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warum ich bitte.

Das vielfältige Zureden hatte mich wirklich dahin gebracht, dass ich glaubte sehr übel zu sein; ich bat mit schwacher stimme, meine Freundinn, das eben eingetretene Frauenzimmer, zu meiner hülfe herbei zu rufen, aber ich ward nicht gehört, und man führte mich zu dem nächsten Eingange des Zimmers hinaus, ohne dass die Personen, welche sich auf der andern Seite befanden, etwas davon gewahr wurden.

Der Matros führte mich in eine Sänfte, ohne im stand gewesen zu sein, ein Wort mit mir zu sprechen, denn die ganze Anzahl derer, welche im Kabinet um mich versammelt gewesen waren, begleitete mich, wie sie sagten, aus Besorgnis wegen meiner Gesundheit. Ich sagte den Trägern meine wohnung, und der Matros wandte sich unwillig auf die Seite. Ich wunderte mich, als ich ein wenig zu mir selbst kam, mich so wohl zu befinden; auch keine Spur von der Unpässlichkeit, die mich vor einer Viertelstunde angewandelt hatte, war mehr übrig. Ich dachte an die Vorgänge des heutigen Abends, an Mamsell Ralph, den Matrosen und den Spanier; das Gewirr von Ideen machte, dass ich endlich gar nicht mehr musste was ich dachte, und so kam ich bei meiner wohnung an.

Das erste was mir in die Augen fiel, als ich aus der Sänfte trat, war der Matros, der mich bisher begleitet hatte.

Mamsell, sagte er, indem er mich ziemlich matrosenmässig bei der Hand nahm, sie sind so unbesonnen, dass sie noch endlich einmal so ankommen werden, dass ihnen niemand helfen kann. Hätte ich sie heute wohl von dem verfluchten Balle hinweggebracht, wenn ich sie nicht beredet hätte, dass sie sich übel befänden? Weis Gott was die Ralph mit ihnen vor hat? vermutlich will sie sich mit ihrer Schönheit fortelfen, da die ihrige nichts mehr gilt. Denken sie an den heutigen Brief, und sein sie auf ihrer Hut.

Ich wollte wetten unterbrach ich Jucunden, dass dieser Matros und der unbekannte Ferdinand eine person waren. – Er sei wer er wolle, fuhr sie fort, so schien er recht bestimmt zu sein, mich überall zu treffen, und sich überall zu meinem Hofmeister aufzuwerfen.

Seine Warnungen wurden des andern Tages von der glatten Zunge der Mamsel Ralph völlig vernichtet und lächerlich gemacht. Sie stellte alles was sie anging auf der vorteilhaftesten Seite, und mein Betragen, den Tanz mit dem Matrosen, meine Entfernung in das Erfrischungszimmer, die Unpässlichkeit die ich mir hatte aufdichten lassen, und mein unzeitiges Nachhausegehen ohne sie, so gehässig vor, dass ich mich von Herzen schämte, und wieder in dem Falle war, um Verzeihung zu bitten, und meine erzürnte Freundinn zu besänftigen.

Ich fuhr fort, mich mit der Ralph im Schauspiel und an andern Orten öffentlich zu zeigen, und ich konnte fast keinen gang tun, dass mir die stimme meines ungebetenen Warners nicht bald von dieser, bald von jener Seite über die Achseln schallte; ich ward es endlich gewohnt, lachte mit der Ralph darüber, und dachte nicht mehr daran, einen ernstaften Gebrauch von der stimme meines Schutzengels zu machen, bis sich die wichtige Begebenheit zutrug, welche mir auf einmal die Augen öfnete, mir sie öfnete, als es fast zu spät war, zurückzukehren, als wenigstens mein Schicksal durch meine Unvorsichtigkeit jenen Stos bekam, der mich in einen Stand schleuderte, den ich wohl nie freiwillig gewählt haben würde.

Erlauben Sie mir, beste Mutter, dieses Vorgangs so kurz als möglich zu gedenken. Die gelegenheit dazu war fast die nehmliche, wie an dem Abende, da der Matrose für meine Sicherheit sorgte, nur dass derjenige, den Mamsel Ralph mir jenesmal in der Tracht eines Spaniers von ferne zeigte, sich mir jetzt näher entdeckte, und mir seine Absichten so unverhüllt bekannte, dass ich von dem lebhaftesten Abscheu erfüllt wurde. – Die verräterische Ralph hatte mich in seinen Händen gelassen, und sich entfernt. Niemand würde wahrscheinlichlich mein Retter gewesen sein, und ich wär vermutlich genötigt gewesen, meinem unbescheidenen Liebhaber vom Balle in ein Haus zu folgen, das er und Mamsell Ralph, wie er sagte, schon längst für mich zubereitet hätten, um daselbst unter dem Titel seiner beständigen Freundinn zu leben, wenn nicht die Lebhaftigkeit unsers Wortwechsels, einen Herrn aus einem Nebenzimmer herbeigezogen hätte. Er hatte sich in einen weisen Mantel gehüllt, so dass ich wenig von seiner person sehen konnte, aber der Ton seiner stimme, entdeckte mir bei den ersten Worten, die er sprach, meinen treuen Warner. O rief ich, retten, retten sie mich! jetzt sehe ich die Wahrheit ihrer Worte ein! – Wenig Worte waren hinlänglich ihm ein Licht über meine gegenwärtige Verfassung zu geben, er regalirte den, aus dessen Gewalt er mich riss, mit ein paar kräftigen Flüchen, und führte mich davon, ohne dass der andere das Herz gehabt hätte, es ihm zu wehren.

Es war kein Wagen vorhanden, der uns aus diesem gottlosen haus, wofür ich es nun erkannte, bringen konnte, und wir traten also unsern Weg zu fuss an. Wir waren fast eine ganze Strasse lang gegangen, ohne dass wir ein Wort mit einander gewechselt hätten; aber nun fing er eine Ermahnungsrede an, auf welche er vermutlich den ganzen Weg über gesonnen haben mochte. Sie war so nachdrücklich, und er machte es mir anfangs so unmöglich, das kleinste Wort zu meiner Verteidigung einzuschieben, dass ich glaubte ein Recht zu haben, mich