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nach in mich verliebt; denn welcher ehrliche Kerl, der nur ein bischen gute Meinung von sich hegt, wird denn denken, dass seine Gesellschaft bloss darum gesucht wird, um einen andern zu verjagen?

Mein lieber Sarnim, mein Schutzengel, fuhr Peninne fort, war mir in der Tat die beste Verteidigung gegen die Gesellschaft meines Verfolgers; der Regierungsrat scheute sich vor ihm fast allein, und ich brauchte oft nur seinen Namen zu nennen, um ihn los zu werden. Ich hatte zuweilen mich Gabrielens zu eben diesem Endzwecke bedienen wollen, aber die Erwehnung ihrer hatte bei ihrem Gemahl keine Kraft, und ihre Gesellschaft zu haben war vollends unmöglich; sie war ihrem teuflischen Anschlage der leidenschaft ihres Gemahls in allem nachzusehen zu treu, als dass sie ihm eine einige gelegenheit, mich ohne Zwang zu sehen, hätte entwenden sollen; und liess ich etwa ein zweideutiges Wort über meine verdrüssliche Verfassung fallen, so brach sie in ein lautes Gelächter aus, und fragte mich, ob ich etwa auf meine alten Grillen geraten, und sie bereden wollte, dass ihr Gemahl seine ehemaligen Absichten auf mich noch nicht aufgegeben habe?

Zu dieser Zeit war es, als das fräulein von Vöhlen in unserm haus erschien. Ich hofte an ihr eine Gespielinn, und eine Gefährtinn zu finden, welche mich vor lästiger Gesellschaft schützen könne; aberdarf ich es in ihrer Gegenwart sagen? – Gabriele wusste mich wider sie einzunehmen, sie machte mir ein Bild von ihr, welches ich damals für so richtig gezeichnet hielt, als ich gegenwärtig von dem Gegenteil überzeugt bin.

Ich hoffe, das werden sie, gnädige Frau, fiel die errötende Klare meiner Tochter in die Rede; Gabriele spielte die nehmliche Rolle in Ansehung ihrer gegen mich, und ich fürchte, ich bin durch die Erzehlung, die ich bei Madam Haller von ihnen machte, ursache gewesen, dass Unwille und Misverständnisse in ihrem Herzen genährt wurden.

Wollte Gott, erwiderte die Obristlieutenantinn, sie wären die einige gewesen, deren schlechte Meinung von mir ich zu bekämpfen gehabt hätte. Falscher Verdacht lässt sich ja noch wohl aus einem guten Herzen ausrotten, wenn man ihm die Wahrheit vor Augen legt; aber wie will man diejenigen überzeugen, welche nicht überzeugt sein wollen? welche sich freuen, an andern einen Schein von ihren eigenen Lastern zu finden, um sich damit entschuldigen zu können?

Ich ward nach und nach gewahr, dass alle meine strenge anhänglichkeit an Tugend und Unschuld mich nicht für bösen Ruf schützen konnte. Gabriele zürnte, dass ihre Anschläge so schlecht glückten, und dass sie sehen musste, wie die Neigung ihres Gemahls durch meine Standhaftigkeit eher wuchs als abnahm. Ich entging allen ihren Fallstricken, von welchen ich ihnen manche Auftritte melden könnte, wo ich dem Verderben, durch eine Hand, die ich damals noch nicht kannte, recht augenscheinlich entgegen geführt ward, wenn ich nicht immer noch hofte, meine damals an sie, meine Mutter geschriebenen Briefe, die das meiste davon entalten, wieder in meine hände zu bekommen, und sie ihnen vorlegen zu können.

Da die Regierungsrätinn meine Tugend nicht stürzen konnte, so wollte sie wenigstens meinen guten Ruf zerstören. Die leidenschaft ihres Gemahls für mich, musste einem jeden in die Augen fallen. Der Glanz, in welchem mich die betrügerische Freigebigkeit meiner Freundinn erscheinen liess, erregte Neid, und, da man meinen Stand und Vermögen kannte, den Verdacht, ich prangte mit dem Lohne meiner Schande. Gabrielens verstohlne Winke, und künstlich angebrachte Tränen und Klagen, gaben meiner Ehre vollends den letzten Stoss, und es ward bald durchgängig behauptet, dass Peninna Haller die erklärte Geliebte des Regierungsrats sei. Das Gericht setzte mich dersetzte mich den verworfensten meines Geschlechts an die Seite. –

Sage es doch nur heraus, was du auf dem Herzen hast, unterbrach Herr von Sarnim seine gemahlin, du willst sagen, man habe dich der lüderlichen Josephe, meiner verworfenen gattin, an die Seite gesetzt. – Die Ausschweifungen dieses Ungeheuers, waren damals so stadtkündig geworden, dass ich sie nicht länger an meiner Seite dulden konnte, ohne meiner eigenen Ehre zu schaden; ich liess mich von ihr scheiden, und diese Scheidung war die Veranlassung, dass ich hinter alle Anschläge kam, welche die Wiltekkischen Furien wider die unschuldige Peninna geschmiedet hatten. Ich durchsuchte Josephens nachgelassene Papiere, und fand unter denselben, eine gute Partie Briefe, welche zwischen Gabrielen, Josephen und ihrer Mutter über diesen Punkt gewechselt worden waren. – – Ich erstaunte. Ich eilte zu Peninnen, um ihr diese schrecklichen Geheimnisse zu eröfnen. Ich fand sie in Tränen, sie war eben aus einer Gesellschaft nach haus gekommen, wo sie die Erstlinge von der Verachtung eingeerndtet hatte, in welche sie der böse Ruf, in den sie unschuldiger Weise geraten war, zu stürzen begann. Hier hatte sie zuerst deutlich erfahren, was man von ihr hielt, und es fehlte nicht viel, dass man es ihr frei unter die Augen sagte, dass sie die Mätresse des Regierungsrats sei.

Ich wusste ihre Unschuld. Sie weinen zu sehen, durchbohrte mir das Herz. Ich hatte die Beweise von der Bosheit ihrer Feinde in den Händen, und mein Entschluss, wie ihr zu helfen, und auch mein Glück wieder herzustellen wär, wär gefasst. Ich tröstete sie, so gut ich konnte, ich bat sie, sich einige Tage eingezogen zu halten, und unter dem Schein einer Unpässlichkeit, jedermann von sich entfernen. Auch der überlästige Regierungsrat,