, und wenn du nicht bisher immer in so erleuchteter Gesellschaft gewesen wärest, so müsste ich glauben, du wolltest den wählen, den du etwa morgen zuerst erblicken wirst. Sie scherzen, liebe Mutter, sagte sie, Sie wissen, dass dergleichen Possen mir nicht in den Sinn kommen können, aber – ich meine – ich will nur sagen – würden Sie mir es wohl verdenken, wenn ich die, die mich lieben, auf eine kleine probe gestellt hätte? – Auf eine probe? rief ich, da hört man die Romanenstreiche, was gilts fräulein Gabriele hat dir etwas aus ihren verwünschten französischen Büchern vorgeschwatzt, und – Nein, liebe Mutter, sagte sie, das fräulein hat weiter keinen, hat unmittelbar keinen Anteil an den Maasregeln, die ich genommen habe. Auch nicht durch diesen Brief? schrie ich in einem Ausbruch von Zorn, der bei mir etwas ungewöhnliches war. Ich hatte bei diesen Worten Gabrielens Brief hervorgezogen; Peninna nahm ihn aus meiner Hand, errötete und schien ihn eine Zeitlang schweigend zu überlesen. Es ist wahr, sagte sie nach einer Weile, Gabriele hat so unrecht nicht, der Wachtmeister ist für mich zu alt und wunderlich, der Regierungsrat ist ein steifer Geck, den ich nicht ausstehen kann, aber der arme Herr Walter, was hat dieser getan? ich wette, er wird der einige sein, welcher meine probe aushält, und welchen mir also der Himmel zum Gatte bestimmt hat.
Ich dachte vor Unmut zu sterben, und ich glaube, ich begegnete ihr wegen ihres albernen unverständlichen Gewäsches mit einer Strenge, die sie bei mir nicht vermutet hatte. Sie warf sich mir um den Hals, sie suchte mich durch Bitten und Tränen zu besänftigen, und was ich endlich erfuhr, war folgendes.
Es war wirklich den Fräuleins gelungen, dem Mädchen einen Widerwillen gegen die beiden ersten von ihren Liebhabern beizubringen, nur bei Herrn Walter hatten sie nicht so gutes Glück gehabt, und sie würde vielleicht sich für ihn erklärt haben, wenn sie es nicht für unbillig gehalten hätte, die beiden andern ganz zu verwerfen, von denen sie wusste, dass der eine mir, und der andere ihrem Vater besonders lieb war; um also keinem einen Vorzug vor den anderen zu geben, hatte sie sich entschlossen, sie alle auf eine probe zu stellen, von welcher es in die Augen fallend war, dass sie nicht Peninnen, sondern ihren beiden klugen und sinnreichen Freundinnen ihre Erfindung zu danken hatte. Peninna besass Witz, und ihre beiden Freundinnen Bosheit, zwei Dinge, deren Mischung wohl im stand ist, den ernstaftesten und gesetztesten Mann aus der Fassung zu bringen, und in Lagen zu versetzen, in welchen er andern und sich selbst lächerlich vorkommen muss. Schon alle diese Tage über, da Peninna die Gesellschaft ihrer Freier bei Wiltecks so fleissig genossen hatte, und ich sie in ernstaften Ueberlegungen ihres Glücks begriffen geglaubt hatte, waren von ihr und jenen Närrinnen angewendet worden, dreien würdigen Männern allerlei kleine Streiche zu spielen, um ihre Geduld zu probiren, und es Peninnen anschaulich zu machen, welcher von allen das meiste von ihr vertragen könne, und sie also am meisten lieben müsse; aber den letzten Abend war die Hauptprobe gewesen, wie sich meine einfältige Tochter, die ich in diesem Augenblicke von ganzem Herzen verachtete, aus zudrücken beliebte. Man hatte allerlei kleine Spiele gespielt, und Peninna hatte ihren Witz, und die Gewalt, die sie über ihre Liebhaber zu haben glaubte, auf so mannichfache Art geübt, dass sie wenigstens darinnen recht hatte, wenn sie dieses seltsame Verfahren eine Hauptprobe nannte, denn ich zweifle, ob einer von den alten Rittern, den Mustern der Treue und Zärtlichkeit die den Eigensinn ihrer Schönen zehn Jahre lang ohne Murren und ohne Hoffnung der Belohnung zu ertragen vermochten, nicht lieber den Kampf mit einigen Riesen und Zauberern unternommen, als es geduldet hätte, einen Abend lang dem Witz eines mutwilligen Mädchens und der Bosheit zwoer unvernünftigen Dirnen zuni Ziele zu dienen.
Mein Zorn über die Erzählerinn war ohne grenzen. Und nach allen diesen Dingen, fragte ich sie, so fein und witzig sie dir zu sein dünken, bildest du dir ein, dass einer von diesen Männern, die dich hoch genug schätzten dich zur Gefärtinn ihres ganzen Lebens zu wählen, noch einen Gedanken auf dich haben wird? Dass du sie verachten musstest, war in die Augen fallend, sonst würdest du ihnen nicht wie Knaben begegnet haben, und glaubst du wohl, dass man sich gern mit einer person verbindet, die nichts als Geringschätzung für uns zu fühlen scheint. Ein Mann müsste selbst die schlechteste Meinung von sich haben, wenn er die zur gattin wählte, welche seine redliche Liebe zum Spielwerk ihres elenden Witzes macht, mit der Gewalt, die sie über ihn zu haben glaubt, auf eine lächerliche Art prahlet, und ihn für einen Sklaven hält, den sie öffentlich an Ketten führen kann.
Peninna unterbrach mich, und versicherte heilig, dass sie keine Verachtung gegen diese Herren fühle, dass alles ja nur Scherz gewesen sei, und – wenigstens fiel ich ihr in die Rede, hatten sie deine Verachtung mit nichts verdient, als dadurch, dass sie ihre Augen auf dich warfen; ein Einfall, der doch selbst in deinen Augen sie herabgesetzt haben muss, weil du es wagtest unter dem Charakter deiner Liebhaber ihrer zu spotten, eine Kühnheit, die du wohl gegen keinen andern, als gegen den würdest gebraucht haben, der einfältig genug war