in wohlgewähltem Putze, und mit vor Freude glänzendem Gesicht entgegen. Wir ärgerten uns alle über ihre Unempfindlichkeit, und selbst Herr Walter konnte sich, bei gegebener gelegenheit, der Worte nicht entbrechen: ein Valetmahl sei allezeit ein trauriges fest, und sollte von Rechtswegen mit so viel Ernst als ein Begräbniss gefeiert werden.
Den andern Gästen fehlte es auch nicht an bedeutenden Winken, ihr Misfallen über die Wirtinn zu bezeugen. Madam Walter war steifer und ceremoniöser als jemals. Jucunde liess ihren Witz spielen, und Amalie zeigte, wie sie oft pflegte, ihre Belesenheit, in mancherlei Sentenzen, die auf den gegenwärtigen Fall passten. Klara konnte weder Amaliens Gelehrsamkeit, noch Jucundens spottenden Witz, noch die ganze Charlotte mit allem was sie um und an sich hatte, leiden, und sie war zuweilen nicht sehr zurückhaltend mit ihrer Meinung über diese Dinge gewesen, aber diesesmal zwang sie sich ausserordentlich, und es war unmöglich, etwas zu sagen, oder zu tun, das ihr eine verdrüssliche Miene abgenötigt hätte.
Ich erhielt mich bei der ganzen Sache leidend, und nur am Ende des Mahls, als wir schon bald auseinander gehen wollten, konnte ich mich nicht entalten, Klaren mit etwas höhnischer Miene zu fragen; ob es uns erlaubt wär, sie noch zuweilen zu Traussental zu besuchen, wenn wir diesen Ort verlassen hätten?
Mich? fragte sie, wie wissen Sie denn, ob ich nicht eben so wohl als sie diese wohnung aufgeben muss?
fräulein, sprach ich, wie können sie so gegen eine person reden, welche sie ehemals ihres Vertrauens würdigten? was habe ich getan, um ihre achtung zu verlieren?
Charlotte und meine beiden ältesten Töchter fächerten sich gewaltig, und sahen sich mit sonderbaren Blicken an.
In der Tat, Madam, antwortete mir Klare nach einem kurzen Stillschweigen, ich verstehe ihren Vorwurf nicht ganz; hat jemand über Mangel an Zutrauen zu klagen, so bin ich es vielleicht, und – und was das andere betrift. – Wahrhaftig, Madam, so kommt es bloss auf die nunmehrige Besitzer von Traussental an, ob sie mich noch länger in meiner wohnung dulden wollen.
Ich sah beissende Antworten auf den Lippen von Klarens Widersacherinnen schweben, aber ein Wink von mir hies sie schweigen, und ich liess es dabei bewenden, dass ich das fräulein nur mit einem forschenden Blicke ansah, als wollte ich die ursache ihrer Verstellung erraten.
Ich weis nicht, Madam, sprach Klare, warum sie mich so bedeutend ansehen; habe ich etwas Unschickliches oder ihnen Unangenehmes gesagt?
Keins von beiden, fräulein, aber etwas sehr sonderbares. Wenn sie selbst, wie ich aus guter Hand weis, die Käuferinn von Traussental sind, so weiss ich nicht, wie ich ihre vorhergehende Rede erklären soll. liebes, liebes fräulein, was haben wir getan, dass sie sich so vor uns verstellen? soll dieses vielleicht Aufhebung der alten Freundschaft, vielleicht heimlicher Wink sein, dass wir heute zum letztenmal die erlaubnis haben, sie hier zu sehen?
Klare ward gewaltig rot. Ich kann ihnen auf alles dieses nichts antworten, erwiderte sie, als dass, wenn ich künftig noch in meiner wohnung bleiben werde, es nicht als Eigentümerinn derselben, sondern bloss, so wie bisher, auf Vergünstigung der Besitzer geschehen wird. Nicht mir gehört ihr ehemaliges Eigentum, sondern ein paar Unmündigen, welche – welche – zum Glück, Madam habe ich den Kontrakt, der über den Kauf des Guts im Namen der beiden jungen Personen geschlossen worden ist, durch einen Zufall in meiner Verwahrung, und kann ihnen denselben zu Bezeugung der Wahrheit dessen, was ich sage, vorlegen.
Klare holte aus einem Schranke eine Schrift hervor, und überreichte sie Herr Waltern, sie laut zu verlesen.
Wenn ich bitten darf, sagte ich, nur gleich den Namen der Käuferinn; ich sehe nicht ein, warum das fräulein von Vöhlen sich scheut, die Eigentümerinn von Traussental zu heissen.
Herr Walter las, und sah Klaren an; las wieder, und warf einen blick voll Erstaunen auf mich. Juliane Haller, und Johann Ludwig von Wilteck, Käufer des Guts Traussental? wiederholte er zu verschiedenen malen, warf denn die Schrift hinweg, und fasste Klaren hastig bei der Hand. fräulein, rief er, wache ich oder träume ich? ist es möglich was ich jetzt gelesen habe?
Sehr möglich, sprach Klare. Traussental gehört niemand andern als meinem guten Julchen, und dem kleinen Ludwig, und sie, Herr Walter, werden gebeten, die Sache als Vormund der beiden Eigentümer zu unterschreiben. kommt her, lieben Kinder, und sagt mir, ob ihr mich, so wie bisher eure Eltern taten, in eurem nunmehrigen Eigentum dulden wollt?
Sie hatte den kleinen Ludwig, der noch nichts von diesen Dingen verstehen konnte, in die Höhe gehoben, und an ihre Brust gedrückt. Julchen hieng sich von der andern Seite an ihren Hals, und konnte Klarens Frage nur mit Tränen beantworten; wir Uebrigen versammelten uns um das grossmütige Mädchen herum, und forderten Erklärung über das, was wir noch nicht ganz begreifen konnten.
Herr Walter las den Kontrakt, ob ihm gleich Klare es verwehren wollte, von Anfang bis zu Ende, und wir sahen, dass das edle fräulein von Vöhlen, das Gut wirklich in Julchens und Ludwigs Namen gekauft hatte, und dass zur Bestätigung des Ganzen nichts weiter fehlte, als Herrn Walters Unterschrift, welcher als Vormund der beiden jungen Käufer angegeben war.
Es ist unmöglich,