässig, mich mit ihrem Geschwätz zu unterhalten, und diese Unterhaltung war meistens so beschaffen, dass sie mich unruhig und missgünstig machte. Bald trug sie die Geheimnisse des Wilteckischen Hauses hervor, und liess mich durch ihre Lästerungen mutmassen, wie es dem Hallerischen haus gehen würde, wenn sie es einst verlassen sollte. Bald berechnete sie mir, wie viel den letzten Abend in der ehrsamen Spielgesellschaft gewonnen und verloren worden war, und bald trat sie meiner Ruhe noch näher und erzählte mir was sie für Bemerkungen über meines Mannes Freundlichkeit gegen Rosen, ein Mädchen, das in meinem haus diente, gemacht habe. Es war lächerlich! Herr Haller, ein Mann schon ziemlich hoch in die Jahre, und Rose, ein flinkes braunes Mädchen von acht und zwanzig Jahren! das hätte noch gefehlt, dass ich in meinem herannahenden Alter, wie eine zweite Sara, auf eine Hagar hätte eifersüchtig werden sollen. Zwar in so weit hatte die Robignac recht, Rose war vordem nicht die tugendhafteste gewesen, und ich hatte meine Barmherzigkeit gegen eine gefallene Sünderinn vielleicht zu weit getrieben, dass ich sie in mein Haus nahm, aber Rose hatte sich bisher so gut aufgeführt, und Herr Haller – nein ich hätte die äusserste Verachtung verdient, wenn ich mich an meinem mann so hätte vergehen, und der Eingebung der hämischen Französinn trauen wollen. Indessen ermangelten doch gespräche von dieser Art nie mich unlustig zu machen, und ich suchte die Kinder beständig an meiner Seite zu haben, um vor dem Gift dieser Schlange, das sie klug genug war mir nur insgeheim beizubringen, sicher zu sein.
Es hatte auch noch einen andern Vorteil, wenn ich meine Töchter wenig von mir liess; ich war denn desto besser im stand