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Gegenstand des Neids und der Bewunderung des ganzen Hofs erhoben hätte.

Ich war nicht so ganz einfältig, viel auf alle diese Dinge zu bauen, aber die Neugierde quälte mich, ich wollte doch nur sehen, nur hören, nur wissen, was eigentlich von diesen bezaubernden Märchen zu halten sei. Du magst dich denn, sagte Mamsell Ralph, diesen Abend mit deinen eigenen Augen überzeugen; aber fuhr sie fort, sei vernünftig, und erwarte nicht etwa, dass ein Mann von solchem Range, wie ein Sclave zu deinen Füssen kriechen soll. Doch ich denke, dein neuer Liebhaber, der unbekannte Ferdinand, hat dich schon an einen Ton gewöhnt, der dich nicht stolz werden lässt, und ich vermute wenigstens, dass der, den ich dich kennen lehren will, nicht zu seiner Dame sagen wird: er möchte sie nicht zu oft sehen, um ihrer nicht überdrüssig zu werden, sie solle machen, dass sie nach haus zur lieben Mutter käme, und was dir dein artiger Korrespondent alles für Sächelchen vorpredigt. – Eine beissende Parallele zwischen dem unbekannten Ferdinand, und dem mir eben so unbekannten Helden der Demoiselle Ralph, beschloss die Vorlesung, die mir meine edle Freundinn hielt. Wir rüsteten uns zum Balle, und fuhren Abends nach elf Uhr ab.

Es würde zu weitläuftig fallen, Ihnen mein Erstaunen über die neuen Gegenstände, die sich meinen Augen darboten, und alle Auftritte dieses Abends zu schildern. Mamsell Ralph hatte mich schon nach und nach zu sehr an den Ton der Ausgelassenheit und wilden Freude gewöhnt, als dass mir hier etwas hätte auffallend sein sollen, und was mir etwa ausserordentlich vorkam, wurde mit der Sitte des Orts entschuldigt, welche mir, da ich ihn noch nicht besucht hatte, freilich unbekannt sein musste.

Mamsell Ralph hatte mich einen grossen teil der Nacht unter dem Vorwande vom Tanzen zurück gehalten, dass sie meine Hand für denjenigen aufheben müsse, welchem sie mich diesesmal vorzustellen gedächte. Sie selbst hatte wenig Versuchungen gehabt, ihren Sitz zu verlassen, denn ob sie gleich sowohl als ich, und viele von den anwesenden Damen, sich mit blossem gesicht zeigte, und alle Künste angewendet hatte, ihre Reize zu erhöhen, so schien sie doch wenig Aufmerksamkeit zu erregen; man übersahe sie als eine alte Bekannte, und versammelte sich nur um mich, mit einer Zudringlichkeit, die selbst mich, die ich unbescheidenes Angaffen gewohnt war, in Verlegenheit setzte, und mich den Mangel einer Maske bedauren liess.

Es war weit nach Mitternacht, als endlich der lange Erwartete erschien; Mamsell Ralph zeigte mir ihn von weitem, er trug die Kleidung eines Spaniers, und stellte eine gute person vor. Meine Gefährtinn wandte alle Beredsamkeit an, mir seine Vorzüge in ein noch helleres Licht zu setzen, und mich vorzubereiten, ihn gefällig aufzunehmen, wenn er sich uns nähern würde. Sie wurde in ihren Demonstrationen so laut, dass sie die Aufmerksamkeit derjenigen, die vor uns vorübergingen, erregte. Ein Matros trat aus dem Haufen hervor, sah mir und meiner Beisitzerinn steif ins gesicht, stampfte mit dem Fuss, ergriff meine Hand, und schwur, ich müsse mit ihm tanzen. Das Einreden der Mamsell Ralph und mein Sträuben half nichts, und ich war in den Kreis der Tanzenden geschleudert, ich wusste nicht wie.

Mein Gefärte liess mich nicht von der Hand, und mein Bitten, und meine sichtbare Ermattung, bewegte ihn erst nach unterschiedlichen Tänzen, mir eine Viertelstunde zur Erholung zu gönnen. Er führte mich in ein Erfrischungszimmer, und flüsterte mir im Hingehen zu, es sei ihm lieb, mich unter dem Vorwande meiner Ermüdung allein sprechen zu können, weil er mir viel zu sagen habe.

Seine Hoffnung auf ein einsames Gespräch, und meine Neugierde nach dem, was er mir zu vertrauen hätte, wurden beide getäuscht. Wir fanden das Kabinet schon mit Leuten erfüllt, unter welchen sich auch der gerühmte Spanier der Demoiselle Ralph befand. Der Matros bat mich, mich zu setzen, bediente mich mit Limonade, und bemühte sich immer seinen Stand so zu nehmen, dass niemand von den Anwesenden mich ganz erblicken könne: dieses diente nur dazu, desto mehr Augen auf mich zu richten, und die Menge derer, die mich umgaben, vernichtete sein Bestreben, mir etliche Worte ins Geheim zu sagen, bald völlig.

Er schien verlegen, ward nachdenkend, und seine Entwürfe, die er machen mochte, schienen durch den Eintritt der Demoisell Ralph auf einmal zur Zeitigung zu kommen.

Mademoiselle, sagte er ganz laut zu mir, da ihm die Menge der Unstehenden das heimlich Reden verbot, sie sehen ausserordentlich blass, und ich wünschte, dass sie wir erlaubten, sie zu einer Sänfte zu begleiten. Ich versicherte, dass ich bis auf die Erhitzung vom Tanze völlig wohl sei; er behauptete das Gegenteil mit so vielem Eifer, dass ich endlich wirklich eine Unbehaglichkeit zu fühlen glaubte, und um ein Glas wasser bat. Sogleich waren zwanzig hände bereit, mir das begehrte zu reichen, und zehn Stimmen erhoben sich, mir Aderlass, Hirschhorn, und der Himmel weis was alles, als würksamere Mittel anzuraten.

Stille, meine Herren, sprach mein Gefährte mit leiser stimme, aller Lärm ist hier im stand eine Ohnmacht zu beschleunigen, ich bin ein Arzt, und weiss zuverlässig, dass Ruhe der Dame im gegenwärtigen Falle das zuträglichste sein wird, geben sie mir gelegenheit, sie unvermerkt aus dem Zimmer und an ihre Sänfte zu bringen; dies ist alles