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, Du wirst sehen, wie sie hinsinken wird in Sinnlosigkeit über die ausgestandenen Leiden der Trennung! – Friz! – Solltest Du Dein Kind und seine Mutter vergessen können? – – Sollten es Deine eigennüzzigen, boshaften Eltern so weit bringen, dass sie mit Heuchelei über Dein Herz Meister würden? – – Sollten sie mich hinlänglich anschwärzen können, dass Du Dich meiner vor ihren feindseligen Augen schämen müsstest? – O Gott! – Gott! – – Was ist ein Weib, wenn sie unter die hände der Verläumdung gerät? – – Mutter und Kind sind für Dich verloren, wenn Du je wanken könntest!!! – –

Abends.

Ich könnte kein Auge zuschliessen, ohne mit Dir noch über Verschiedenes zu sprechen. Es würde mich Meineid dünken, wenn ich mich jetzt auf die faule Haut legte, da Du indessen mit Schweis auf der Stirne an mich denkest. O mein Gatte! – mein Gatte, was wäre ich ohne Dich? – Denke einmal, wer würde sich in B... meiner erbarmen, wenn Dir etwas begegnete? – Wer würde mir schreiben? – Niemand, weil ich keiner Seele meine Lage anvertrauen dürfte. –

Aber so gewiss, als Gott im Himmel ist, erhalte ich in Zukunft drei Posttäge lang keine Briefe, so können mich die dummen Bigotten den vierten Posttag hinschleppen lassen an den Ort, der nach ihrem lieblosen Urteil für Verdammte bestimmt ist. – O der Verdammungswut, mit der man Unglückliche verfolgt, denen es auf dieser Welt zu eng wurde! Dieses höllische Vorurteil ist gewiss von keinem Liebekranken erfunden worden!

Weist Du auch lieber Friz, dass ich jetzt im ganzen haus allein bin? – Röschen ist mit den Wirtsleuten zum Tanz; um mich herum ist jetzt niemand als meine finstere Schwermut und Deine Liebe ... Man läutet gerade zu einem Leichenbegängnis, noch ist es das meinige nicht, noch muss er sich herumwälzen dieser Ruhe hineilen kann. Ha! – Und diese Stunde, wenn wird sie kommen? – – Wenn wird er reissen der Faden dieses elenden Gewebes? – – O wie die kalten Menschen meiner Schwärmerei spotten, wie sie lachen über mein Elend, wie sie es Narrheit heissen, und doch legte diese Anlage der Allmächtige in mich! – Und doch wohnt diese Anlage tief in meiner Seele! – –

Deine Liebe gab meiner Schwermut den Ausbruch, ich war immer sanft, gedultig und mit hinlänglicher Vernunft versehen, aber jetzt ist alles hin, alles weg! – Ha! – Unüberlegter Jüngling! – Warum riefst Du ein Weib zum gränzenlosen Elend empor, wenn Du es nicht erleichtern kannst? – Warum liessest Du mich nicht in meinem fühllosen Zustande, worin ich mit Allen schäkkerte und für keinen Liebe fühlte? – Wie klein waren die Freuden meiner Liebe, und wie viel steht mir noch bevor, ehe sie mir wieder werden. – Siehst Du, wie unermüdet ich über unsere Liebe nachdenke? – Glaubst Du nicht, dass mir dies viele Nachhängen den Kopf wirbeln macht? –

Wenn in Dir Gram aufsteigt, so fängst Du an zu trillern oder Tabak zu rauchen, und dann bist Du wieder zufrieden. – Aber ich Aermste, ich Elende, ich Verlassne habe keine Erleichterung! – Ich kann nicht anders, ich muss denken, ich muss nachhängen. Vielleicht dreht sich mein. Kopf bald zur Sinnlosigkeit, und dann wird mir wohl werden. – Weist Du noch, wie ich krank war? – Weist Du noch? – O Du warst von Anfang hart gegen mich, aber hernach, wie viel hast Du für mich getan? Ich werde es Dir wohl nicht vergelten können. – Hättest Du mich sterben lassen, Allzusorgfältiger, so wäre ich jetzt allem überhoben. – Mein Kopf, mein Kopf, ist heute Abend nicht wie er sein soll! – Ich muss zu Bette, Gott erhalte Dich, vielleicht wird es hernach leichter um's Herz!!! – Gott stehe mir bei ....

Den andern Morgen.

Friz! – Fast glaubte ich dass dies die letzte Nacht meines Lebens sein würde! – Die Angst trieb mich hin und her, kein Mensch im ganzen haus konnte vor mir des Schlafes geniessen. – Dreimal war ich im Begriff die Last meines Lebens zu enden, und dreimal hinderten mich die allzugefälligen Geschöpfe daran. –

Dass sich doch Fremde in meinen Zustand mischen wollen, dass sie mich gefangen halten und dem Drang meiner Leidenschaften nicht Luft lassen wollen! Wissen denn die ruhigen Klözze nicht, dass dies Leben für mich keinen Reiz mehr hat? – – Wissen sie nicht, dass mich das schicksal ganz gewiss von Dir trennen wird, und dass ich es ohne Dich nicht mehr länger aushalten will? – – Und doch unterstehen sich diese lügen! – Duldete ich nicht schon lange genug? – Habe ich Dir nicht eine Zeiter die schröklichsten Briefe ohne Erfolg geschrieben? – Und was waren Deine Trostgründe? – Leere Versprechungen und Aufschub! – – Die Leute sagen, wer vom Selbstmord spricht, ist weit davon entfernt, und ich hingegen sage euch, ihr Vernünftler, was lange in der Einbildung kocht, kocht nicht umsonst. –

Wenn vom Unglücklichen alle hoffnung weicht, wenn alle seine Aussichten schwinden, wenn sein schicksal hartnäkkig bleibt, wenn die Menschen wie Teufeln an seinem Untergange arbeiten, wenn Schande, Verachtung, Armut, Verzweiflung die schönsten Aussichten sind, denen er entgegen sieht, wenn die ganze natur für ihn