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, die ich zum Glück diesen Tag getragen hatte, konnte sie zu einiger Nachsicht bewegen. Ich gab sie ihr, sie zu verkaufen, und tröstete mich im übrigen auf den Beistand der Demoiselle Robignac, von welcher ich gewiss glaubte, dass sie mich nicht verlassen, und mir Mittel verschaffen würde, nach Hohenweiler zurück zu kommen.

Mamsell Röbignac führte schon seit einiger Zeit nicht mehr den Namen meiner Gouvernante; sie hatte sich mit meinem Vater, der ihren Geiz nicht mehr so befriedigen konnte wie vormals, entzweiet und das Haus verlassen; dem ungeachtet aber war sie täglich in unserer wohnung, sie besuchte ihre Busenfreundinn, und zuweilen auch mich, und ich konnte also darauf rechnen, sie bald zu sehen, und mich bei ihr Rats zu erholen.

Ich fand wenig von dem, worauf ich rechnete, wenig guten Rat, mehr gute Lehren, und gar keine hülfe. Mademoiselle Robignac, war im Begriffe eine Kostschule für junge Frauenzimmer anzurichten, sie bot mir eine Stelle in derselben als Unterlehrerinn an, aber ich war durch die betrügerische Ralph behutsam geworden, ich erkundigte mich etwas genauer nach der Einrichtung ihres Erziehungsinstituts, und die Nachrichten die ich einzog, waren so sonderbar, dass ich mich nach der angebotenen Stelle nicht sehnte. Mamsell Robignac war beleidigt, meine bisherige Wirtinn konnte niemand in ihrem haus dulden, welcher kein Geld hatte; meine goldene Uhr hatte sich in ihren Händen in Semidor oder Tompack verwandelt. Es war eine Kleinigkeit, was ich dafür bekam. Das was ich, nachdem ich meinen Aufentalt von etlichen Tagen in ihrem haus bezahlt hatte, übrig behielt, war mit dem, was ich aus einigen andern verkauften Kleinigkeiten lösste, eben hinlänglich mir eine kleine kammer bei einer armen Frau zu mieten, welcher ich während meines Aufentalts in Berlin Gutes getan hatte, und die mir versprach, mir von ihren Bekannten Arbeit zu verschaffen, welche mich so lange bis sich bessere Aussichten für mich zeigten, notdürftig nähren könne. An die Rückreise nach Hohenweiler war gar nicht zu gedenken, und ich konnte mich nicht überwinden, in meiner gegenwärtigen elenden Verfassung nach haus zu schreiben, und um hülfe zu bitten.

So hatte ich einige Wochen gelebt, und würde wahrscheinlich ein Leben von dieser Art, das ich gar nicht gewohnt war, nicht lange ausgehalten haben; aber plötzlich änderte sich die Scene. Meine Schwester, meine Amalie, erschein mir wie ein tröstender Engel in dieser Finsterniss, und führte mich auf einen Weg wo ich ruhig und bequem leben konnte, ohne darum den Pfad der Tugend zu verlassen.

Eine Umarmung der beiden Schwestern, unterbrach hier die Erzehlung, und Amalie nahm nach einiger Zeit, weil Jucunde zu gerührt war, um sprechen zu können, das Wort.

Sie wissen, liebe Mutter, fing sie an, auf was für Art ich aus meines Vaters haus kam; ich war Feldners Frau, wir lebten beide beim Teater, und fanden unser reichliches Auskommen. Vollkommen wär unser Glück gewesen, wenn ich der Bühne nicht allein mit meiner Feder hätte dienen können. Uns fehlte eine zweite Liebhaberinn, ich versuchte es aufzutreten; meine Action und meine stimme war, wie jedermann gestand, ohne Tadel, aber meine person fand keinen Beifall. Meine Eitekeit ward gekränkt, aber ich wusste mich zu beruhigen. Mein Mann und ich hatten von der Abreise meines Vaters gehört; Jucunde war nach derselben noch in Berlin gesehen worden, ich war ihrentwegen in sorge. Feldner kannte ihre Talente, der Direktor der Gesellschaft kannte ihre person und versprach sich von ihrer Erscheinung Vorteil. Wir kundschafteten ihren Aufentalt aus, und ich ward abgeschickt, sie in unsern fröhlichen Kreis einzuladen.

Jucunde nahm unsere Vorschläge an, sie verlies die wohnung des Elends, und die mühsame Handarbeit, die sie kümmerlich nährte. Fast ohne allen Unterricht betrat sie die Bühne, sie schien für dieselbe gebohren zu sein. Was ihr an Uebung fehlte, ersetzte ihre Schönheit, und nie hatte unser Haus häufigern Zulauf, als wenn man gewiss war sie erscheinen zu sehen. Sie entzückte das Publikum als Franziska, und wenn sie im Westindier als – –

Hier unterbrach ich Amalien; sie sprach mir in zu hohem Tone vom Teater, ich konnte es nicht leiden, wenn man diesen Dingen das Ansehen von Wichtigkeit gab. Das Lob, das sie Juncunden beilegte, durchbohrte mir das Herz. Es war schlimm genug, dass ich selbst gestehen musste, dass meine arme Jucunde damals fast keinen andern Weg zu ihrem Fortkommen vor sich hatte, als diesen. Hör auf, sprach ich zu Amalien, und lass deine Schwester weiter reden.

Die Lobeserhebungen, fing Jucunde von neuem an, welche mir meine Schwester beilegt, sind parteiisch. Man fand mich nur so lange erträglich als ich neu war. Niedrige List und Kabale raubte mir den Beifall, auf den ich noch allenfalls hätte Anspruch machen können. Man liess mich nur in solchen Rollen auftreten, denen ich nicht gewachsen war. Unter dem Vorwande mich zu erheben, gab man mir hohe tragische Rollen, in welchen ich ausgeklascht ward, da ich hingegen als Soubrette, oder komische Liebhaberinn, ganz in meinem Fach und des allgemeinen Beifalls sicher war. Der Neid meiner Gespielinnen verfolgte mich auf noch empfindlichere Art: man fing an meiner Schwester in den Kopf zu setzen, dass der Herr Feldner seine ehemalige Liebe zu mir wieder hervorsuchte undundkurz es war nichts an der Sache, und wenn es auch so gewesen wärso hätte Amalie auf