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diesmal ihre Anwendung wurde, und die Entdeckung, die mir dafür zu Lohne ward, war diese, dass alles, was die gütige Madam Haller uns hinterlassen hatte, die Beute hungriger Spieler werden musste, und dass auch sogar einige dieser Herren, auf dieses Haus und diesen Garten angewiesen waren, von welchem ich mich nun also auch trennen sollte.

Ich weiss nicht, ob es bloss Wunsch diesen meinen Lieblingsaufentalt zu erhalten, oder Ueberbleibsel alter Liebe zu einem unverbesserlichen Verschwender war, was mich bewegte alles aufzuopfern, um meines Mannes gierige Schuldner, deren einige sich bald persönlich einfanden, augenblicklich zu befriedigen; ich besass einige Kostbarkeiten, Geschenke der ehemaligen Liebe meines Mannes, ich entblösste unser Haus von allem Hausrat, der einigen inneren Wert hatte, und kam zuletzt auf den Einfall unsere englischen Loose zu versetzen. Leider hatte mein Mann das seinige, als ich darnach fragte, bereits für eine Summe, die kaum nennenswert war, verkauft, und mir fiel der Gedanke vom verscherztem Glück dabei mit so wütender Ahndung aufs Herz, dass ich mich entschloss, mein los als ein Heiligtum anzusehen, es vor mir selbst zu verbergen, dass ich es habe, es vor jedermann zu verschweigen, und jetzt auf alle mögliche andere Art Rat zu schaffen. Etwas weniges von entbehrlichen Kleidern und Wäsche, und vor allen eine ziemliche Quantität Leinwand, die ich sehr gut in meinem haus weben liess, brachten endlich die Summe zusammen, die uns noch fehlte, wir wurden unsere beschwerlichen Gäste los, und ich bemühte mich meinen inneren Unwillen gegen den, der der Ursacher aller dieser verdrüsslichen Auftritte war, zu verbergen.

Was ich durch diesen Zwang verlor, war eben dieser Unwille, den ich, so wie ich ihn zu unterdrücken suchte, immer mehr in meinem Herzen ersterben fühlte, und was ich gewann? – o Himmel, mehr als ich je zu gewinnen gehofft hätte! Das Herz meines Mannes ward durch mein Betragen erweicht, ich sah ihn noch einmal reuevoll in meinen Armen. Gelübde, zu heilig von ihm gebrochen zu werden, entsagten dem Spiel auf ewig; ich bekam den Namen der besten, treusten, tugendhaftesten Frau, und noch zur Zugabe etwas, das mir lieber war, als alle schönklingenden Ehrennamen, die erlaubnis, unsere ganze Einrichtung nunmehr nach meinem Gefallen, oder vielmehr nach unserm jetzigen Zustande anzuordnen. Freilich war nunmehr das, was wir vor einigen Jahren Einschränkung nannten, jetzt Schwelgerei für uns, die wir nun nichts mehr besassen, als den Verdienst meines Mannes; für uns, die wir nun auch keine entfernte Hoffnung mehr auf künftige Verbesserung unsers Zustandes, keine Freundinn wie Madam Haller mehr hatten, zu welcher wir im äussersten Notfall, gewiss Hilfe zu finden, unsere Zuflucht hätten nehmen können.

Zwölftes Kapitel

Ein Stück aus der Haustafel

Ich habe es immer für gut gehalten, dass Kinder, wenn sie auch die reifen Jahre noch nicht erreicht haben, doch nicht ganz unwissend in Dingen gelassen werden, welche ihre älteren, und also auch sie unmittelbar angehen.

Ich nahm eines Abends, als mein Mann noch von einer Reise wegen Berichtigung seiner Angelegenheiten nicht zurück war, euch alle meine Lieben vor. Ich hatte euch alle beisammen, denn eben an selbigem Abend war mein Sohn Samuel bei uns angekommen, welcher nun die Schule verlassen hatte, und auf die Universität gehen sollte.

Meine Kinder, sagte ich zu euch, ich weiss, dass es bisher einige unnütze Leute gegeben hat, welche euch bereden wollten, eure älteren seien reich, und könnten euch einmal ein grosses Glück in der Welt verschaffen. Ihr seid jetzt erwachsen genug, um von mir das Gegenteil zu erfahren, von mir es zu hören, dass eure Grosstante Madam Haller eure einige Wohltäterinn war, und dass ihr durch ihren Tod nicht allein ihre teure Gegenwart, ihren lehrreichen Umgang, sondern auch manche kleine Vorteile verlohren habt, die ihre Grossmut euch gewährte, und welchen ihr nun entsagen müsst. Du, mein Sohn Samuel, glücklicherweise bist du jetzt gegenwärtig, um meine Ermahnungen selbst zu hören; du stehst im Begriffe, die Universität zu beziehen; eile deine Studien daselbst zu vollenden, denn die Summen, mit welchen dich dein Vater unterstützen kann, werden gering sein, und du musst darauf denken, bald zurückzukehren, um ihm hier durch deinen Fleiss nützlich zu sein.

Du Peninna, sei nicht stolz auf deine Gestalt, und träume nicht von grossen Eroberungen; kein armes Mädchen ist schön, und nichts ist lächerlicher, als Ansprüche auf etwas machen, das einem niemand zugestehen will.

Hannchen ist ein gutes Kind, und wird ihrer Mutter keine gelegenheit geben, über sie zu klagen, aber Albert möchte wohl anfangen zu bedenken, dass man, so bald es kund wird, dass wir arm sind, seinen Unfleiss Faulheit, seine Flatterhaftigkeit Dummheit, und die allerliebsten kleinen lustigen Streiche, wegen welcher ihn bisher einige bewunderten, Wildheit und Ungezogenheit nennen wird. Ihr andern Kleinen, euch ermahne ich, dass ihr zeitig aufhört Kinder zu sein: die Armen müssen früher klug werden, als die Reichen, denn sie haben nicht den Vorteil wie jene, dass zehn Köpfe für sie denken, und zwanzig hände für sie arbeiten.

Sie hatten mir alle mit mehrerer Aufmerksamkeit zugehört, als ich es von ihnen zum teil erwartet hätte. Alle versprachen mir, meinen Ermahnungen zu folgen; ich nannte sie gute Kinder, küsste sie, und hiess sie gehen, um mit meinen beiden ältesten, dem Samuel