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erstaunte, als sie auch, da wir allein waren, ihre Fassung beibehielt, und ausser einigen Ausrufungen über Gabrielens Falschheit, die ganze Sache behandelte, als ob sie keine Beziehung auf sie habe. Ich sah wohl ein, dass nur bei Walters Anwerbung ihr Herz mit im Spiel gewesen war, und dass an den beiden andern höchstens nur ihre Eitelkeit einen kleinen Anteil genommen hatte. Aber, gute Peninna, war es denn so ein Kleines Frau Regierungsrätinn oder Frau Obristlieutenantinn mit einem ansehnlichen Vermögen zu sein? war es ein Kleines für ein armes Mädchen ein so glänzendes Glück verscherzt zu haben, es verscherzt zu haben ohne dass man es noch einmal in seinem ganzen Umfang kannte? Kränkte es dich nicht, dass du nun überzeugt sein musstest, diejenigen, die du verschmähtest, wären gar nicht die verächtlichen Männer, wie deine falschen Freundinnen dich zu bereden suchten, und nichts als Neid und Verlangen, sich in die Trümmern deines Glücks zu teilen, habe sie bewogen, dich zu der Rolle zu bereden, die du unter ihrer Anführung spielen musstest, und die dir so teuer zu stehen kam?

Mir gingen diese Dinge gewaltig im kopf herum, aber ich hütete mich wohl, meiner betrogenen Tochter meine Gedanken zu entdecken. Die arme hatte bereits zu viel gelitten, ich fühlte, dass ich sie schonen musste. Ich sprach von der ganzen Sache wenig und mit der äussersten Behutsamkeit gegen sie. Ich hatte es noch nicht einmal gewagt, sie zu fragen, ob sie gesonnen sei, die Einladung zur Hochzeit anzunehmen, und mit was für einer Miene sie gedachte, vor ihren abtrünnigen Liebhabern, und ihren falschen Freundinnen zu erscheinen. Wir bemühten uns beiderseits, uns in eine Art von Schlummer und Fühllosigkeit zu wiegen, als auf einmal eine person erschien, deren Ankunft ich schon lange mit geheimer Angst entgegen gesehen hatte, und die uns ziemlich ungestüm aus unserer erkünstelten Ruhe weckte.

Mein Mann hatte eine Reise nach Berlin zu tun gehabt, er war die ganze Zeit über, da diese sonderbaren Dinge in unserm haus vorgingen, abwesend gewesen. Zu der Zeit, als er Hohenweiler verliess, hatten Peninnens Liebhaber nur noch die ersten Schritte zu ihrer Bewerbung um sie getan. Herr Haller hatte nie viel auf seine Tochter Peninna gehalten. Seine Freude und seine Verwunderung schienen gleich gross zu sein, dass das Mädchen von andern mit günstigern Augen betrachtet wurde, und dass sich auf einmal drei gleich würdige Männer fanden, die bereit waren, ihn von einer person zu befreien, die in seinen Augen nichts als eine unnütze Last seines Hauses war.

Seine Wahl fiel, wie ich schon erwehnt habe, auf den Wachtmeister, und der Erfolg wiess, wie wohl er gewählt hatte. Himmel! die Mutter eines so würdigen Mannes wie der Obristleutenant von Sarnim zu werden, eines Mannes der dem Könige das Leben gerettet, der seinen Adel nicht geerbt, der ihn durch eine edle Tat erworben hatte, eines Mannes, von dem soviel in den Zeitungen gestanden hatte, den jedermann kannte und ehrte, der so reich war, der – – o ich hätte vergehen mögen, dass mich Peninnens Torheit um so ein Glück gebracht hatte. Es ist wahr, ich war mehr auf der Seite des Regierungsrats gewesen, denn dieser hatte sich zuerst an mich gewendet; ich hatte mich der Wahl meines Mannes mit mehrerm Ernst als sonst entgegen gesetzt, aber wer hätte auch das denken sollen!

Mein Mann hatte es sich bei seiner Abreise endlich gefallen lassen, dass man die Entscheidung auf Peninnen ankommen liess, aber dieses hatte er mir ernstlich eingebunden, dass die Sache bei seiner Rückkunft beendigt sein müsse. Nun war sie geendigt, aber wie? – Es hätte sich wohl der Mühe verlohnt, mit meiner Peninne zu Rate zu gehen, wie man ihm diese verdrüsslichen Dinge vorbringen, was man ihm davon sagen und was verschweigen wollte, aber zu dem, dass es eine bedenkliche Sache für eine so rechtliche Frau wie ich war, mit der Tochter zu ratschlagen, wie man den Vater hintergehen wollte, so graute mir auch allemal diesen Punkt zu berühren, und wie es immer bei verdrüsslichen Dingen zu gehen pflegt, man schob die Sache so lange auf, bis es endlich zu spät war. Eben so gut, dachte ich, als ich meinen Mann aussteigen sah, und ihm entgegen ging, so geht alles seinen gang; wir leiden für das, worin wir gefehlt haben, und damit ist es aus. Wir dürfen nicht besorgen, dass Dinge, die wir jetzt verschweigen und bemänteln, hintennach erst entdeckt werden, und dass wir vielleicht erst in Jahren den Sturm vollends ausstehen müssen, den wir jetzt von uns abzuwenden suchen.

Ich war auf diese Art in einer ganz guten Fassung, aber leider war sie noch lange nicht fest genug, um mich alle die Auftritte, die uns bevorstanden mit der Würde, die ich immer zu behaupten suchte, ertragen zu lassen. Als Herr Haller sich tief vor der zitternden Peninna beugte, sich auf seinen Stock stützte und sie mit einem tiefen blick in ihre niedergeschlagenen Augen fragte, wie er sie nennen sollte; als er sich darauf gegen mich zurück wandte, und mit einem Tone sagte, der sich nicht beschreiben lässt: Zwar, Mamsell Haller ist sie wohl noch; ich würde es sehr übel nehmen, wenn man die Ankunft des Vaters nicht abgewartet, und ihn um die Hochzeitfreude gebracht hätte. Als er darauf uns mit einem höhnischen Tone um unser Stillschweigen