auf verschiedene Teile verhandelt worden. Einer von den letzten war noch übrig, und ich war recht froh, die Feinde meines Josephs gedemütiget, ihn als den Liebling eines grossen Königs, und nun auf dem Punkte zu sehen, der Wohltäter seiner Familie zu werden; ein Umstand, den ich für ominös hielt, und es für eine Art von Vorhersagung annahm, was mein Sohn einmal den Seinigen werden könne.
Der erste Aufzug dieses für mich so erwünschten Schauspiels ging an. Der König Pharao mit einer güldenen Krone, und mein Joseph in einem schönen langen Talar, und mit einer von meinen besten goldenen Ketten um den Hals traten auf. Es ward von der Bewirtung der ankommenden Erzväter gesprochen, seine Majestät machten einige Einwendungen, welche der Dichter darum eingeführt hatte, um dem Stadtalter von Aegypten gelegenheit zu geben, dem Könige eine kleine Beschreibung von seinen Brüdern zu machen, und ihn zu bedeuten, dass sie keinesweges geringe Leute, sondern Enkel Abrahams wären u.s.w. Ich weiss aber nicht, wie es kam, dass der kleine Redner sich ganz vergass, die gutgemeinten Worte seines Herrn sehr hoch aufnahm, und mit gänzlicher Hintansetzung seiner Rolle, dem armen Pharao aus dem Stegereif einige Vorhaltungen tat, welche ziemlich bitter waren. Dieses hätte noch hingehen mögen; aber er geriet endlich so in Feuer, dass er die Zeitrechnung ganz vergass, und den König über Dinge zur Rede stellte, die erst einige Jahrhunderte später vorgefallen waren. Seine Majestät kamen aus aller Fassung, denn für solche Sachen stand keine Antwort in ihrer Rolle; ich, die ich auf einer Bank zunächst am Teater sass, machte dem Stadtalter einige bedeutende Zeichen mit dem Fächer; in den Scenen winkte und hustete der Direkteur des Spiels: umsonst; Josephs Zunge strömte unaufhaltsam fort. Er war eben bei den zehen ägyptischen Plagen, nannte den König einen Verderber seines volkes, und würde dem armen Herrn sicher alle Verbrechen aufgebürdet haben, die je ein Pharao tat, wenn man ihn nicht endlich mit Gewalt abgeführt und den unschuldigen König gerettet hätte.
Keine Bitten, keine Vorstellungen konnten den armen Joseph, nachdem er seines Versehens überwiesen war, bereden, seine Rolle vollends auszuspielen. Ich ward hinter die Scenen gerufen, aber auch meine Worte galten nichts, ich musste mich unverrichteter Sachen wieder hinsetzen, und die Freude entbehren, Joseph seinen Benjamin, welche Rolle mein kleiner Albert machte, umarmen zu sehen, musste alle diese herrlichen Scenen von einem grossen fünfzehnjährigen Purschen, der mich nichts anging, verstümmeln sehen, und beschämt und unerfreut nach haus gehen.
Mit vieler Mühe liess Samuel sich bereden, nach diesem traurigen Vorgang nach haus zu kommen, weil er den Spott seines Vaters fürchtete, den ich auch kaum zurückzuhalten vermochte. Noch schwerer ward es, ihn in der Folge zu bereden, wieder auf dem Teater zu erscheinen. Man wollte die geschichte von den Knaben Daniels geben, und versprach ihm, um seinen Ehrgeiz zu reizen, die Rolle des Königs. – Er machte schon einige Schwürigkeiten die person eines so bösen Mannes, wie dieser in seinen Augen war, vorzustellen; doch drangen meine Vorstellungen, dass dieses nicht Tugendliebe, sondern Hartnäckigkeit sei, sich dem Willen seiner Lehrer zu widersetzen, endlich durch. Er machte seine Sachen vortreflich, bis es darauf ankam, das Urteil über die Angeklagten zu sprechen; da überfiel ihn der Abscheu vor seiner Rolle von neuen. Er versicherte, er würde das Teater nur dazu betreten, um die Unschuldigen loszusprechen, und die Zuschauer würden sich, so lange er König hiess, vergeblich auf die Scene des Verbrennens freun.
Indessen dieses innerhalb der Coulissen vorging, harrten wir draussen vergebens auf den Schluss des Schauspiels. Mir ahndete nichts gutes, und ich dachte ohnmächtig zu werden, als ein anderer Darius herauskam, und die Gefangenen so eilig zum tod förderte, dass man sogar den Engel, der sie retten sollte, darüber vergass. Das Stück nahm Knall und Fall ein Ende, ohne dass ich meinen kleinen König wieder zu gesicht bekam.
Ich eilte zu den Präzeptoren. Samuel hatte sich diesesmal wirklich ein wenig zu trotzig, und fast für einen Knaben von seiner Art, der doch Scherz und Ernst wohl unterscheiden konnte zu kindisch aufgeführt, er verdiente die Strafen, welche man ihm auflegte; aber – was zu viel ist, ist zu viel! Wir nahmen ihn aus dieser Schule und taten ihn auf das Gymnasium zu R... wo er unter allen Schülern der jüngste, und doch wegen seiner guten Kenntnisse sehr willkommen war. Er wollte nun einmal, in seinem zehnten Jahre, ungeachtet mancher kindischen Torheit, die ihm noch anklebte, für einen Erwachsenen gehalten werden, und seine Lehrer wussten diese Grille so gut zu benutzen, dass er ohne weitere Abenteuer von voriger Art bis in sein siebzehntes Jahr zu R... blieb. Er sollte nunmehr die Universität beziehen, und besuchte uns vorher zu Hohenweiler, da wir ihn so zu seinem Vorteil verändert sahen, dass selbst mein Mann – – Doch ich darf der geschichte nicht vorgreifen; ich werde zeitig genug auf die traurige Epoche kommen, da ich ihn wieder sah, um ihn durch meine Schuld plötzlich von neuem zu verlieren.
Eilftes Kapitel
Die Matrone besinnet sich, dass sie noch andere
Kinder habe. Wieder etwas zu Ehren ihres Mannes
Ich habe mich bei meinem Samuel zu lange aufgehalten, und werde, um nicht zu weitläuftig zu werden, seine Geschwister kürzer abfertigen müssen. Auch waren