zur Rede setzte, und in uns drang, ihm den Namen seines Schwiegersohns zu nennen. – – O Himmel, lasst mich aufhören. Es war offenbar, man hatte ihm bereits alles dienstfertig hinterbracht; er war zuerst beim Pfarrer eingesprochen, bei welchem er einige Geschäfte hatte, die Frau Pfarrerinn hatte nicht ermangelt, ihm in Abwesenheit ihres Mannes einige boshafte Winke zu geben, und mit voller Wut im Herzen erschien er also bei uns, um uns auf die Art zu bewillkommen, von welcher ich hier einige Züge gegeben habe.
Alles, auch die kleinsten Umstände der ärgerlichen geschichte waren ihm bekannt, weiss der Himmel woher die Pfarrerinn so gut unterrichtet sein mochte! aus meinem haus war nichts ausgeplaudert worden, das geheimnis war bloss unter mir und Peninnen geblieben, und es war keine andere Möglichkeit, es musste durch die Fräuleins ausgekommen sein, welche weit entfernt sich über den Anteil, den sie an der Sache hatten, zu schämen, es lieber gesehen hätten, alle Welt zu Zeugen ihrer hämischen Bosheit nehmen zu können. Ohne Zweifel würde dieses das Mittel gewesen sein, die Unschuld meiner Tochter in einiges Licht zu setzen, und es in die Augen fallend zu machen, dass sie nur die Verführte gewesen wär, wenn die gnädigen Damen nicht den Fehler, den sie durch die offenherzige Erzählung des ganzen Vorgangs begangen, eingesehen, ihre erste Aussage zurück genommen, und die Sache nachher auf so verschiedene Art bemäntelt und vorgetragen hätten, dass im ganzen Städtchen die geschichte wohl auf zwanzigerlei Art erzählt wurde. Die Pfarrerinn war im Besitz der schlimmsten Gattung von diesen Varianten, sie war von der Gewissheit ihrer Nachricht so überzeugt, dass sie im stand gewesen wär sie zu beschwören, und sie hatte dieselbe meinem Mann so umständlich, so zuversichtlich überliefert, dass wir Mühe hatten, sie an den Stellen, wo uns offenbares Unrecht geschahe, zu berichtigen, und unserm Richter eine bessere Meinung von uns einzuflössen.
Viele Tage gingen über Bemühungen von dieser Art hin. Herr Haller blieb, wir mochten die Sache aufs beste kehren und wenden, wider uns eingenommen, und er schien so froh zu sein, sich einmal ein richterliches Ansehen wider mich geben zu können, die ich so oft über ihn zu urteilen befugt gewesen war, dass ich hier eine Mitschuldige sein musste, ob ich gleich höchstens nur durch Nachsicht gefehlt hatte. – Hätte es doch sein mögen! ich war eher im stand seinen Zorn zu ertragen als die arme Peninna, welche unter dem Spott und der Grausamkeit, mit welcher er ihr begegnete, zu erliegen gedachte.
Ein und zwanzigstes Kapitel
Eine Hochzeit, bei welcher die Matrone ihr
gesunkenes Haupt wieder ein wenig zu erheben
anfängt
Der Hochzeittag der tugendbelobten Fräuleins nahte heran. Es kam mir nicht in den Sinn dabei zu erscheinen, und Peninna? – da war vollends gar nicht daran zu denken. – So gefasst sie vielleicht vor Ankunft ihres Vaters gewesen wär, ihre falschen Freundinnen zum Altare zu begleiten, so hatte sie doch durch seine bisherige harte Begegnung so viel gelitten, dass sie mehrere Tage bettlägrig sein musste, und eher einem Gespenst als einem siebzehnjährigen Mädchen ähnlich sah; was für eine Figur würde sie bei dem Feste gemacht haben!
Meinen Gedanken nach, sollte auf die wiederholte Einladung vom Wilteckischen haus, mein Mann nebst meinen drei ältsten Kindern ausser Peninnen bei der hohen Vermählungsfeier erscheinen. Ich und die arme Leidende wollten mit den beiden jüngsten zu haus bleiben, und zusehen, ob wir an diesem merkwürdigen Tage wenigstens einige Ruhe geniessen könnten, da niemand um uns sein würde, der durch Vorwürfe unsern Verdruss erschwerte.
Ich hatte meine Einrichtung vergeblich gemacht. Mein Mann bestand darauf, Peninna sollte zur Strafe ihrer Unbesonnenheit bei der Trauung ihrer Freundinnen und ihrer Liebhaber gegenwärtig sein; mir ähnlichen Zwang anzulegen, unternahm er zwar nicht, aber es verstand sich von selbst, dass ich meine Tochter nicht ohne Trost und Beistand ihrem Schicksal, vielleicht dem Hohngelächter der beiden übermütigen Bräute überlassen konnte.
Ich hätte nicht geglaubt, dass Peninna genug Stärke des Geistes besitzen würde, die harte Rolle, die ihr ihr Vater auflegte, mit Anstand zu spielen, und ich verwunderte mich, sie an dem Morgen des grossen Tages gefasster erscheinen zu sehen, als sie seit ihres Vaters Ankunft gewesen war. Wir rüsteten uns zu unserm schweren Gange, und ich muss gestehen, dass meine Tochter, ungeachtet ihrer Leichengestalt, und des ohne alle Kunst und Sorgfalt gewählten Putzes, reizend aussah. Wir wurden zur Trauung geholt; die dicke Gabriele, mit hochrotgefärbten Wangen, und einer Frisur von drei Etagen, flog uns in einem weiten silberstossenen Gewand entgegen, und drückte ihre geliebte Ninon mit solcher Inbrunst an sich, als ob nie etwas unter ihnen vorgegangen wär, das Verweise verdiente; sie nahm das bleiche Mädchen, und stellte sie mit triumphirender Miene ihrem Bräutigam vor, welcher Peninnens kaum hörbaren Glückwunsch mit einer stillschweigenden Verbeugung und einem zur Erde gewandten blick aufnahm. Ich weiss nicht was es war, das ich in seinem Betragen zu lesen glaubte; war es noch Unwillen über Peninnens ehemalige Beleidigung, oder war es Reue, dass er ihre Stelle nicht besser als mit einer Gabriele besetzt hatte. fräulein Josephe, welche allemal mehr Stolz gegen Peninnen geäussert hatte als ihre Schwester, hielt sich auch jetzt zu vornehm, ihr entgegen zu kommen. Sie stand mit einem verächtlich auf sie herabgesenkten blick an ein fester gelehnt da, und schien sich mit ihrem Bräutigam von gleichgültigen Dingen zu unterhalten.
Peninna war