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versicherten, ihres Wissens wären dieses die einzigen, welche das Schloss zu Hohenweiler entielt, und er möchte also lieber, anstatt des fruchtlosen Nachsuchens die verfallenen und durchgrabenen Gewölber wieder aufbauen, und durch Schaden klug werden. Wahrscheinlich hatte diese Nachricht dem Unglücklichen das Mordgewehr in die Hand gegeben.

Gegen die Nacht erschien Herr Harold selbst, und lieferte uns eine ausführliche Beschreibung dessen, was wir bereits gehört hatten; das schrecklichste in derselben war mir dieses, dass man in den Papieren des Amtmanns, einen Brief von meinem verstorbenen Mann gefunden hatte, welcher wahrscheinlich die erste Veranlassung zu der unglücklichen Schatzgräberei gewesen war, die dem elenden Katarines das Leben kostete. Herr Haller meldete in demselben dem Amtmanne: eine seiner Töchter habe in den letzten Tagen seines Aufentalts zu Hohenweiler in einem unterirdischen Gange einiges altes Geld gefunden, von welchem er ihm einige Stücke zum Beweis mitschicke. Ihm sei es wahrscheinlich, dass noch ein weit grösserer Schatz daselbst verborgen liegen müsse, und er erbiete sich, ihm den Ort, wo er es vermute, anzuzeigen, wenn er sich gefallen liess, ihn zum gefährten in der Aufsuchung des Schatzes anzunehmen, und ihm die Hälfte des Gefundenen zu gönnen. Katarines hatte sich gestellt, als wenn er von diesen Dingen nichts glaubte, hatte Herrn Haller sein Begehren abgeschlagen, und das unglückliche Geschäft, das ihm das Leben kostete, für sich allein unternommen.

Ein kalter Schauer überlief mich bei dieser Erzählung, aber mein Gefühl war nichts gegen dasjenige, was die arme kleine Schwärmerinn, Julchen dabei empfand. – Ich sah sie bleich werden, und bald darauf ohne Empfindung niedersinken. Ihren Namen bei so einer schrecklichen Begebenheit erwehnen hören, auf gewisse Art, die Veranlassung dazu gegeben haben, das war zu viel für ihr weiches Herz. Sie hatte die traurige Gabe des Nachgrübelns um Stoff zu Gram zu finden, und sich über die unschuldigsten Dinge Gedanken zu machen, von ihrer Mutter geerbt.

Ein Glück war die Gegenwart des Obristlieutenants für sie, sein vernünftiges und herzhaftes Zureden machte einigen Eindruck, und Peninna bat ihren Gemahl, die arme weichherzige Seele, mit sich nehmen zu dürfen, als sie des andern Tages auf ihr neuerkauftes Gut mit ihm abreisste, ob vielleicht die Veränderung der Gegenstände ihr die Zerstreuung des Kummers erleichtern möchte.

Neun und zwanzigstes Kapitel

Begreift den Zeitraum von etlichen Jahren

Wir strebten vergebens, Peninnen länger bei uns aufzuhalten. Ihr Gemahl würde vielleicht zu erbitten gewesen sein, aber sie liess sich selbst nicht durch die Vorstellung zum Dableiben bewegen, dass wir diesen Tag Herrn Walter und seine gattin erwarteten, welchen wir von ihrer Wiederkunft Nachricht gegeben hatten. Diese Behutsamkeit, mit Walters, so wenig als möglich zusammen zu kommen, blieb Peninnen immer eigen, und sie begegnete ihnen, wenn sie sie ja sehen musste, allemal freundschaftlich, doch nie mit der vorigen Vertraulichkeit.

Ich fand etwas Edles in diesem Zug ihres Betragens; andere würden vielleicht nichts als Gefühl ihrer Schwäche, und Furcht, ehemalige Empfindungen bei Walters Anblicke erneuert zu sehen, in demselben wahrgenommen haben; aber gereichte nicht eben dieses Gefühl, eben diese Furcht ihr zur Ehre? Sie war entschlossen, ihren Gemahl auch mit keinem Gedanken zu beleidigen, und sie war klug genug, ohne weitere Rücksicht auf ihre Stärke oder Schwäche, lieber die gelegenheit zu vermeiden, ihre Pflicht auf die kleinste Art zu verletzen.

Herr Walter und seine Frau eilten diesmal auch eben nicht sehr mit ihrer Ankunft; sie langten erst des andern Tages an, und man konnte es beiden anmerken, dass sie sich vor Peninnens Anblick scheuten. Charlottens Miene heiterte sich ziemlich auf, als ich die Vermählung meiner Tochter mit dem Obristlieutenant bekannt machte, und Herr Walter stammelte seinen Glückwunsch mit sichtlicher Verwirrung.

Charlotte ward nach und nach ausserordentlich munter, selbst Klare bekam heute einige freundliche Blicke, aber als gegen das Ende des Besuchs der Name meines Sohns Samuel einmal erwehnt wurde, und das fräulein von Vöhlen einige besondere Teilnehmung an seinem Schicksale zeigte, so war das gute Einverständniss wieder dahin, und das alte steife und preciöse Wesen kam wieder zum Vorschein. Es war doch Schade, dass in einer sonst so guten Seele einig Funken des Neides glimmen sollten! Die Frau wusste wahrhaftig nicht was sie wollte; sie liebte ihren Mann, und konnte Samuelen doch nicht vergessen; sie sah Peninnen wegen des einen, und Klaren wegen des andern mit scheelen Blicken an, und war bei diesen widersprechenden Gesinnungen sicher nie glücklich zu werden. Warum musste doch das Schicksal die ersten Lieblingswünsche dieser Armen zerstören! Als Samuels Frau wär sie glücklich und ohne Tadel gewesen, und die kleinen bösen Tücke ihres Herzens, wären wahrscheinlich nie zum Vorschein gekommen.

Auch Klare war von diesem schwarzen Flecken nicht rein. Nicht allein Charlotte war und blieb ein Gegenstand ihres Widerwillens, sondern auch gegen Peninnen blickte immer, sie mochte sich auch zwingen wie sie wollte, einiger Kaltsinn hervor. Gabriele hatte einmal ihr Herz wider sie eingenommen, freilich musste sie nun einsehen, dass sie ihr Unrecht getan hatte, aber eben dieses Gefühl des ihr angetanen Unrechts, machte sie schüchtern und zurückhaltend gegen sie, und die Vorstellung, dass sie, diese Peninne, ein Bürgermädchen, den Platz einnahm, den eine Verwandte von ihr ehemals besessen hatte, streute gewiss auch den Saamen der Misgunst in ihrem Herzen aus.

Es betrübte mich oft, wenn ich diese Dinge erwog, und die Charaktere meiner Töchter auch mit in die Prüfung nahm, unter so vielen, wirklich liebenswürdigen Personen, kaum