unsers Orts wöchentlich zu sehen, und sie ziemlich oft bei uns zu Tische zu haben; jetzt merkte ich auf einmal, dass mir bei ihren Besuchen die Zeit lang wurde, und dass die kleinen Abendmahlzeiten weder uns noch ihnen Freude machten.
Meine Kinder gut zu erziehen, war es bisher erforderlich gewesen, ihnen einige Lehrmeister und Lehrmeisterinnen zu halten, jetzt besannen sich meine beiden ältsten Töchter, dass sie genug verstünden die Lehrerinnen der jüngern zu werden, auch musste mein Mann nicht mehr so oft in die Stadt reiten, wo die verderblichen Spieler wohnten, er bekam mehr Zeit sich mit mir und unsern Kindern zu unterhalten, denn – er hatte keinen Amtsverweser mehr, und ich habe schon oft angemerkt, dass Gehilfen in manchen Fällen die Mühe eher mehren als mindern.
So wohltätig diese Aenderungen im grund für uns waren, so hatten sie doch auch ihre Unbequemlichkeiten. Im Amtause spückten Ratten und Geister; die Damen unsers Orts fanden sich durch den abgebrochenen Umgang beleidigt, nannten mich stolz, und lohnten mir mit übler Nachrede; die jüngern Geschwister wollten den ältern, die sie lehrten, nicht allemal gehorchen; und die beständige Anwesenheit eines durch Verdrüsslichkeiten und Mangel an Vergnügungen eigensinnig gewordenen Mannes ward mir oft lästig; auch gereichte sein Umgang den Kindern nicht allemal zum Vorteil. Hanna und Peninna mussten viel von ihm leiden, oft bloss darum – weil sie Hanna und Peninna hiessen, und die andern mit den lieblicher tönenden Namen, waren immer schöner, klüger, und besser als jene, und wurden verzärtelt.
Eine jede von diesen Verdrüsslichkeiten war hinlänglich, uns unsere neue Lebensart zu erschweren, und ich könnte fast von jeder derselben etwas besonders sagen, das keinen kleinen Einfluss auf unser Glück und unsere Ruhe hatte; doch ich will, um nicht zu weitläuftig zu werden, jetzt nur bei dem stehen bleiben, was mich unmittelbar selbst anging, und mir, ich läugne es nicht, recht empfindlich ans Herz griff.
Vierzehntes Kapitel
Grosse Neigung der alten Dame zu bussfertigen
Magdalenen. Einige Winke von den herrlichen
Ruinen ihrer Schönheit, und ein paar Pröbgen von
ihrer stolzen Zurückhaltung gegen Vornehmere
Die Frauen unsers Städtchens, mit welchen ich im grund den Umgang nicht ganz aufzuheben, nur in eine gemässigtere Form zu bringen gesucht hatte, und welche dieses nachlassende Feuer der ehemaligen Freundschaft für förmlichen Bruch hielten, sannen darauf, wie sie meiner Ehre einen Flecken anhängen, und sich das Ansehen geben wollten, als hätten sie selbst sich meiner aus guten Ursachen entäussert. Sie musterten meine ganze Lebensgeschichte, so weit ihnen dieselbe bekannt war, und stiessen auf nichts in derselben, das zu ihrem Zweck dienen konnte, als auf einige begebenheiten aus den ersten Jahren meines Ehestandes, die mir so wenig zu Herzen gingen, dass ich sie gegen euch zu erwehnen vergessen habe. Ich war damals eine junge Frau, war ziemlich artig, und mein Mann machte sich gern mit seiner schönen gattin, wie er mich damals nannte, breit; war es denn zu verwundern, dass ich von einer Menge von Anbetern umflattert wurde, und war das wohl eine Sache, die mir die Törinnen zur Sünde machen konnten? Auch war es zu bekannt, wie bald ich mich den Blicken meiner gaffenden Bewunderer entzogen, und die Einsamkeit dem wilden Leben, in welches mein Mann mich so gern verstrickt hätte, vorgezogen hatte: meine Lästerinnen durften also hier nichts als Winke und verblümte Reden wagen. – Nicht so schonend gingen sie mit meinen gegenwärtigen grundsätzen um: der regelmässige gang, den alle Dinge in meinem haus und also auch die Andachtsübungen hatten, machte mich zur Herrnhuterinn; die Neigung zu meinen Kindern, war Affenliebe, und da sie nichts von unsern geringen Vermögensumständen wussten, die sie gewiss meiner Verschwendung zugerechnet haben würden, so nannten sie meine Sparsamkeit, Geiz.
Eine Lieblingsmeinung hatte ich noch, die ich vielleicht ehemals zu offenherzig gegen sie geäussert hatte, und welche mir nunmehr aufs ärgste gedeutet ward: so streng ich, was mich und die Meinigen anging, auf Zucht und Tugend hielt, so mitleidig war ich gegen andere arme Geschöpfe, welche etwa einen Fehltritt getan, und dadurch in die hände der Gerechtigkeit, oder unter die noch unbarmherzigere Geissel der Lästersucht geraten waren; im letzten Fall wurden schonende Entschuldigungen, und im ersten dringende Vorbitten bei meinem mann nicht gesparet. Ja die Frau Pfarrerinn wollte mich der schrecklichen Sünde zeihen, dass ich viel zur Abschaffung der Kirchenbusse in unsern Gegenden beigetragen, und einmal Himmel und Erde bewegt hätte, dass der Prozess einer Kindermörderinn zum zweitenmale untersucht und ihr das Leben gerettet worden sei. Dinge, die ich so sehr eben nicht läugnen will; denn wär mir es denn Schande, wenn ich etwas beigetragen hätte, die oder jene Unglückliche zu bessern, welche die christliche Liebe für unverbesserlich hielt? Ob ich indessen nicht auch hierinn zu weit gegangen sei, wird man vielleicht in der Folge sehen; es ist gut den Verbrecher retten und bessern, aber ihm zu viel trauen, ihn in sein Haus aufnehmen? – – Doch weiter.
Die Auslegungen, welche meine ehemaligen Freundinnen von dieser Art zu denken und zu handeln machten, waren zu boshaft, zu abscheulich, um hier wiederholt zu werden; sie waren hinlänglich, zwar nicht, mich von dem, was ich einmal für recht und gut erkannte, abzubringen, aber mich doch zu bewegen, meine Gesinnungen in diesem Stück, ins künftige besser zu verhelen. Ich ging darin so weit, dass ich, wenigstens in meinem