1788_Naubert_077_28.txt

, dich für schön und gut zu halten.

Peninna brach in Tränen aus, sie schien einzusehen, dass sie gefehlet habe, sie fing an zu glauben, dass ihr Betragen den Wachtmeister und den Regierungsrat vielleicht von der weitern Bewerbung um sie abschrecken werde, aber dies war ja eben die probe; der geliebte Herr Walter, mit welchem sie überhaupt ein wenig säuberlicher umgegangen zu sein schien, würde sie gewiss aushalten, wie sie dachte, und ihr dadurch den besten Beweis von seiner unerschütterlichen Liebe geben, ohne welche, wie fräulein Gabriele und ihre Romane sagten, kein Glück in der Ehe möglich war.

Unbesonnenes, unvernünftiges geschöpf! rief ich, gehe mir aus den Augen, und fange heute an Tränen zu vergiessen, die vielleicht in Jahren nicht vertrocknen werden. – Sie wollte noch etwas sagen, aber ich würdigte sie keiner Antwort, sondern gab ihr einen Wink sich zu entfernen.

Neunzehntes Kapitel

Die stolze Peninna wird gedemütiget

Dass ich die Hoffnung verloren hatte, eine Tochter, die ich liebte, glücklich verheiratet zu sehen, war bei weitem nicht das was mich am empfindlichsten kränkte, die Vorstellung, dass diesen Männern, welche ich alle dreie hochschätzen musste, unwürdig begegnet worden sei, erfüllte mich mit Beschämung, und der Gedanke in Peninnens Herzen einen abscheulichen Winkel gefunden zu haben, in welchem hämische Bosheit lauschte, war mir ein Dolch im Busen, Gott in diesem Herzen, das ich für so unschuldig, so gut und truglos hielt! – so eine gute Meinung ich auch immer von ihrem verstand gehegt hatte, so hätte ich doch dem danken wollen, welcher mich hätte überreden können, sie habe aus herzlicher Einfalt, aus wahrem kindischen Unverstande gefehlt, aber Himmel, ein siebzehnjähriges Mädchen, ein Mädchen wie Peninna!

Mademoisell Ninon stand sehr frühe auf, vermutlich weil sie wenig hatte schlafen können. Ihre Geschäftigkeit ihren liebsten Putz anzulegen, und sich ganz auf die Art zu kleiden wie sie wusste, dass es ihr am vorteilhaftesten war, zeigte, was sie für Erwartungen von diesem Tage hegte. Die rotgeweinten Augen machten einen seltsamen Contrast mit der fröhlichen Tracht, die sie gewählt hatte, und mit der heitern Miene, die sie zu erkünsteln suchte. Fast schien es, als wenn ich einiges Mitleiden mit der armen Betrogenen fühlen wollte, aber mein Unwille behielt die Oberhand, und ich konnte mich nicht überwinden, ihr ein freundliches Wort zuzusprechen.

Ich kleidete mich wie gewöhnlich, und zeigte dadurch, dass ich einige häusliche arbeiten vornahm, welche an keinem festlichen Tage statt zu haben pflegen, dass ich es voraussahe, Peninna würde sich umsonst geschmückt haben. Wie ich gedacht hatte so geschah es, wir blieben allein, nicht einer von den erwarteten Freiern erschien, ungeachtet sie wussten, dass dieser Tag ihr Glück entscheiden sollte, sogar von den Fräuleins erfolgte keine Botschaft, und diese hatten doch bisher keinen Tag ohne ihre Ninon leben können. Peninna legte traurig ihre häuslichen Kleider wieder an, und das einige was sich an dem ganzen Tage zutrug, das einige Beziehung auf unsere Angelegenheiten hatte, war, dass ich gegen Abend einen Brief erhielt, von welchem ich nicht weiss, ob ich ihn mit Verdruss oder mit Schadenfreude las. Ich war noch zu erzürnt auf die Verbrecherinn als dass ich hätte Mitleiden mit ihr haben sollen. Lies ihn, sagte ich zu ihr, indem ich ihr den Brief hinreichte, er ist von einer person, deren Besuch du heute erwartet hast. Sie las folgendes:

"Verehrungswürdige Frau!

Unumgänglich nötige Geschäfte zwingen mich zu meiner Gemeinde zurückzukehren, die ich schon gar zu lange verlassen hatte. Wahrscheinlich werde ich diese Gegend, wo eine person wohnt, die ich schätze und verehre, und die ich vor nicht gar langer Zeit, ach wie gern, Mutter genennet hätte, so bald nicht wieder sehen. Sollte Ihnen in meinem schnellen Abschied etwas seltsam und unerwartet vorkommen, so bitte ich, versparen Sie ihr Urteil über mich, bis ich mich entschuldigen kann; vielleicht dass ich Ihnen alsdann in meiner Gattin eine person vorstelle, die meinem Betragen die beste Entschuldigung sein wird, und die mich vielleicht wieder mit der Welt aussöhnt, in welcher ich jetzt nur ein gutes Frauenzimmer, die ehrwürdige Madam Haller kenne. O vortrefliche, edle Frau, möchten Sie doch glücklicher sein, als Sie aller Wahrscheinlichkeit nach sein können! Ich empfehle mich Ihrem werten haus, und bin Ihr wahrer Freund und Verehrer

Karl Walter."

Und meiner mit keinem Worte gedacht? rief Peninna mit einem Blicke, der sich nicht beschreiben lässt. Vermutlich, erwiderte ich, gehörst du auch mit zu dem werten haus, dem er sich empfehlen lässt. Und seine Gattin? fragte sie weiter, was mag er wohl damit meinen. Ich weiss gewiss, er scherzt nur, er liebte mich ja so sehr! – Ich schwieg. Peninna setzte sich mir gegenüber, um den Brief noch einmal zu lesen. Ich sah verstohlen über meine Näterei hinweg um sie zu beobachten. Ihre Augen trübten sich beim Lesen, Tränen schienen aus denselben strömen zu wollen, aber plötzlich ward sie bleich, ihre Hand mit dem Briefe sank herab, und ich hatte noch eben Zeit aufzuspringen, sie in meine arme zu fassen, und vor dem Umsinken zu hüten. – Die mütterliche Liebe kehrte in mein Herz zurück, ich suchte die arme mit tausend liebkosenden Namen zu erwecken, ich legte meine Wangen an die ihrigen und benetzte sie mit meinen Tränen; umsonst, ich musste