1788_Ehrmann_010_8.txt

meines Herzens!

Deine

Nina.

XIII. Brief

Nachts um elf Uhr.

Endlich ist es ruhig auf meinem Zimmer, und ich kann Wort halten, und noch ein wenig vom heutigen Tag schwäzzen, den ich so mittelmässig zufrieden verlebte. Ganz zufrieden würde ich bloss an Deinem Busen gewesen sein. Dank Dir also Besster für dein heutiges Briefchen. – Es war so schön, so voll guten Herzens, dass mich deine Sorgfalt bis zu Tränen rührte!

Mein Gott! Was Du für ein herrliches Herz besizzest, wie Du mit Deiner feurigen Einbildungskraft hineindringst in's feine Gefühl der Liebe, das nicht für jeden gemacht ist. – Könnte ich es Dir doch noch einst in der unendlichen Ewigkeit vergelten! – Wie wohl es mir tut, auch einmal so gut behandelt zu werden, wie ich sonst Andere behandelte. Der Schöpfer schuf Dich nur für mich zum Lohn, zur Vergeltung meiner ausgestandenen Leiden. Fahre fort, Teurer, mein Herz zu entzükken, und diejenigen die es so oft zerrissen, sollen durch Dein Betragen beschämt und von ihrem Gewissen gepeinigt werden! –

O du Guter, aller Guten! – Du wirst also einst meine Tränen stillen? – An deinem Busen, in Deinen Ha! – Gedanke des Trostes, der Erquikkung, der Wonne! – Es ist mir so ängstlich freudig um's Herz, ich fühle schon zum voraus die Glückseligkeit, die meiner wartet, wenn ich nur diesen augenblick hinstürzen könnte an Dein Herz! – Ach! – dann wollte ich mich ausweinen, dann sollten sie fliessen die Tränen meines zur Schwermut geneigten Gemüts! – Denke, lieber Friz, wenn mir recht wohl ist, dann fühle ich in mir einen gewissen Hang zur Traurigkeit, und wenn auch alle meine Wünsche befriedigt sind, so schmelzt meine Seele doch hin zur seligsten Melankolie! –

Es muss doch in meinem Körper mit der Gesundheit nicht gut stehen, denn es liegt heute wieder so schwer auf meiner Brust, als ob ich ein Verbrechen begangen hätte! – Gräme Dich aber ja nicht, Friz, es wird besser werden, ich habe heute wieder zu sehr der Zukunft nachgehängt. – Aber um Gotteswillen zanke mich nicht; ich war nicht Herr über mich! –

Freundinn Sch... hat mich mit Gewalt beim Essen behalten, und dann schleppte sie mich zu einer andern Freundinn, bis ich mich endlich gegen acht Uhr los machte. – Die Mädchen, die in der Gesellschaft gegenwärtig waren, haben mich mit Blumen beschenkt, und da diese drei Sträusschen so sehr auf uns passen, so schikke ich sie Dir. – –

Betrachte einmal das weisse Röschen, es ist mein Sinnbild, vom Sturme etwas welk, aber doch im Urstoff rein! – Das rote hingegen ist gerade in seiner Blüte, und wird nicht so leicht welken, wenn nicht gar zu viele Stürme seine Wangen bleichen. Bei der schönen, unverfälschten Farbe dieser Blumen beschwöre ich Dich, ewig, ewig, (es mag dazwischen kommen was da will,) und wenn es das Schröklichste wäre, Dich nie von mir reissen zu lassen!!! –

Könntest Du je wanken, könnte Dich je etwas schwach machen, dann magst Du mit meinem Fluche beladen, den langsamen Tod dieser Blumen sterben!!! –

Nina.

XIV. Brief

O mein Friz! – Das war wieder ein göttlicher Tag! – Ein Tag der uns die Wonne unsrer künftigen Tage, mit himmels-Vorgeschmak ankündigt! – Wie unglücklich sind doch diejenigen Menschen, die sich aus dem vertrauten Umgang der Liebe und Tugend keine Seligkeit zu schaffen wissen. –

Ich glaube, wenn wir hundert Jahre zusammen lebten, wir fänden immer etwas neues, uns recht gut zu unterhalten, immer etwas neues zu fühlen, um einander zum seligsten Entzükken zu reizen! –

Bloss in der gegenseitigen Hochachtung liegt das Band der unendlichen liebes-Fesseln; die jeden augenblick eines vernünftigen Umgangs zum Elisium umschaffen! – Die kleinen gegenseitigen Gefälligkeiten, die guterzigen Bemühungen, der wahre lebhafte Anteil, die sorgfältige Schonung, die kleinen befriedigten Eitelkeiten, der zufriedne Stolz, wenn man jede Minute mehr überzeugt wird, dass man eine Ausnahme in der Schöpfung liebt, kurz wo man nur in einer solchen harmonischen Liebe hinblikt, ist sie beschäftigt, und spottet der Toren, die so viel von Liebe schreiben, ohne ihren wahren Wert ganz zu kennen. –

Nicht wahr, lieber Friz, die wenigsten Menschen wissen zu lieben? – O unsere Art Liebe wohnt gewiss in wenig andern Herzen. Wir beide sind ja nur ein Sinn, nur ein Gedanke, nur eine Seele, nur ein Wunsch, nur eine Güte, nur eine Sanftmut, Alles, Alles, sind wir mit einander in Einem! Denke nach über unsern Umgang, und du wirst die Wahrheit finden.

Herz, Kopf, Seele, Freude, leidenschaft, Tändelei, Wiz, Vernunft, alles versteht sich so genau auf den ersten Wink. Ich könnte Dir wohl zum voraus ewige Verdammniss Deiner künftigen Tage ankündigen, wenn Du je so elend werden könntest, diese Tage ohne mich verweinen zu müssen. –

Doch weg Schwermut! – Weg! – du kränkst ein Wesen, das mir heilig ist, und es auch ewig bleiben wird! – Ich bin stolz darauf Dich so innig lieben zu dürfen, aber Du kannst auch stolz darauf sein, so geliebt zu werden. Denn Du und ich kennen leider die Welt, und fühlen recht überzeugend, dass nur ein