ehemaligen Neigung für Charlottens Gatten zu machen, auch sehe ich nicht ein, warum ich nicht von einer Schwachheit gegen ihn hätte reden sollen, welche die Zeit, und die Liebe, und die innige Hochachtung für den, dem ich jetzt angehöre längst vernichtet hat.
Ein zärtlicher blick und ein feuriger Händedruck des Obristlieutenantes, lohnte Peninnen, für diese mit ihrer eigenen holdseligen Art vorgebrachten Worte. Sie zog seine Hand an ihre Lippen, und ich dachte in meinem Herzen, es könne keinen reizendern Anblick geben, als eine junge und schöne Frau, welcher die redliche treue Liebe gegen einen bejahrten Gemahl so ganz aus den Augen blickt, wie hier der Obristlieutenantinn von Sarnim. Sie fuhr fort:
Den Aufentalt in Walters haus, mit dem Leben zu Hohenweiler zu vertauschen, war der einige Ausweg den ich kannte, und sie werden sich noch erinnern, liebe Mutter, dass die Verfassung in meinem väterlichen haus damals gar nicht so war, dass ich mich, ungeachtet ich Sie daselbst fand, sehr nach demselben sehnen konnte.
Wie ein Engel vom Himmel trat Gabriele auf, und zeigte mir einen dritten Weg, an den ich nie gedacht hatte, und den ich mir nicht reizender hätte wünschen können. Sie kam mit der Miene der Unschuld und der alten Vertraulichkeit; es wurde ihr leicht meinen Unwillen über vergangene Dinge zu tilgen. Sie redete mit mir die Sprache des Herzens, entdeckte mir ihre ganze Lage, klagte mir ihre eigene Kränklichkeit, und die Hypochondrie ihres Mannes, und versicherte mich, dass ihnen meine Gesellschaft zu der erwünschtesten Aufheiterung dienen würde, schilderte mir die glänzenden Scenen der grossen Welt, in welche sie versprach mich einzuführen, und – ich war gefangen.
Einige Einwendungen, welche sich auf die ehemalige Liebe des Regierungsrats gegen mich bezogen, und die ich mit ziemlicher Schüchternheit vorbrachte, wurden mit grossem Gelächter aufgenommen. Gabriele versicherte mich, mit einem etwas empfindlichen Ton, die Liebe des Regierungsrats gegen sie wäre älter, als die zu mir; nur Verzweifelung über ihre ehemalige Hörte, hatte ihn zu meinem Verehrer gemacht, und ich hätte keine ursache mich für einen Rückfall zu mir zu fürchten, ihr Gemahl sei zu glücklich durch sie, um an fremde Liebe zu denken.
Ein blick in den Spiegel, und ein stolzes Zurückwerfen ihres Kopfs, verwies es mir, dass ich so unbesonnen eine Furcht vor der Macht meiner eignen Reitzungen in Vergleichung mit den ihrigen geäussert hatte, und ich wusste meinen Fehler durch nichts, als durch die sorglose Einwilligung in alles was sie verlangte, zu verbessern. Ich konnte, ich musste ja wohl ruhig über die Folgen des Schrittes sein, den sie mir zumutete, da sie es war.
Aber wahrhaftig, unterbrach ich Peninnen, ich kann auch nicht einsehen, was die Regierungsrätinn für Absichten haben konnte, dich zu sich zu locken, wenn sie der Treue ihres Mannes nicht ganz versichert war? Du sprichst von Fallstricken, von Anschlägen wider dich, und ich sehe nicht ein, wo sie liegen können, und was man darunter suchen konnte, dich auf Irrwege zu leiten; welche, wenn sie dahinaus gingen, wie ich vermute, ja Gabrielen am nachteilichsten werden mussten.
Die ganze Sache, fuhr die Erzehlerinn fort, bezieht sich auf einen in dem hochadelichen Wilteckischen haus angenommenen Grundsatz: Liebe könne durch nichts leichter getilgt werden, als durch zwanglosen ungestörten Umgang, und die eifersüchtigste gattin könne sich durch nichts der Rückkehr ihres Ungetreuen gewisser versichern, als wenn sie ihre Nebenbuhlerinnen ganz in seine Gewalt hingäbe.
Der Regierungsrat hatte nie aufgehört mich zu lieben; er war mit Gabrielens Heirat in dem augenblicke des Unwillens wider mich übereilt worden, er konnte sich kaum die ersten Tage seines Ehestandes zwingen, seine Verachtung gegen seine gemahlin, und seine immer noch dauernde Neigung gegen mich zu verhelen. Gabriele liebte ihn wirklich, sein Bezeigen stürzte sie in Verzweiflung, und sie suchte in ihrem Kummer Rat bei ihrer Mutter, welche ihr ihn auf die vorhin angeführte Art gab.
Ich konnte mich nicht entalten, bei dieser Stelle von Peninnens Erzählung einen tiefen Seufzer auszustossen. Ich kannte diesen edlen Wilteckischen Grundsatz aus der Erfahrung; auf ähnliche Art war man mit meiner unglücklichen verstorbenen Tochter umgegangen; man hatte ihre Tugend aufgeopfert, um des Lieutenants Liebe zu ihr zu tödten.
Peninna, welche noch zu kurze Zeit wieder bei mir war, um umständlich von Hannchens geschichte benachrichtiget zu sein, verstand meinen Seufzer nicht; sie deutete ihn vermutlich allein auf sich, und ging in ihrer Erzählung weiter. –
Frau von Wilteck hatte einige Mühe Gabrielen zu dieser verzweifelten Kur einer unrechtmässigen Liebe zu bereden, und sie siegte nur endlich durch ihr eigenes Beispiel. Sie führte an, dass Demoiselle Robignac auch ehemals diejenige war, welche dem alten Herrn von Wilteck weit besser als seine gemahlin gefiel; die Nachsicht und gefälligkeit der klugen Frau von Wilteck brachte es dahin, dass die gefährliche Französinn, bald der Gegenstand der tiefsten Verachtung ihres ehemaligen Liebhabers ward, und Gabriele jauchzte über die Vorstellung, ihren Gemahl nach dem Beispiel ihres Vaters einst mit verneuter Treue zu ihr zurückkehren, und mich, die sie von Herzen hasste, in seinen Augen zu dem verächtlichen Charakter einer Robignac erniedrigt zu sehen.
Abscheulich! schrie ich, indem ich die Erzählerinn unterbrach, fast zu abscheulich, um geglaubt zu werden!
Und doch wahr, erwiderte der Obristlieutenant. Wie glücklich wär meine Peninna gewesen, wenn sie diese Dinge gleich von Anfange gewusst hätte! sie erfuhr sie erst spät durch mich,