ganz leer von feingesponnenen Garn, und die Städterinnen kamen nicht mehr zur Frau Amtmannin von Hohenweiler, um bei ihr die schöne haltbare Leinwand zu kaufen, die sie weben liess.
Hatte ich auf dieser Seite Schaden, so schien sich auf der andern ein kleiner Vorteil hervor zu tun, den wir in der Einsamkeit nicht hätten erwarten können. Die Familie von Wilteck hatte sich nicht so ganz von der Welt abgesondert, dass sie nicht zuweilen von ihren ehemaligen Freunden hätte besucht werden sollen. Zu dem sogenannten Obersten kamen oft Offiziers von dem in der Nähe liegenden Regimente, die aber alle – welches wunderlich war – sehr familiär mit ihm taten, und ihn nie anders als Leutenant nennten; auch bekam der alte Herr von Wilteck zuweilen Zuspruch von Herrn Berg, dem ehemaligen Gerichtshalter seiner weiland an der Grenze gelegenen Güter, der oft seinen Sohn einen jungen Rechtsgelehrten mit sich brachte, dessen stilles gesetztes Wesen mir unendlich gefiel. Auf diese Art bekam ich und meine Kinder oft artige Leute zu sehen, und Peninna ward durch ihre Hilfe zeitig gewahr, dass die Sentenz, die ich ihr ehemals vorsagte: Kein armes Mädchen sei schön, nicht durchaus richtig sein könne.
Unter so vielen jungen Herren, die sie bei Wiltecks zu sehen bekam, war mancher, der ihr das Gegenteil von dem Machtspruch ihrer Mutter begreiflich zu machen suchte, und indessen die schwarzbraune Josephe sich für den allgemein angebeteten Gegenstand hielt, und die fade Gabriele schrie, dass sie vor den Verfolgungen der Männer nicht zu bleiben wisse, sahen aller Augen auf meine Peninna, welche die Mühe, die man sich um sie gab, kaum bemerkte, und da, wo es ihrer Aufmerksamkeit nicht entgehen konnte, sich ihrer inneren Würde bewusst, mit holdem jungfräulichen Stolz zurückzog.
Die Bewerbungen einiger jungen unbesonnenen Offiziers, würden meiner Tochter nun eben nicht so gar viel Ehre gemacht haben, aber es gab unter ihren Anbetern einige, die es ernstlich meinten, die ihr Glück machen konnten, und von welchen auch gewiss einer in ihrem freien unbefangenen Herzen Platz gefunden haben würde, wenn alles gegangen wär wie es sollte.
Unter den Besuchen des Obersten, war ein Mann, aus dem ich immer nicht wusste was ich machen sollte, man nannte ihn Herr Wachtmeister, und gleichwohl bezeugten ihm alle die jungen Offiziers, und selbst der Oberste eine achtung, die den Namen, den er führte, weit übertraf, und die er mit der Kaltblütigkeit erwiderte, mit welcher Höhere die Höflichkeiten des Geringern annehmen; selbst die Fräuleins, welche doch sonst alles, was unter ihrem stand war, zu verachten pflegten, nahmen eine gefällige Miene gegen ihn an, und handelten weniger frei in seiner Gegenwart als sonst. Wenn ich nicht gewusst hätte, welchen Abscheu man in diesem haus vor Missheuraten habe, oder wenn der Wachtmeister, der schon ein Mann bei Jahren war, mehr gefälliges in seinem Aeusserlichen gehabt hätte, so würde ich zuweilen auf den Einfall geraten sein, fräulein Josephe trachtete nach seiner Eroberung, aber ein solcher Gedanke wär Lästerung gegen eine so adeliche Seele gewesen, auch richtete der Wachtmeister seine Augen nicht auf einen so erhabenen Gegenstand; unsere Peninna war es, die seine Aufmerksamkeit auf sich zog, und nicht lange, so entdeckte er seine Absichten auf sie, ihrem Vater, auf eine so einnehmende Art, dass wir von ganzem Herzen ja gesagt haben würden, wenn Peninna mit uns überein gedacht, oder wenn sich nicht der Freier mehr gemeldet hätten, die alle verdienten, in einige überlegung genommen zu werden.
Um eben diese Zeit erhielt ich Peninnens wegen einen ähnlichen Antrag von dem jungen Rechtsgelehrten, welcher jetzt als Regierungsrat nach W... kam, und meiner Tochter mit seiner Hand ein Glück anbot, welches nicht zu verachten war. Ein fürchterlicher Nebenbuhler für den ehrlichen Wachtmeister, denn Jugend, Schönheit, Stand, alles war auf der Seite des Regierungsrats, und vor allen Dingen der Wille von Peninnens Mutter, denn obgleich mein Mann das grössere Vermögen des Wachtmeisters anführte, so würde ich doch vielleicht in diesem Fall einmal mein Ansehen gezeigt, und mit Zuziehung der Hauptperson, meiner Tochter, die Ansprüche des jungen Regierungsrats durchgesetzt haben, wenn sich nicht noch ein dritter gefunden hätte, der ohne so reich wie der Wachtmeister, ohne so schön wie der Regierungsrat zu sein, meiner Tochter besser als alle die andern gefiel. Es war Herr Walter, der ehemalige Lehrer Junker Ludwigs, der mit Peninnen schon lange ein Verständniss, das aus Blicken und gebrochenen Worten bestand, unterhalten zu haben schien, und sie jetzt, da er einen Ruf als Prediger in die Vaterstadt meines Mannes erhielt, plötzlich deutlicher erklärte so dass ich nun die Wahl unter dreien würdigen Männern für meine Peninna hatte. Welche Wonne, welcher Triumpf für eine Mutter, die sich in der Schönheit ihrer Tochter von neuem aufleben sieht.
Siebzehntes Kapitel
Eine lange Bedenkzeit
Die Sache wurde mit Peninnen in überlegung gezogen, und ich muss ihr nachsagen, dass sie sich für ein so junges Mädchen recht vernünftig dabei aufführte. So gewiss ich geglaubt hätte, dass ihre Wahl sogleich auf Herrn Walter fallen würde, welches mir, da er dem äusserlichen Ansehen nach die schlechteste Partie unter allen war, nicht ganz recht gewesen sein würde, so fand sichs doch, dass ich geirrt hatte. Das Mädchen konnte zwar ihre Vorliebe für den jungen Geistlichen nicht bergen, aber dieses machte sie nicht blind gegen die Vorzüge des andern, sie sprach von dem Regierungsrat und selbst von dem Wachtmeister