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so kann eine Erzehlung von meinem bisherigen Leben, aus meinem oder meines Gemals mund ja alle Zweifel aufklären.

Dass diese Erzehlung an diesem Tage nicht erfolgte, lässt sich denken. Ich war zum Anfang mit dem zufrieden, was ich gehört hatte, und was ich vermuten konnte. Ich lies Peninnen aus meinen Armen, sie ward von ihren Schwestern und von Klaren, doch wie mir es schien, von der letzteren mit einiger Kälte bewillkommet, und wir wandten den übrigen teil des Tages an, einander Bruchstücke von unserm bisherigen Ergehen zu liefern. Ich erklärte Peninnen woraus mein Verdacht gegen sie erwachsen war. Samuels Brief, Klarens Bericht, Amaliens und Jucundens unvollkommene Nachrichten, ihr eigenes langes Stillschweigen, und dann der rätselhafte Brief von ihr, welcher recht dazu geschrieben zu sei schien, allen bösen Verdacht in mir zu nähren, alles dieses legte ich ihr und ihrem Gemahl vor, und beide kamen darinnen mit mir überein, dass der Schein sehr wider Peninnen gewesen seiMan versprach mir alles aufzuklären, und konnte sich nur in den Punkt wegen der ausgebliebenen Briefe nicht finden. Dass sie nach Hohenweiler addressirt gewesen waren, und uns da nicht gefunden hatten, war ausgemacht; dass sie in die hände des Katarines und seiner würdigen gattin fielen, lies sich vermuten; aber was für Ursache sie haben konnten, sie zu unterschlagen hätte sich nicht ausdenken lassen, wenn wir nicht darinnen überein gekommen wären, dass es, so unglaublich es auch scheint, doch noch Leute gibt, welche Böses tun, ohne Rücksicht auf weitern Nutzen, bloss darum, weil es böse ist, und andere unglücklich macht; auch konnte in diesem Fall die Neugierde der Frau Amtmannin Katarines, und die Schadenfreude ihres Mannes, wohl einige angenehme Nahrung gefunden haben, wodurch ihnen die Ausübung dieses Bubenstücks belohnt wurde. – – –

Herr von Sarnim und Peninne, hatten, da sie aus Unwissenheit unsers gegenwärtigen Aufentalts uns zuerst in Hohenweiler suchten, genug von diesem würdigen Paare gesehen, um diese Mutmassungen nicht unwahrscheinlich zu finden. Man hatte sie mit übertriebener Höflichkeit aufgenommen, ihnen kaum zu sagen gewusst, wo wir uns gegenwärtig aufhielten, allerlei hämische Winke wegen meiner und meiner Kinder Aufführung gegeben, und sich sorgfältig gehütet, von Herrn Hallers tod, der doch in der ganzen Gegend bekannt war, etwas zu gedenken; vermutlich um uns doch die Freude des Wiedersehens durch den plötzlichen Schrecken zu verbittern, den die traurige Nachricht der armen Peninne machen musste, wenn sie sie ohne alle Vorbereitung erhielt.

Der Obristlieutenant stampfte mit dem fuss, und sties einen fürchterlichen Fluch aus, den ich nie aus seinem mund gehört hatte. Er schwur, er müsste Gewissheit von diesen Dingen haben, und schickte des andern Tages seinen Kammerdiener mit einem Briefe nach Hohenweiler, um Erkundigung hierüber einzuziehen.

Der Kerl, der Katarines, sprach er, hat einen braven Purschen in seinen Diensten, welcher lange als Korporal unter meinem Regimente gedient hat, er war arm, aber von gutem alten Adel; der Narr, er könnte jetzt Officier sein, aber es war eine unruhige Seele, der Dienst im Frieden war ihm zu langweilig, er wartete vergebens auf Krieg, wo er sich auf einmal zu heben dachte. Er wollte es auf andere Art versuchen, das Studieren kam ihm in den Kopf, er erhielt seinen Abschied, ging auf die Universität, legte sich, wie ich höre, dort auf die lüderliche Seite, und hat doch, wie es scheint, nun so viel gelernt, in Hohenweiler den Amtsverweser vorzustellen. Er kam nicht eher zum Vorschein, als da uns schon der Amtmann und sein Weib mit vielen Ceremonien in den Wagen begleitete. Was zum Teufel, schrie ich, als ich ihn über den Hof gehen sah, ist das nicht mein ehemaliger Korporal Harold? Unser jetziger Herr Amtsverweser, kakelte die Amtmannin. Ich fragte, ob ich nicht ein paar Worte mit ihm sprechen könne, aber Katarines entschuldigte ihn, und sagte, ich würde wohl an seinem Anzuge bemerkt haben, dass er eben im Begriff sei auszureiten. – An diesen Harold habe ich geschrieben, er war ein guter Laurer als er unter meinem Regimente war, und ich bin versichert, er wird aus Consideration für seinen alten Obristen, alles versuchen, hinter die Bosheiten des niederträchtigen Katarines zu kommen.

Sieben und zwanzigstes Kapitel

Peninnens geschichte

Dieser Tag war dazu bestimmt, alle meine Zweifel über Peninnens bisherige Aufführung zu heben.

Wir sassen des Nachmittags alle beisammen. Es war ein schwüler Frühlingstag, das erste Gewitter hatte uns aus dem Garten ins Zimmer getrieben. Ich sass am geöfneten Fenster in meinem Lehnstuhl, und atmete die Wohlgerüche der erfrischten natur. Meine Kinder sassen um mich her bei ihrer Arbeit, der Oberste rauchte seine Pfeife und Peninna begann ihre Erzehlung wie folget:

Ich weis in der Tat nicht, auf was für Art ich meine geschichte anfange. Soll ich sie liebe Mutter bis zu Ende derselben in der Täuschung lassen, aus welcher ich selbst erst vor kurzer Zeit gerissen wurde? soll ich sie in dem Wahne erhalten, den ich selbst so lange hegte, dass Gabriele mich aus alter Freundschaft in ihr Haus nahm, oder entdecke ich ihnen die abscheuliche Verschwörung wider mich, welche der Grund dieses in meinen Augen so glänzenden Glücks war?

Sie wissen, was mich aus Walters haus trieb, auch mein Gemahl weis es; ich hielt es für unbillig, demjenigen, welcher in aller Absicht so edel gegen mich handelte, ein geheimnis aus meiner