so wieder zu finden, wie er war.
Die halbe Nacht verstrich unter Gesprächen, welche von diesen Dingen veranlasst wurden. Der Rittmeister wollte seinen Sohn nicht aus den Armen lassen, und Julchen musste ihm endlich den Kleinen, welcher zu jung war um alles was um ihn vorging ganz zu fassen, und der unter den Erzählungen seines Vaters endlich auf seinem Schooss einschlummerte, mit Gewalt entreissen; Sie behauptete, es würde dem kind schaden, länger der Nachtluft ausgesetzt zu sein, und führte ihn zu Bette. – Der Rittmeister sah ihr mit Entzücken nach, und geriet in ein tiefes Nachdenken, aus welchem ihn erst ihre Wiederkunft ein wenig ermunterte.
Es war weit nach Mitternacht, als wir erst aus Scheiden gedachten. Der Becher der Freude war frisch unter uns herumgegangen. Die alte, jetzt aus der Mode gekommene, löbliche Sitte, den Namen seiner Freunde beim Trinken zu nennen, war noch bei uns eingeführt. Wir tranken eines auf des andern Wohlergehen, und Albert, welcher bei Harolden sass, und besonders wohl mit ihm dran zu sein schien, ergriff, als Jedermann des braven Amtmanns von Hohenweiler Gesundheit trank, sein Glas, schüttelte Harolds Hand, und rief: nun Bruder Ferdinand, es gehe dir wohl!
Ferdinand? rief Jucunde, und setzte ihr zum Trinken gefasstes Glas wieder nieder.
O Schwätzer! erwiderte Harold, war das unsere Abrede?
Ferdinand! Ferdinand! fuhr Jucunde mit zusammengeschlagenen Händen fort, mein Warner! mein Schutzengel! was würde ich ohne ihn jetzt sein! O Himmel, wo hatte ich diese Zeit über meine Augen, um ihn nicht zu erkennen!
Aller Augen wandten sich auf Jucunden, Harold ergriff ihre Hand, drückte sie fest an seine Brust, und sah ihr mit einem blick ins Auge, als wollte er fragen: ist es möglich, dass diese kalte Seele Gefühl hat? – Jucunde merkte, dass sie zu viel gesagt, zu feurig gesprochen hatte; sie wand ihre Hand aus Harolds Händen los, sah beschämt vor sich nieder, und ein paar Tränen fielen aus ihren Augen.
Albert und Harold wurden von allen Seiten mit fragen bestürmt, und ihre Antworten zeigten, dass der wackere Amtmann von Hohenweiler kein anderer war, als jener Ferdinand, welcher Jucundens Ehre im Tiergarten zu Berlin so herzhaft verteidigte, der Alberten, nach dem darauf erfolgten Zweikampfe, davon half, und sein kleines Vermögen beim Abschied mit ihm teilte; welcher Jucunden so oft vor ihrer ehrlosen Gesellschafterinn warnte, und einigemal ihr tätlich aus Verlegenheiten half, in welchen sie, ohne seine hülfe, ihren Untergang hätte finden können.
Albert hatte ihn, als er nach Hohenweiler kam, auf den ersten blick gekannt, sie hatten die alte Freundschaft erneuert. Harold hatte ihm offenherzig seine Absichten auf Jucunden entdeckt, die er jetzt gegen sie und uns alle bekannte, und beide waren einig geworden, den Namen Ferdinand nicht eher zu nennen, bis alle Hoffnung verschwunden wär, dass Jucunde endlich sich auf das Gesicht ihres alten Freundes besinnen würde.
Wie konnte ich das? rief Jucunde, mein Schutzgeist kam mir allemal zu schnell aus den Augen, als dass ich eine feste idee hätte von ihm fassen können, selbst der Name Ferdinand, den ich ihm gab, und der mir jetzt die Augen öffnet, beruhte auf blossen Mutmassungen, das eine Mahl, da ich etwas länger dieses Ferdinands Gegenwart genoss, ward ich durch die Maske, welche er trug, und das anderemal durch seine Kleidung, durch die Bestürzung in der er mich fand, und durch die Nacht verhindert, ihn so deutlich zu sehen, dass ich mich seiner nach Jahren wieder erinnern könnte. Aber seine stimme, o Himmel, seine stimme! was für sonderbare unerklärliche Eindrücke machte sie auf mich! Meine Mutter weis, was ich ihr hierüber gesagt habe, und ich kann es noch nicht begreifen, wie es möglich war, dass es mir nicht bei dem ersten laut derselben, den ich hörte, einfiel, dass eben diese stimme es war, welche jene mir ewig unvergesslichen Worte aussprach, die mich damals so sehr beleidigten, und die mir doch, wie ich sicher weis, in der Folge dienten, meinen Vorsatz, immer gut zu sein, nie zum Laster abzuweichen, zu befestigen.
Und was waren das für Worte, fragte Harold, indem er die Hand seiner Beisitzerinn zärtlich an seine Lippen drückte.
O Ferdinand, erwiderte Jucunde, es war hart, es war grausam, was sie mir sagten; sie beschuldigten mich: "es müsse doch wohl ein geheimer Wohlgefalle an dem Laster, das ich mich zu verabscheuen stellte, in meinem Herzen verborgen sein." Ich fühlte es, meine unverbesserliche Unbesonnenheit, schien diesen Vorwurf zu verdienen, aber mein Stolz empörte sich. Ich hasste sie in diesem Augenblick von ganzem Herzen, und gelobte mir es in der Stille an, ihnen zum Trotz tugendhaft zu bleiben, und die Falschheit ihres Urteils von mir zu beweisen; und ich denke ich habe mein Gelübde gehalten.
Ja das haben sie, rief Harold, ich selbst kann es ihnen bezeugen, denn ob ich ihnen gleich damals, als ich im Zorn von ihnen schied, versprach, mich inskünftige nicht um ihre Handlungen zu bekümmern, so war mir es doch unmöglich, mein Versprechen zu halten. Keiner ihrer Schritte blieb von mir unbeobachtet, und alles was ich tun konnte, war, dass ich aufhörte sie zu warnen, aber ich hatte dieses auch nicht mehr nötig