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mit einer Wärme, dass ich oft zweifelhaft ward, welchen sie wählen würde, bis wir am Ende doch noch bei dem Ausspruch waren, den ich zum Eingang meines Vortrags an das Mädchen gewählt hatte: es sei schwer unter drei guten Dingen eine Wahl zu treffen, und man wisse nicht, wozu man sich entschliessen solle. Ich würde es meiner Tochter sehr übel ausgelegt haben, wenn sie das jungfräuliche Ceremoniel so schlecht verstanden hätte, nicht einmal um Bedenkzeit zu bitten, und ich versagte ihr dieselbe also gar nicht, da sie sie forderte, Besinne dich mein Kind, sagte ich, und melde mir in acht Tagen, wozu du dich entschlossen hast. Ich merkte, dass Peninna in diesen Tagen viel Conferenzen mit den Fräuleins hielt, und wartete mit Verlangen auf den Sonntag Abend, welches der Termin war, den ich ihr angesetzt hatte. Wir hatten diesen Sonntag wie gewöhnlich bei Wiltecks zugebracht, und es hatte sich sonderlich treffen müssen, dass meine Schwiegersöhne in Hoffnung, alle zugegen waren. Peninna hatte sich zum Verwundern wohl in acht genommen, dass keiner von ihren Liebhabern sich eines Vorzugs rühmen konnte; mit dem Wachtmeister hatte sie Schach gespielt, mit dem Regierungsrat hatte sie von der Hauptstadt, in welcher er leben sollte, und mit Herrn Walter von der Gastpredigt gesprochen, welche er in unserm Städtchen gehalten hatte; ein Betragen, das mir ganz wohl gefiel, denn es war nicht nötig, dass jemand eher etwas von ihrer Entschliessung erfuhr, bis sie selbige ihrer Mutter entdeckt hatte; ich habe immer etwas auf die gehörigen Förmlichkeiten gehalten. Aber als wir des Abends mit einander allein waren, und ich auf meine Frage die nämliche unbestimmte Antwort erhielt, wie vor acht Tagen, da schüttelte ich den Kopf gewaltig, und konnte mich nicht entalten mit einiger Strenge in das Mädchen zu dringen. Indessen was kann das Bitten eines geliebten Kindes nicht von einer Mutter erlangen! Ich räumte Peninnen noch vierzehn Tage ein, sich zu bedenken, verbat mir aber in dieser Zeit allen Umgang mit den Fräuleins, weil ich ursache zu haben glaubte, in sie ein Misstrauen zu setzen; eine alternde Jungfer ist nie gut bei der Verheiratung eines jungen Mädchens um Rat zu fragen. Herr Sarnim der Wachtmeister, der Regierungsrat Berg, und der Prediger Walter fanden sich des andern Tages ein, die Entscheidung ihres Schicksals zu holen, aber sie mussten sich gefallen lassen, dem Eigensinn eines Mädchens noch etwas nachzusehen, und sich ein paar Wochen länger zu gedulden.

Mein Verbot, die Fräuleins in den wichtigen Ueberlegungstagen nicht zu sehen, musste bald gebrochen werden. fräulein Gabriele ward, als sie ihre teure Ninon einige Tage nicht gesehen hatte, zum tod krank, und liess inständig um einen Besuch bitten, und Peninna machte mir des Weinens und Flehens so viel, dass ich sie endlich entliess, doch mit der Bedingung, nichts von ihren Angelegenheiten mit ihren vornehmen Freundinnen zu sprechen; Peninna versicherte, dass Gabriele, wenn sie krank sei, von nichts zu reden wisse, als von ihrem Uebel, und so entkam sie der notwendigkeit, mir ein Versprechen zu tun, das sie nicht gehalten haben würde.

Die Krankheit des gnädigen Fräuleins dauerte lange, Peninna musste täglich bei ihr sein, ich erfuhr, dass die drei Liebhaber auch öfters von der Gesellschaft wären, dass Gabrielens Vapeurs sie nicht hinderten, sich in ihrem artigen Negligee sehen zu lassen, und dass ihre Gesellschafterinn Peninna also täglich gelegenheit hatte, durch Vergleichung und Abwägung der Verdienste ihrer Freier ihre Wahl fest zu machen; ich war zu gewissenhaft, sie vor der Zeit zu fragen, und wartete den Tag mit Ruhe ab, der mir die gewünschte Aufklärung in der schweren Sache geben sollte, die mir so sehr am Herzen lag, aber ein Zufall riss mich früher aus meinen Zweifeln, und liess mich die ganze Antwort ahnden, die ich zur bestimmten Zeit von Peninnen erhalten würde.

Den Tag vor dem Ende der Bedenkzeit befand ich mich ganz allein in Peninnens Zimmer, sie war zu den Fräuleins gerufen worden, und hatte in der Eil ihre Sachen in einer Unordnung zurück gelassen, die ich nicht an ihr gewohnt, auch nicht zu dulden gesonnen war. Indem ich beschäftigt war, diesen Fehler zu verbessern, und schon tausend Kleinigkeiten, die die Mädchens so gern um sich zu haben pflegen, Kästchen, Spiegel, Bänder, Blumen, Bilder, Näterei und Bücher, auf die Seite geräumt hatte, sties ich auf einen Brief, in welchem ich fräulein Gabrielens kritzelnde Hand erkannte, und welcher schon vor mehrern Tagen, gerade zu der Zeit geschrieben sein musste, da mein Verbot an Peninnen, die Fräuleins nicht zu besuchen, noch nicht hatte zurückgenommen werden müssen. Ich sah die Namen des Wachtmeisters und des Regierungsrats darinnen, und ich hätte kein Weib, ich hätte nicht Mutter sein müssen, wenn ich ihn nicht eröfnet und gelesen hätte. Was ich fand war folgendes:

"Beste Seele!

Deine harte Mutter verbietet dir also uns zu sehen? nicht genug, dass sie dich in Fesseln schmieden will, die unsere Freundschaft zeitig genug unterbrechen werden, sie will dich auch noch vorher fühlen lassen, was für ein Joch du bald tragen sollst? – Doch du hältst den Ehestand für kein Joch; du hast mir es noch gestern gestanden, dass du dich ganz gewiss für einen von deinen dreien vortreflichen Liebhabern entschliessen wirst. Verlangen soll michs nur, auf welchen deine Wahl fallen wird, ob auf den hässlichen alten Wachtmeister