frohe aufgeräumte Mädchen machte, den sie auf ihn gehabt hatte.
Meine leidenschaft war zu stark, und Charlottens Herz zu offen, als dass uns unsere beiderseitigen Gefühle lang hätten fremd bleiben sollen, wir erklärten uns einander ohne Rückhalt, und um unserm Verständnisse den kleinsten verdächtigen Anschein zu benehmen, drang ich darauf, dass der Hofrat zum Mitwisser unsers Geheimnisses gemacht werden solle. Mein Wille war der Wille meiner Charlotte, sie liess sich in allem von mir leiten, und war auch dieses zufrieden, ob sie mir gleich gestand, dass sie sich ein wenig vor der Satyre ihres Vormunds fürchtete, ihr Herz so jung vergeben, es an einen Menschen vergeben zu haben, welcher wenig Jahre mehr hatte, als sie.
Der guterzige Alte lachte über den Vortrag, den wir ihm gemeinschaftlich taten; er war mit unserer beiderseitigen Wahl nicht unzufrieden, nur sagte er, wolle er uns treulich raten, noch in Jahren nicht an eine Verbindung zu denken. Zwar setzte er hinzu, du Charlotte, möchtest heute vor den Altar treten, aber der junge Herr da, von seinen Jahren gar nichts zu gedenken, so hat er noch manche Vorurteile in seinem Gehirn, die er erst ablegen muss, ehe er ein guter Ehemann werden kann. Glaube mir, gute Charlotte, so wie er jetzt ist, würde er bei aller seiner Liebe dich unglücklich machen, und überdieses, lieben Kinder, wovon wolltet ihr leben, da ihr beide kein Vermögen habt? – Herr Samuel Haller mag erst auf sein Forkommen denken, sich erst um sein Mädchen verdient machen, ihr ein Heiratsgut erwerben, ehe er ans Hochzeitmachen denkt.
Hier war Charlottens Vormund nach seinem Schreibepulte gegangen. Er zog ein grosses Packet Schriften heraus, und wandte sich mit denselben zu mir. Hier Freund Haller, sagte er, will ich Ihnen etwas geben, dabei sie ihre Geduld, ihre Geschicklichkeit und ihre Liebe zu Charlotten beweisen können. Das Mädchen ist so arm nicht als sie denken. Sie hatte da einmal einen alten Vetter, der im Testament sein Vermögen zwischen sie und einen Schwestersohn, den er hatte, teilte. Dieser sollte das baare Vermögen, und Charlotte ein hübsches Gut bekommen, das seine reinen 1000 Gulden jährlich einbringt. Es waren andere Verwandten da, welche ihre Ansprüche geltend zu machen wussten, die Sache kam zum Prozess; ihr erster Vormund, Gott hab' ihn selig, verstand das Ding nicht, er gab die Angelegenheiten des armen Mädchens in schlechte hände, und man wusste es so zu machen, dass der ganze Handel unbeendigt liegen blieb. Der Ehrenmann starb, ich ward Lottchens Vormund; ich habe die Sache wieder hervorgesucht, und denke sie niemand besser anvertrauen zu können, als dem künftigen Gatten der Erbinn. Hier, Herr Haller, nehmen sie, studiren sie Tag und Nacht, die Sache ist verwickelt, und ich will sie loben, wenn sie sie in einem Jahre zu Ende bringen.
O Charlotte, was für ein Auftrag! für dich arbeiten! dir ein Glück bereiten, und es denn mit dir teilen! – Wir waren entzückt über den Vortrag des guten Alten, wir hielten unsere Sache schon für gewonnen, wir umarmten uns, wir umarmten den Hofrat, und wussten nicht, wo wir unsere Danksagungen für die Beschleunigung unsers Glücks anfangen sollten.
Kinder, Kinder! rief er, seid nicht so voreilig mit euren Hoffnungen! jede Zukunft ist ungewiss, und sollte es die Zukunft des morgenden Tages sein. Auch leiden Charlottens Ansprüche noch allerdings einigen Zweifel.
Wir achteten wenig auf diese Warnung. Ich fing noch an dem nämlichen Tage mein Werk an, das ich nicht so leicht fand, als ich gedacht hatte; aber ein blick von meiner schönen Klientinn und die Hoffnung auf unser künftiges Glück, war hinlänglich, mir jede Mühe zu erleichtern!
Um diese Zeit war es, dass eine neue person in unserm haus auftrat. Charlottens Vetter und Miterbe, ward durch die Erneuerung des Prozesses herbei gezogen, er meldete sich bei dem Hofrate und war nicht ungeneigt, mir die Führung des Anteils, den er an der Sache hatte, ebenfalls zu übertragen. Charlottens Vormund hielt dieses nicht für gut, ich blieb nur der Anwald meiner Geliebten, und Herr Karl Walter wählte sich einen andern.
Bei dem Namen Karl Walter, wurden zwischen mir und Peninnen wieder solche Blicke gewechselt wie bei Charlottens erster Erwehnung: – – Mein Sohn sah unser Augenspiel, seufzte und fuhr fort:
Herr Walter besuchte das Haus des Hofrats oft, er schien Geschmack an meinem und Charlottens Umgang zu finden; man machte ihn mit unserm verhältnis bekannt, und er ward der vertrauteste Freund von uns beiden. Seligere Stunden als die, welche ich an seiner und Charlottens Seite zubrachte, weiss ich mich nicht zu erinnern! Ach sie sind auf ewig dahin, und nie werde ich ähnliche Freunden schmecken!
Ich vertiefte mich in meinen arbeiten, ich hob fast täglich neue Schwierigkeiten und sah fast täglich neue entstehen. Indessen war die Sache auf gutem Wege, und noch zwei oder drei Termine, wenn es mir gelang die weitere Appellation an ein höheres Gericht zu verhüten, so war Charlotte im Besitz ihres Gutes, und ich konnte hoffen, meiner Familie in kurzer Zeit das schönste und beste aller Mädchen als meine Braut vorzustellen.
In einer Nacht, da ich meine schon getanen arbeiten wieder übersah, die Zeit, die ich zu denen brauchen würde, die ich noch vor mir hatte, berechnete, und um