so trat meine ältste Tochter, in einem Aufputze herein, in welchem sie wo möglich noch reizender aussah, als in dem gestrigen.
Du willst mich zu Wiltecks begleiten? fragte ich. Wenn sie erlauben, erwiderte sie mit einer kleinen Verbeugung.
Du glaubst also wohl, du wirst der Frau von Sarnim und der Frau Regierungsrätin grosse Freude mit deiner Erscheinung machen? – Peninna faltete ihren Fächer von einander, sah lächelnd vor sich nieder, und schwieg. – Je nun, fuhr ich fort, ihren neuen Gemahlen wirst du wenigstens nicht unangenehm sein, du kannst ihnen leicht besser gefallen, als ihre Neuvermählten.
Peninna fühlte das Bittre in meiner Bemerkung. Eine glühende Röte, die sich über ihr Gesicht verbreitete, und sich bald wieder in ihre gewöhnliche Blässe verkehrte, ersparte mir die Mühe, mich deutlicher zu erklären. – Pfui, Peninna, sprach ich, nachdem ich sie eine Zeitlang steif angesehen hatte, ich schäme mich deiner. Ich kenne keinen häslichern Charakter als den einer Coquette, selbst in dem gelindesten verstand, den die heutige Welt diesem Worte gibt. Du kennst die Verhältnisse, in denen du mit den Neuvermählten gestanden hast, und bist klug genug, einzusehen, dass inskünftige aller Umgang zwischen euch muss aufgehoben bleiben. Die jungen Frauen verdienen wohl deine Verzeihung, aber nicht deine Freundschaft; und ihre Männer – – sie denken edel genug dich zu verachten, wenn du dich ihnen von nun an weiter zeigen würdest. Ein ehrliches Mädchen entzieht sich den Augen, denen sie vielleicht gefallen könnte, und welche kein Recht haben nach ihr zu blikken. – Willst du vielleicht eine Störerinn des ehelichen Friedens werden? Willst du – –
Hier hielt ich ein. Peninnens Tränen fiengen an zu fliessen; es waren keine Tränen des beleidigten Stolzes, sondern die frommen kindlichen Tränen, die bei einem mütterlichen Verweis aus den Augen einer guten Tochter fliessen. – Ich hatte also meinen Zweck erreicht, und versparte den andern teil meiner Predigt auf ein andermal, denn geschenkt war er ihr nicht. – Jetzt legte Peninna ihren Putz ab, ging an ihre häuslichen Geschäfte, und ich machte meinen Ceremonienbesuch allein bei Wiltecks.
Ich fand den Zustand der Sachen im Hochzeitause wie es sich denken lässt. Der Herr von Wilteck und seine gemahlin waren so zufrieden, als mein Mann den Tag nach Peninnens Hochzeit gewesen sein würde. Die Gesichter der jungen Damen klärten sich auf, da sie mich ohne meine Tochter erscheinen sahen. Der Obristlieutenant, der sich sehr verbindlich gegen seine Josephe aufführte, konnte sich doch nicht entalten, mit seiner gewöhnlichen treuherzigen Art, nach Peninnen zu fragen und sie grüssen zu lassen, und der Regierungsrat sass stumm neben Gabrielen, und schienganz mit seinen Gedanken abwesend zu sein. Mein Besuch war kurz, wie ich alle meine Ceremonienvisiten mache.
So kurze Zeit ich von haus gewesen war, so hatte sich doch schon etwas wichtiges in meiner Abwesenheit zugetragen. Meine Tochter kam mir bei meiner Rückkunft mit einem von Freude verklärten Gesicht entgegen. O meine Mutter, rief sie, indem sie mir um den Hals fiel, wir bekommen diesen Nachmittag einen Besuch, der – der – bei dem ich gewiss werde gegenwärtig sein dürfen, gewiss – ich getraue mir zu sagen – dass es nicht Coquetterie sein wird – wenn ich – kurz liebe Mutter, Herr Walter hat sich melden lassen, und ich habe ihn angenommen. Nun, nun, sagte ich, du hast wohl getan, aber Kind, Kind, ich bitte dich, nimm dich in Acht zu gläuben, dass dieser Besuch eine angenehme Beziehung auf dich haben werde. Ich an deiner Stelle würde eher bitten von demselben ausgeschlossen, als dabei gegenwärtig zu sein. O liebe Mutter, rief sie in einem halb traurigen Tone, wie können sie es doch über das Herz bringen, die liebsten Hoffnungen ihrer Peninna so gleich zu unterdrücken.
Deine Hoffnungen Kind? – Ja liebe Mutter, sie wissen ja wie wir mit Herrn Waltern stehen, – ich hoffe es ist nichts Böses, wenn ich ihnen gestehe, ich glaube er kommt um meinetwillen – und – ich liebe ihn – und ich würde ihm alle Obristlieutenante und Regierungsräte der ganzen Welt aufgeopfert haben; bloss seinetwegen reut mich nichts.
Nun dies geständnis ist offenherzig genug, sagte ich, aber schäme dich nur nicht, ich bin deine Mutter, die es gern sieht, wenn du ihr keinen deiner Gedanken verhehlst. – O ich hoffe, unterbrach sie mich, die Zeit wird bald kommen, da ich es vor der ganzen Welt gestehen darf, wie ich von Herrn Walter denke, und ich brenne vor Verlangen, ihm die Beleidigung, die ich ihm ehemals in meiner Einfalt zufügte, durch ein solches geständnis zu vergüten.
Peninna, Peninna! sagte ich mit aufgehobenem Finger, hüte dich dieses geständnis zu frühzeitig zu tun, du möchtest es nicht ohne Beschämung zurück nehmen können. – Glaubst du, dass ein Mann, wie Walter, eine empfangene Beleidigung so leicht vergisst, als du eine angetane? Mein Gott, liebe Mutter, sprach sie, alles das war ja nur Scherz, und ich muss ja den guten Walter kennen. Wenigstens, schloss ich mit einem etwas verdrüsslichen Tone, wollte ich dir wohl raten den Brief, den er bei seinem schnellen Abschied aus Hohenweiler an mich schrieb, noch einigemal zu überlesen, ehe du den kleinsten Schritt mit deiner gewöhnlichen Voreiligkeit zu tun wagst.
Ich ging an mein Schreibepult, nahm ihn heraus und gab ihn