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ich meinem Mann ewig zu verschweigen gelobt hatte. Sie war, da sie die ganze Lage der Sachen nicht wusste, auch nicht im stand mir ihren Rat auf so wirksame Art zu erteilen, als ich es bedurfte, und, o Gott, sie sollte bald gänzlich von mir genommen werden, ich sollte bald gänzlich mir selbst in den Verlegenheiten überlassen sein, die ich von ferne sah. –

Es ist mir unmöglich, die Trennung von ihr umständlich zu schildern. – Es mag hier eine Lücke bleiben, welche diejenigen von meinen Kindern, die mich so liebten, wie ich meine Tante, nach meinem tod mit ihren Empfindungen ausfüllen können. –

Herr Haller war, wie er sagte, kränklich; der Arzt hatte ihm eine Reise nach Spaa verordnet; die zunehmende Schwachheit seiner Tante konnte ihn nicht zurück halten, er reiste ab, blieb lange aussen, kam wieder undfand mich in tiefer Trauer über den Tod derjenigen, deren Namen ich hinfort nie ohne Tränen nennen sollte. – Ich fand ihn auf eine seltsame Art verändert. Das finstere Wesen, das ich schon vor seiner Abreise an ihm bemerkte, hatte sich in eine Hastigkeit und Wildheit verwandelt, die mir fürchterlich war.

Ohne fast dem Andenken der ehrwürdigen Madam Haller eine Träne zu schenken, eilte er, ihre Verlassenschaft zu untersuchen, welche ihm ganz anheim fiel. Ich erfuhr wenig von dem was er fand, und welches seine Plane für die Zukunft waren; auch scheuete ich mich, nach Dingen zu fragen, welche zu Erklärungen führen mussten, von welchen mir nichts gutes ahndete.

Madam Haller hatte mir in ihren letzten Tagen, als ich jeden Beweis ihrer Grossmut ausschlug, der meinen Vorteil von dem Vorteil meines Mannes zu trennen schien, ein Geschenk mit zwo englischen Lotterielosen gemacht. Dieses hier, sagte sie, ist für dich, und dieses gieb deinem mann zu meinem Andenken; wenn er glücklich damit ist, so soll er es zum Besten meiner Enkel, seiner Kinder anwenden; ihr Vater muss ja wohl ihr bester Vormund sein.

Ich übergab meinem mann dieses letzte Vermächtniss seiner Wohltäterinn; er riss das Papier hastig von einander, und warf es, als er sah was es entielt, unwillig auf die Seite. Wie konntest du mich so täuschen? rief er mürrisch aus; Eine Banknote vonvonach nur von einigen hundert Gulden, sollte mir jetzt lieber gewesen sein, als diese betrügerische Anwartschaft auf ein zweifelhaftes Glück.

Wie wär es möglich, sprach ich, dass dir in deiner gegenwärtigen Lage, eine so kleine Summe fehlen könne? – Dieser Frage folgte eine Erklärung, welche derjenigen kurz nach dem tod des alten Herrn Hallers, völlig gleich kam, nur mit dem Unterschied, dass keine Damen dabei in Anschlag kamen, als die berüchtigten vier Königinnen, die so manche Familie zu grund gerichtet haben.

Dass Herr Haller seine Nebenstunden, deren er, seit er sich einen Amtsgehilfen angenommen hatte, viel haben musste, dem Spiel widmete, hatte ich längst vermutet. Eine benachbarte Stadt, in welche er Amtshalber oft reiten musste, hegte Gesellschaften, welche ihn an diesem unschuldigen Zeitvertreib, wie er es nannte, sehr gern teil nehmen liessen. Dieses wusste ich, aber dass Gewinn und Verlust hier so ins Grosse ging, dass Herr Haller nach Spaa gereist war, nicht seiner, sondern der Kränklichkeit seines Beutels abzuhelfen, und dass er dort unter ausgelernten Spielern seinen völligen Untergang gefunden hatte, das war mir eine zu schreckliche Neuigkeit, als dass ich nicht unter derselben hätte erliegen sollen.

Ich ward bei dem Bekenntniss meines Mannes ohnmächtig, und die wenige Zärtlichkeit, mit welcher er mich ins Leben zurück rief, zeigte, dass sein Herz bei weiten nicht mehr das nämliche war, wie bei seinen ehemaligen Verirrungen. – Fast machte er mir mein Schrecken über das was ich gehört hatte zum Vorwurfe, und das was ich ehemals zu ihm sagte um ihn zu trösten, ich sei arm gewesen und habe also Armut ertragen gelernt, das musste ich jetzt aus seinem mund als Vorwurf hören.

Es muss doch wohl wahr sein, was einige Kenner des menschlichen Herzens behaupten, dass Liebe zum Vergnügen das Herz dem Eindruck des Guten nicht so sehr verschliesst, als Spielsucht, und Begierde nach unrechtmässigen Gewinn, – denn dieses wird der elende Erwerb durch die Karten in meinen Augen ewig bleiben, und wenn er nach den gewissenhaftesten Regeln des Spiels eingerichtet ist. – Es erfolgten jetzt keine wehmütigen Bekenntnisse vergangener Vergehungen, keine Wünsche, das Geschehene ungeschehen machen zu können, keine Gelübde der Besserung, sondern die Sache, die mich in solche Bestürzung setzte, brauchte keine Apologie in seinen Augen, war ein Fall des Glücks, welcher das nächstemal anders sein und alles wieder ersetzen konnte, was man jetzt etwa aufopfern musste. – Das nächstemal! Gott! also nicht einmal eine Hoffnung, dass man nun still stehen, sich besinnen und anders werden wollte.

Ich bekenne es, jetzt ward mir es schwer, in meiner Fassung zu bleiben. Ich entfernte mich, um nicht durch ein unüberlegtes Wort, – zum Glück hatte ich noch gar nichts gesagt, – alles zu verderben, und die Gewalt, die ich doch etwa noch über meinen Mann hatte, ganz zu verscherzen. – Nur durch Sanftmut, nur durch lächelnde gefälligkeit konnte mir es jetzt gelingen, die Sache in ihrem ganzen schrecklichen Umfange und in allen ihren Teilen zu erfahren. Ich brauchte diese Mittel, so schwer mir auch