, keine Vorstellung von den Dingen ein, die mir so gewiss sind.
Vier und dreissigstes Kapitel
Ferdinand Harold bedankt sich für die gute Meinung
seiner Schwiegermutter
Harold, erwiderte Jucunde, wenn ich Ihnen meine wahre Meinung offenherzig gestehen soll – –
Es ist spät, unterbrach ich meine Tochter, aus Furcht, sie möchte sich mit einem geständnis übereilen, das sie nach allen Regeln des Wohlstandes und altväterlicher Sitte mir zuerst zu tun schuldig war. Es ist spät, und ich halte es für besser, wenn wir jetzt zur Ruhe gehen, und Herr Harolden morgen mit unsern Gesinnungen bekannt machen. Wir standen alle auf, und trennten uns nach einem von allen Seiten zehenmal genommenen Abschied, nicht um zu schlafen, sondern wachend über die Vorgänge dieses seltsamen Tages zu träumen.
Der folgende Tag ward durch Herrn Harolds feierliche Anwerbung um Jukunden merkwürdig gemacht. Es ging alles dabei so ordentlich und regelmässig zu, wie ich es liebe. Ich hatte mit dem Mädchen schon vorher über die Sache gesprochen, und ich versprach sie dem, der sie in aller Absicht so wohl verdiente. Es freute mich doch, dass Jucunde vernünftig genug dachte, sich über die wenigen Reitze von Herrn Harolds von der Sonne verbrannten Gesichts, und die Schmarren über Mund und Wangen hinweg zu setzen, auch gefiel mir es, dass sie meinte, des Amtmanns oft gar zu zwangloses Betragen, und seine sehr ungekünstelten Ausdrücke, liessen sich schon bei seinem guten redlichen Herzen übersehen, und sie hoffte durch Nachgeben und gefälligkeit wohl mit ihm auszukommen.
Mein Kind, sagte ich, du urteilst wie ein vernünftiges Frauenzimmer tun muss, auch muss ich dir sagen, dass ich Ferdinanden in der Zeit, da ich ihn kenne, so viel abgemerkt habe, dass er, ich weis nicht aus welcher närrischen Laune, mehr Rauhigkeit und Härte affektirt, als ihm wirklich eigen ist. Ich glaube, du wirst diesen rohen Diamant schleifen können, dass seine ganze glänzende Seite zum Vorschein kommt.
O meine Mutter, erwiderte sie, wie sollte ich das! Meinen Mann bessern? ihn vielleicht beherrschen? nein nimmermehr!
Gut, gut meine Tochter, sprach ich, bleib bei dieser Meinung, wenn du kannst, und solltest du in Zukunft anders denken, so übe die Gewalt, die du über ihn hast, und die du gewiss nie misbrauchen wirst, nur allemal so aus, dass er es nie gewahr wird, dass du das Regiment, welches ihm zukommt, mit ihm teilest.
Der Krieg ist in meinen Augen nie die Zeit gewesen, Hochzeiten und Freudenfeste anzustellen. Es ist sündlich zu jauchzen, wenn das ganze Land trauert, auch hat man wenig Exempel, dass so etwas gut abläuft; dass ich daher schlechterdings darauf bestand, Harolds und Jucundens Verbindung bis zum geschlossenen Frieden aufzuschieben, lässt sich denken.
Ein wenig Murren erfolgte denn wohl von dieser und jener Seite, aber ich war Mutter, und wusste mein Ansehen zu behaupten.
An einem von den folgenden Tagen, als wir des Abends beisammen sassen, und von diesem und jenem sprachen, erinnerte ich meine Söhne, mir die geschichte von ihrem Aufentalt in Amerika, wie sie versprochen hatten, umständlich zu liefern. Ich wusste noch von allen ihren Angelegenheiten wenig mehr, als dass sie Ehre und Glück in diesen weit entfernten Gegenden fanden, dass sie das Kriegsschwerd in die Scheide steckten, und ihr Vaterland mit sehr friedlichen Gedanken betraten.
Aber welchem Helden, der einmal den Pfad des Ruhms betrat, schlägt das Herz nicht höher empor, wenn er das, uns zaghaften Weibern so schreckliche Wort Krieg nennen hört.
Die beiden Brüder, fanden ihr Vaterland bei ihrer Wiederkunft, in den Waffen. Das Schicksal führt sie dem Rittmeister von Wilteck entgegen; Ueberredung und eigne Wahl brachte sie zum zweitenmal in die Uniform. Sie waren beide bei ein paar heissen Expeditionen gegenwärtig. Ihre Tapferkeit zeichnete sie vor allen andern aus, und verschafte ihnen die Stellen, welche sie gegenwärtig besassen.
Dieses war alles was ich von der geschichte meiner Söhne wusste, selbst der glückliche Zufall, der sie an jenem merkwürdigen Tage so unvermutet zu unserer Rettung herbei führte, war mir noch nicht ganz klar, und ich erwartete eben die vollständige Erzehlung aller dieser Dinge aus ihrem mund; als ein unvermuteter Lärm auf den Strassen sie von meiner Seite entfernte.
Wie ein Donnerschlag tönte mir die Post in den Ohren; dass schleunige Ordre gekommen sei, unsere Beschützer sollten noch in der nehmlichen Nacht Hohenweiler verlassen, und zu ihrem Regimente stossen.
Niemand war nach mir so traurig über diese Nachricht als Klare. Himmel, sie sollte ihren Samuel so schnell wieder einbüssen, ihn, welcher den ersten zärtlichen Auftritt im Keller ausgenommen, sich noch gar nicht so gegen sie bezeugte, dass sie seiner Liebe gewiss sein konnte. Samuels Eigensinn und seine überspannten Begriffe von Recht und Schicklichkeit, waren durch Erfahrung und Weltkenntniss freilich ein wenig geändert, aber bei weitem nicht ganz getilgt worden. Er liebte Klaren, aber der Gedanke, dass sie die Besitzerinn von den Gütern war, welche seine Rechtschaffenheit Charlotten ehemals entzogen hatte, würde ihn vielleicht ewig abgehalten haben, ihr seine Hand zu geben, wenn das Glück sich nicht dazwischen gelegt, und Klaren wieder so arm gemacht hätte, als sie ehedem war.
Einige Tage vor der obenerwehnten Ordre zum Abmarsch, erhielt Klare Post, dass die ganze Gegend, in welcher ihre Güter lagen, das traurigste Schicksal erfahren hatte. Das Feuer und der wütende Feind hatte alles,