zurück, Peninna war seitdem krank und wieder gesund geworden. Was konnte Herrn Haller für ein Glück zugestossen sein? warum ward es alle diese Zeit über verborgen gehalten worden, und warum wird es nun zum Vorschein gebracht?
Das kleine Julchen trug den Tag nach meiner Rückkunft ein Goldstück herbei, und bat mich, es ihr aufzuheben. Woher hast du es bekommen, liebe Kleine? fragte ich sie. Sie antwortete, sie habe neulich im Kabinet des Papas gespielt, und da sei ein fremder Mann gekommen, welcher ihm viel, viel solche Goldstücke gebracht habe, und da sei sie herbei gelaufen, und habe den Papa gebeten, sie in die Höhe zu heben, damit sie die schönen glänzenden Sachen recht sehen könne, er aber habe sie geschlagen, und ihr denn das Goldstück gegeben, damit sie niemanden etwas von dem lagen möge, was sie gesehen und was der fremde Mann mit dem Papa geredet habe.
Ich hätte den Schlag, den Herr Haller Julchen gegeben hatte, lieber selbst von seiner Hand dulden wollen, wenn ich die ganze Reihe von Fehlern, die er hier in einem zug begangen hatte, damit hätte zurückkaufen können. – Ich zwang mich, und suchte einiges davon wieder gut zu machen, indem ich das kleine Mädchen fragte, ob sie glaube, sich hierbei so aufgeführt zu haben, wie sie solle? Sie sah mich mit ihren grossen schwarzen Augen an und schwieg. – Merkst du es denn nicht, mein Kind, sagte ich, dass dich dein Vater auf die probe stellen wollte, ob du geizig und plauderhaft wärest? Du hättest das Gold, das er dir gab, als wollte er deine Verschwiegenheit abkaufen, nicht nehmen und doch schweigen sollen, so aber hast du es genommen, und doch nicht geschwiegen, Was wird nun dein guter Vater von dir denken? – Er wird zu sich selbst sprechen, wenn mein Julchen einmal gross wird, so wird sie sich von jedermann Goldstücke schenken lassen, weil sie so schön glänzen, und wenn sie etwas sieht, das sie nicht ausplaudern soll, so wird sie doch nicht schweigen, wenn man sie gleich darum gebeten, wenn man sie gleich dafür bezahlt – – – O stille, stille Mama! rief das kleine Mädchen, die ich weiss nicht was schimpfliches in dem Worte Bezahlen finden mochte, das ich freilich mit sehr verächtlicher Miene ausgesprochen hatte. Nein, fuhr sie weinend fort, ich will nicht bezahlt sein, will keine Goldstücke haben, will nicht mehr ausplaudern – – auch nicht mehr neugierig sein? fragte ich. – – Nun so gehe hin, ich will deinem Papa das Goldstück wieder geben, und ihn bitten, dass er nicht schlecht von seinem Julchen denkt, weil sie so übel in seiner probe bestanden ist.
Dass ich Herrn Haller nichts von dieser kleinen Begebenheit sagte, versteht sich. Die geschichte des armen Samuels lehrte mich, wie behutsam ich sein müsste, damit ihm seine andern Kinder nicht auch nach und nach zuwider würden, wie dieser es ihm geworden war. Das arme kleine Mädchen würde bald bei ihm den Namen einer Verräterinn erhalten haben, und ich würde in seinen Augen die verächtliche Rolle einer Mutter gespielt haben, die die Kinder zu Ausspähern der Handlungen ihres Vaters macht.
Die geschichte mit den Goldstücken, welche der fremde Mann brachte, ging mir doch bei alle dem sehr im kopf herum; gern hätte ich gewusst, was der Inhalt seines Gesprächs mit Herrn Haller gewesen sei; aber ich hütete mich wohl, das Kind darum zu fragen; was hätte mir es auch endlich genützt, ein geheimnis zu wissen, das ich zum teil erriet, und das mich auf keine Weise erfreuen konnte.
Sieben und zwanzigstes Kapitel
Die Matrone macht einen Fehler wider die
Staatsklugheit
Die Goldstücke hatten einen gewaltigen Einfluss auf unsere Verfassung. Und binnen der Zeit von einem Jahre war unser Haus nicht mehr zu kennen. Ungeachtet der Vergoldungen, wenn ich es so nennen darf, die mein Mann überall in unserm Aeusserlichen anzubringen suchte, war ich doch gar nicht gesonnen, etwas in dem inneren meines Hauswesens zu ändern. Mein Mann schien nicht mir mir überein zu denken.
Aber mein Kind, sagte er zu mir, soll denn das ewig in diesem Ton bei uns fortgehen? Ewig die einfach besetzte Tafel, immer die nämlichen Gesichter bei Tische, immer meine Mädchen beim Nährahmen und beim Spinnrocken, immer sie und dich in der simpeln Hauskleidung? Es fehlt euch ja, denke ich, an nichts! ich wehre dir ja nicht deine Ausgaben zu erweitern, mehrere Bedienten anzunehmen –
Lieber Albert, sagte ich, wo denkst du hin? Dann würden unsere Ausgaben bald die Einnahme übersteigen, und du weisst wohl, ein Amtmann, der zu grossen Aufwand macht –
sorge doch dafür nicht, sagte er, du siehst doch wohl, dass sich unsere Umstände verbessert haben? – Ich würde es freilich aus verschiedenen Dingen haben mutmassen können, erwiderte ich, aber mutmassen und wissen ist zweierlei; ich gehe in meinen Einrichtungen nicht gern aufs Ungewisse. Auch wüsste ich nicht zu erraten, woher uns ein unvermutetes Glück kommen sollte.
gibt es denn keine Lotterien in der Welt? Hast du das englische los der Tante vergessen?
Ha, das Verkaufte, meinst du? sprach ich. – Verkauft oder nicht verkauft! fuhr er unwillig heraus. Als wenn es nicht andere Lotterien gäbe; als wenn nicht das Glück endlich auch aufhören könne, mir den Rükken zu wenden