, wurde mir zum Verbrechen gemacht, und damit man volles Recht habe mich zu hassen, so traute man mir zu, dass ich Sie und vielleicht die ganze Welt teil an dem nehmen liess, was mir bekannt war. Sie wissen es, ob ich eher mit Ihnen davon gesprochen habe, als an dem Tage, da ich von meiner Mutter den gänzlichen Fall unsers Glücks erfuhr, und den mir so nötigen Entschluss fasste, mein Fortkommen in der Welt meinem eigenen Fleisse zu danken zu haben. Was hätte ich denn wohl von meinem Vater zu erwarten gehabt?
Reifere Jahre haben mir es jetzt begreiflich gemacht, dass ich so viel mit meiner eigenen Besserung zu tun habe, dass mir nicht Muse genug überbleiben würde, anderer Menschen Richter zu sein; dieses, nicht die Furcht vor den Folgen einer so unzeitigen Lehrsucht, die ich schon bereits erfahren hatte, war es, was mich bestimmte meinen Plan zu ändern, und die Fehler zu vermeiden, die ich hierinnen begangen hatte. Treulich hatte ich eine Zeitlang darüber gehalten, und doch hatte ich keine Ruhe finden können. Mein erster Schritt in die Welt, brachte mich, Sie wissen es, in ein Haus, das ich für die wohnung der Tugend und Frömmigkeit hielt. Das Geld, mit welchem Sie mich so freigebig versehen hatten, machte mir es möglich, mir ein ruhiges und bequemes Leben zu schaffen, und doch bei meinen wenigen Bedürfnissen immer noch genug übrig zu behalten, auch andern, so wie Sie mich gewöhnt hatten, das Leben zu versüssen.
Um in einer so grossen und wegen ihrer Ausschweifungen so berühmten Stadt, wie Berlin, nicht unvermerkt in Verbindungen verwickelt zu werden, die mich selbst auf einen schlimmen Weg leiten, oder mir wenigstens den Anblick des Lasters für meine Ruhe zu oft für die Augen bringen möchten, wählte ich das Haus eines Mannes zu meinem Aufentalt, dessen Aeusserliches dem Ansehen eines leidenden Heiligen glich, und dessen Worte die Worte eines Engels waren. Er war, wie er von sich ausgab, ein unschuldig vertriebener Geistlicher, welcher lieber gewählt hatte im äussersten Elende zu leben, als sich nach den grundsätzen seiner Obern zu bequemen, die den Seinigen und den grundsätzen der Tugend ganz zuwider waren. Er pflegte sehr geheimnissvoll von diesen Dingen zu sprechen, und mir nur so viel davon in den rätselhaftesten Worten zu entdecken, als mich für ihn einnehmen, und mich unter dem, was er mir verschwieg, Geheimnisse von der grössten Wichtigkeit vermuten lassen konnte. Er liess sich einmal als von ohngefehr merken, dass er Sie, mein Vater, kenne, er wusste Umstände aus Ihrem Leben zu erzählen, die nur Ihrem vertrautesten Freunde bekannt sein konnten, und es gelang ihm auf diese Art, sich ganz in mein Herz einzuschleichen. Jetzt war er mir nicht mehr fremd, ungeachtet er mir seinen wahren Namen nicht nannte. Wie ein Sohn den Vater so liebte ich ihn, ich freute mich, die Wohltaten, die ich von Ihnen erhielt, mit demjenigen teilen zu können, der Ihr zärtlichster Freund zu sein schien. Wir sprachen oft und viel von Ihnen, und ich merkte es anfangs nicht, dass manche seiner Erzehlungen gar nicht dahin abzielten, die hohe Meinung zu bestärken, die ich von dem, der mich zuerst auf den Weg der Tugend führte, zu hegen gewohnt war. Derer Winke, die zu Ihrem Nachteil gereichten, wurden nach und nach immer mehr. Er schien auch meine Mutter zu kennen, und auch ihrer wurde nicht geschont, doch musste er seine Beschuldigungen immer in so viel Wahrscheinlichkeit und in einen so schönen Schein der Tugend und Unparteilichkeit einzukleiden, dass es ihm nur gar zu gut glückte, mein Herz nach und nach von Ihnen loszureissen. Sie wissen, wie eine lange Zeit einesmals verging, ohne dass Sie wussten, ob und wie ich lebte. Mein Freund, wie ich ihn damals zu nennen pflegte, wendete diese Zeit, da ich Ihres väterlichen Rats und Unterrichts entbehren musste, an, Grundsätze in mein Herz auszustreuen, die mir hätten gefährlich werden können, wenn Tugend und Rechtschaffenheit nicht so tief in dasselbe von Ihnen gepflanzt worden wären. Ich fing an, Verdacht auf meinen vermeinten Freund zu werfen, ich nahm mir vor, Ihnen zu schreiben, Ihnen alles zu sagen, was mich bisher von Ihnen entfernt hatte, Sie zur Rechtfertigung wegen dessen, was man mir von Ihnen gesagt hatte, aufzufodern, und es darauf zu wagen, ob mir meine Kühnheit von Ihnen eben so belohnt werden würde, wie von meinem Vater. Sie liessen sich zur Entschuldigung gegen mich herab; Sie verlangten Ihren Ankläger zu wissen; ich beschrieb Ihnen den, den ich nicht bei seinem rechten Namen zu nennen wusste, und es fand sich, dass mein vermeinter Freund und ihr heimlicher Feind niemand war als der nichtswürdige Katarines, den ich aus ihren Erzählungen auf der schlechtesten Seite kennte, und der, wie ich nun durch fleissiges Nachforschen erfuhr, nicht wie er sich nannte, ein unschuldig abgesetzter, sondern ein wegen tausendfacher Vergehungen vom amt gejagter Geistlicher war.
So verhasst mir auch der Name Katarines war, so viel Beweise ich auch für seine schlechte Gesinnungen hatte, so wollte ich ihn doch noch auf eine probe stellen, ehe ich ihn ganz verdammte und mich von ihm trennte. Ich entdeckte ihn was ich ihm bisher verschwiegen hatte, dass ich allein von ihrer Gütigkeit lebte, dass es, wenn alles wahr sei, was er mir zu Ihrem Nachteil