in Verlegenheit, ob sie sich ihr nähern sollte, und Josephe vermehrte ihre Bestürzung durch die unglaubliche Unverschämteit, mit wrlcher sie kein Auge von ihr verwandte und ihre ganze person zu mustern schien. Eben wollte ich mich ins Mittel schlagen, aber der edle Herr von Sarnim kam mir zuvor. Er ging mit seiner gewöhnlichen Treuherzigkeit auf Peninnen zu; nahm sie bei der Hand und führte sie seiner Braut, die sich jetzt einige Schritte vorwärts bewegte, entgegen.
Warum so still und niedergeschlagen? fragte er meine Tochter, die sich vergebens bemühte einige Glückwünschungsworte zu stammeln. Vermutlich Verlegenheit! sagte Josephe, die ihren Kopf auf eine übermütige Art zurück warf, sie wird nicht wissen, wo sie Worte hernehmen soll, mir ihre Freude zu bezeugen, dass sie mich als die Braut des Herrn von Sarnim sieht. Mamsell Haller, erwiderte der Obristlieutenant, weiss wohl, dass es nur an ihr lag die Stelle einzunehmen, die, – mit der sie mich beehren? rief Josephe, sehr artig! in der Tat! ich habe also die Ehre, den Namen zu führen, den Ninnchen Haller verschmähte. Josephe drehte sich mit diesen Worten verächtlich auf die andere Seite, und der Obristlieutenant klopfte vertraulich mit seiner Linken auf Peninnens rechte Hand, die er noch in der seinigen hielt. Sein sie aufgeräumt, liebes Mädchen, sagte er, ich denke keinen Augenblick mehr an das Vergangene, will gewiss ihr Freund sein, ob sie gleich den alten Wachtmeister nicht zum mann haben wollten.
Peninna hatte, wie sie mir sagte, alle ihre Fassung nötig, um die gutgemeinte Rede des freundlichen Alten so zu beantworten, wie sie es verdiente. Die kindische misslungene probe, welche sie gewagt hatte, auch diesem edlen mann aufzulegen, kam ihr wieder in den Sinn, und die Beschämung färbte ihre bleiche Wangen mit so glühender Röte, als Gabriele mit ihrer Schminke auf den ihrigen nicht hatte erkünsteln können.
Es war unmöglich, dass Empfindungen von dieser Art sich nicht in einigen Worten äussern sollten, und diese mochten wohl so ausdrucksvoll, so ganz aus dem Herzen gesprochen sein, dass sie ihre Würkung nicht verfehlen konnten. Sie sind verführt worden, sagte der Obristlieutenant, indem er ihre Hand freundlich drückte, und ich habe mich vielleicht übereilt, wir müssen beide drauf sinnen, unsere Fehler zu verbessern.
Josephe konnte es nicht ausstehen, ihren Bräutigam so lange mit ihrer Nebenbuhlerinn sprechen zu sehen; sie liess ihn abrufen, konnte aber dennoch nicht verhindern, dass Peninna bei der Tafel, auf des Herrn von Sarnim Begehren, an seiner linken Seite sitzen musste, und dass er sich mehr mit ihr unterhielt, als mit derjenigen, die ihm das Schicksal zur gattin gegeben hatte, und die es für nicht zu früh hielt, ihn am Tage ihrer Verbindung, schon die Erstlinge ihrer Eifersucht und mürrischen Laune schmecken zu lassen. – – – Die Ehre an der Seite des edlen Obristlieutenants zu sitzen, und die gelegenheit, die sie gehabt hatte, einen teil seiner ehemaligen guten Meinung wieder herzustellen, machte Peninnen so froh, dass sie ganz wieder sie selbst war; aufgeräumt, ungezwungen, unterhaltend, die Seele des Gesprächs, das in der Gegend, wo sie sass, gehalten wurde.
Der Herr Regierungsrat Berg richtete unterschiedlichemal seine Augen mit einem tiefen Seufzer auf sie, und Gabriele fand, dass einer von den silbernen Armleuchtern auf der Tafel sie blendete und rückte ihn so, dass ihr Bräutigam nichts mehr von Peninnen sehen konnte als höchstens die weisse Feder auf ihrem hut.
Mir entging nicht das geringste von allen diesen Dingen, ich fand eine Art von Beruhigung oder Genugtuung darinnen, und dieser so sehr gefürchtete Abend verging besser als ich gedacht hätte. Wir kehrten ziemlich froh nach haus, und selbst mein Mann gab Peninnen diesen Abend wieder einige freundliche Blicke. Die Lobsprüche, die ihre Gestalt und ihr Betragen bei einigen Anwesenden gefunden hatte, söhnten ihn ein wenig mit ihr aus, und er fing an zu hoffen, dass sie doch vielleicht noch nicht ihr ganzes Glück verscherzt haben möchte, dass es doch noch vielleicht eine Möglichkeit sei, ihrer auf eine ehrenvolle Art los zu werden.
Zwei und zwanzigstes Kapitel
Einige Predigten der Matrone
Peninna war mir durch die begebenheiten des gestrigen Abends, durch den Beifall, den sie in aller Augen gelesen hatte und durch die sichtbare Demütigung ihrer verräterischen Freundinnen, fast zu kühn geworden. Ich sah es nicht gern, dass sie sich sobald über ihre Vergehungen durch einen gefälligen blick von denen, die sie beleidigt hatte, trösten liess. Meinem Urteil nach, müssen wir nie so bereitwillig sein, uns unsere Fehltritte zu verzeihen, als unsere Freunde. Wenn ihre Vergebung sogleich alles bittere Gefühl der Reue austilgt, so sind wir gewiss auf gutem Wege, nächstens wieder zu fehlen, oder wir fallen endlich gar in die unedle abscheuliche Gewohnheit, den guten Seelen, von denen wir wissen, dass ein blick, eine Träne ihren Zorn entwaffnen kann, täglich neue Gelegenheiten zu Geduld und Nachsicht zu geben, und nur mit denen behutsam und schonend zu verfahren, die weniger edel denken, und also auch schwerer zu besänftigen sind.
Schon bereitete ich meiner Peninna eine Vorhaltung über diesen Punkt zu, als sich noch eine gelegenheit zeigte, sie zurecht zu weisen. Kaum hatten wir aus dem Wilteckischen haus Nachricht erhalten, dass die jungen Ehepaare sichtbar, und wie es nun so die Gewohnheit bei uns mit sich brachte, bereit waren, die Glückwünsche ihrer Hochzeitgäste anzunehmen,