Barbarei atmet, wenn leidenschaftliche, unbefriedigte Liebe sein Herz zusammendrükt, wenn sehnsucht, getäuschte Erwartung und Ungewissheit seine kranke Seele in die Enge treiben, wenn Alles, Alles, auf den Unglücklichen losstürmt, warum sollte er nicht mit Lebhaftigkeit nach Erleichterung haschen? – – O mein Kopf! – Er ist siedend, brennendheiss, Gatte, Herzens-Gatte! – Hast Du mir heute wieder nicht geschrieben? – – – – Ich muss nachsehen lassen. – Röschen! – Geschwind, fort auf die Post! – Fort sag ich Zauderinn! – Und bringt sie mir nichts ... auch gut! ...
Röschen.
Aber Madame, vorhin waren Sie so wild und jetzt so gleichgültig? – Jesus! – Jesus! Was fehlt Ihnen wieder? – – Ich gehe nicht fort, ich verlasse Sie nicht, bis Sie mir versprechen ruhig zu sein. – Elende Schwäzzerinn, weg von mir, ich will allein sein! – Lass sie mich in Ruhe, oder .....
Röschen.
Um Gotteswillen, Madame L.... kommen Sie doch zu meiner kranken Frau, eher gehe ich nicht auf die Post! – Horch! – Da steht ja etwas! – Hu! – Ein langer, hagerer, abscheulicher Mann!!! – Ein Todtengerippe, das dem meinigen gleicht! – Weg Friz! – Weg! – Du gehörst nicht mehr zu mir! – Siehst Du, wie der Henker der Mutter Deines Kindes die Ketten anlegt!!! – Siehst Du, wie der Pöbel sich hinzudrängt und mir den Braut-Kranz auf's Schaffot trägt, wie mir ihn Deine Verwandten vom Kopf reissen! – – Ha! – Blut! – Blut! – von Deinem weib sprüzt auf die Erde! – Stille, stille! Wer kommt? – – Was will die Kreatur vor meinem Bette mit ihren weinenden Augen? – Mädchen, Ha! – Mädchen, bringst Du mir keine Briefe? – ......... nicht? – – nicht? ... Weh dem Verräter! – Weh seinem kind! – Weh mir! – Und du noch ungebornes Wesen unter meinem Herzen du sollst nicht reif werden zur Schande, zur Verfolgung, du sollst Deiner Mutter nicht fluchen, Du sollst mich bei Deiner Geburt nicht ängstigen mit dem Andenken über Dein künftiges schicksal, du sollst deines Vaters Bruder nicht kennen lernen, der deine Mutter aus Vorurteil mordete. – Sei nur ruhig, Kind des Kummers, sei nur ruhig, ich will dich mit mir abreissen von einem Leben, das dich und mich zur langsamen Verzweiflung bestimmt hat! – Mutig will ich mein wallendes Blut mit Gift abkühlen, entschlossen die Stunde meiner Auflösung herbeirufen, gleichgültig von deinem untätigen Vater Abschied nehmen, er besizt Reize genug zu einer neuen Eroberung. –
Dass mir doch die Hauswirtinn nicht von der Seite geht! – So unverschämt zudringlich sollte sie doch wohl nicht sein! – Auch meine Kammerzofe heult dort in einem Winkel ... Heult nur, ich will euch doch überlisten, bei meiner wilden ungewöhnlichen Harterzigkeit, ich will euch doch überlisten! –
Nach Tisch.
Endlich wird es doch bei mir bald ruhig werden an Seel und Leib! – Alles ist ohnehin für mich verloren, ich habe keinen Gatten, keinen Vater zu meinem und seine Verwandten, dort ergreift mich die Armut, hier droht mir Schande und Verachtung, dort öffnet sich das Verderben, hier weint mein Kind aus Elend, dort liegt sein Vater aus Vorurteil an Ketten, hier verfolgt mich der harterzige Bruder, dort kommen die Diener der Gerechtigkeit um mich in's gefängnis zu schleppen! – Haltet ein, ihr Unmenschen! – Ich weis aus Liebe der Schande zu entrinnen .... Komm barmherziger Trank, ich will Dich zubereiten ... In dir liegt Rettung, in dir liegt Auflösung von der Menschheit, du sollst mich gelinde abstreifen von allem Elend, du sollst ....
Röschen.
Madame! – Madame! – – Weg Schlange! – Weg Dirne, warum störtest du mich! – –
Röschen.
grosser Gott! – Was machen Sie da? – Was ist in diesem Glas? – Her damit! – Gott und alle Heiligen, her damit! – – O sagen Sie mir um Gotteswillen was darinnen ist! – – wasser und Zukker, sonst nichts. –
Röschen.
Heiliger Gott! – Ich glaube gar es ist Gift! – Um Gottes Barmherzigkeit willen, Madame, erholen Sie sich doch! – hören Sie mich! – Wachen Sie auf von ihrer Betäubung, fassen Sie sich! – Auf meinen Knieen bitte ich Sie darum!!! – Madame kennen Sie mich nicht mehr? – – hören Sie doch, hören Sie doch! – Da sind Briefe von ihrem Gatten! – Was? – Was? – Briefe von meinem Friz? – Du lügst! ... Nein du lügst bei Gott nicht! – – Her damit, her! – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –
Hier lieg ich auf meinen Knieen, allgewaltige Vorsehung! – Hier im Staube will ich meinen Frevel an dir abbüssen! – Hier liegt die Sünderinn, die an deiner Güte zweifelte! – grosser, allmächtiger Gott! – Blikke herab mit Barmherzigkeit auf meine Reue!