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musste sich durch diesen Vorwand abweisen lassen.

Ich nützte diese zeit, alle meine Anstalten zu machen; ich bat, als ich mit denselben zu stand war, eine grosse Gesellschaft von den vornehmsten Personen aus unserer Bekanntschaft zusammen, und vergas vor allen andern diejenigen nicht, welche meiner Peninna bei der letzten Gesellschaft, die sie besuchte, so schimpflich begegnet hatten. Auch der Regierungsrat und seine gemahlin waren nicht vergessen.

Meine Gäste waren alle in meinem haus versammelt. Man hatte von meiner Einladung etwas ausserordentliches erwartet, und sich daher in vollem Glanz eingefunden. Man war eben im Begriff, sich zum Spiel niederzusetzen, als ich mit meiner reizenden, unschuldigen, errötenden Peninna eintrat.

Alles ward rege. Es entstand ein unvernehmliches Geflüster, welches bald in ziemlich laute Schmähungen ausartete; die Damen riefen nach ihren Bedienten, und die Herren nahmen Hut und Degen zur Hand. Ich fragte nach der ursache dieses Aufstandes, niemand wollte reden, bis die alte Generalinn von *** das Wort nahm, und mir im Namen der ganzen Gesellschaft meldete, dass sie mich für zu edel und gesittet gehalten hätten, eine person, wie Mamsell Haller, in ihre Gesellschaft zu bringen, und darum auf meine Einladung erschienen wären; dass ich ihnen aber verzeihen müsste, dass sie nun, da sie ihren Irrtum inne würden, mein Haus sogleich verliessen, und es nicht eher wieder betreten würden, bis ich ihnen Genugtuung für diesen Schimpf gegeben hätte.

Ich glaube, ich habe so ziemlich die stimme und das Ansehen darnach, mir Gehör zu verschaffen; ich führte die Generalinn sehr höflich nach ihrem Stuhl zurück, bat um eine Viertelstunde Aufmerksamkeit, und trug denn ohngefehr dasjenige vor, was ich bisher gesagt habe, nur vielleicht mit etwas mehrerm Feuer und Nachdruck. Zum Beweis meiner Worte, liess ich dann die wichtigsten von den vorerwehnten Briefen, von Hand zu Hand gehen, und als ich sah, was dieses für Würkung tat, so gab ich der Sache dadurch das völlige Gewicht, dass ich Peninnen bei der Hand nahm, und sie der Gesellschaft als meine Braut vorstellte. Ich, sagte ich, ich war der Zeuge aller ihrer Handlungen, ich getraue mich für ihre Unschuld so zu sprechen, wie für meine Ehre, und ich führe sie zur Bestättigung meiner guten Meinung, zur Bestättigung, dass ich sie allen Damen der ganzen Welt, selbst allen in dieser gegenwärtigen Versammlung vorziehe, zum Altar, und mache sie zu meiner gemahlin.

Peninna und ich waren vorher schon unserer Sachen eins geworden, sie bezeigte sich also bei dieser gelegenheit so, wie es ihr zukam. Die ganze Gesellschaft war wie umgekehrt; Entschuldigungen und Glückwünsche strömten von allen Seiten herbei. Die alte Generalinn umarmte meine Braut, und bat um die Ehre sie als Mutter zum Altar zu führen. Im Nebenzimmer war alles zur Trauung bereitet; die ganze Gesellschaft folgte uns dahin, bis auf Gabrielen und ihren Mann, welche zu deschämt gewesen waren, um in der Gesellschaft bleiben zu können, und gleich, da die Briefe zum Vorschein kamen, ihren Abschied in der Stille genommen hatten.

Peninne, meine holde unschuldige reizende Peninne, war nun meine Frau, und lehrte mich das Leben, das mir die nichtswürdige Josephe verbittert hatte, liebgewinnen. Jedermann billigte meine Wahl. Die Obristlieutenantinn von Sarnim wurde vergöttert, und die beschimpfte Peninne Haller ganz vergessen. Man drängte sich um uns, man stellte Feste uns zu Ehren an, und raubte uns dadurch die schönen Tage, die wir so gern im einsamen Genuss unsers Glücks zugebracht hätten.

An einem von diesen ersten Tagen nach unserer Vermählung war es, dass Peninna im Schauspiel ihre Schwester auf dem Teater erblickte; was sie tat, ist bekannt, und ich glaube, man wird die geheimnissvolle Art, mit welcher sie die beiden Unglücklichen, die sie retten wollte, zu sich kommen liess, welche man hier so tadelhaft gefunden hat, jetzt entschuldigen. Der Augenblick, da die Schmähsucht eben erst aufgehört hatte, Peninnens Ehre zu verlästern, war gewiss nicht die schicklichste Zeit, ihr neuen Stoff zu albernem Geschwätz in den Weg zu werfen. – Ich schätze Amalien und Jucunden, und sie sollen sehen, dass sie an mir einen Bruder haben werden, welcher ihr Glück zu machen weis; aber sie werden selbst gestehen müssen, dass der Stand, in welchem sie von ihrer Schwester gefunden wurden, nicht so beschaffen war, dass er ihr oder mir Ehre machen konnte, und dass meine Peninna wohl tat, die Sache so geheim zu behandeln, dass selbst ich nichts davon erfuhr. –

Sie entdeckte mir nach der Abreise ihrer Schwestern alles, und ich fand nichts daran zu tadeln, als dass sie nicht deutlich mit ihnen von ihrer gegenwärtigen Verfassung gesprochen hatte. – Mit was für Herzen, sagte die gutmütige Seele, hätte ich meine unglücklichen Schwestern von meinem Glück benachrichtigen können, ohne sie öffentlich an demselben teil nehmen zu lassen? Dieses war unmöglich, und ich liess es also dabei bewenden, ihnen einen Brief an unsere Mutter mitzugeben, welcher alles entält, was sie wissen müssen, und was sie am besten aus ihrem mund hören werden; mich dünkt, diese Erzählung, aus meinem mund würde Beschämung und Vorwurf ihrer Verirrungen gewesen sein.

Ich war mit allem zufrieden, was Peninne getan hatte, und freute mich, sie nach dieser Begebenheit ruhiger als zuvor zu sehen. Das bisherige Stillschweigen ihrer Mutter auf alle ihre Briefe, hatte sie oft sehr beunruhigt, sie glaubte