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, mich fest an Dich andrükte, mit einer Kraft, die die liebe Mutter-natur bloss dem Weib gab, um den rohern Mann einzuwiegen in tausendfältige Wollust; und wie Du dann auch wollüstig zu schwärmen lehrtest, wie Du fluchtest über die abscheulichen sinnlichen Kreaturen die die Männer mechanisch, wie roh, wie sinnlos Dir die augenblicke bei andern Bekanntschaften vorbeistrichen, und wie wir beide hingegen alle erdenkliche Wollust in Wiz und Guterzigkeit einzukleiden wussten. Wie jede Tändelei Deine Seele zur Dankbarkeit leitete und wir dann alles so harmonisch zusammen fühlten, dass wir glaubten eine Welt verginge uns! – Wie jeder Deiner Küsse mich durch und durch entzükte, wie Deine feurige Einbildungskraft die Wollust zu verlängern wusste! – Nein, ich darf sie nicht mehr zurückrufen diese augenblicke der seltensten Liebe, oder ich höre auf zu sein! ... – Mit Gewalt will ich davon abbrechen, oder ich verliere heute noch meinen Verstand ...

Abends.

Mein Blut hat sich in etwas gelegt, aber Wehmut und zitternde Erwartung der morgenden Post ist an die Stelle der brausenden Wildheit getretten. – Man klopft an die Treppentüre. grosser Gott! – Was soll das? – Ein Offizier! – – Jesus, was will der? – – – – Die L... führt ihn in's Vorzimmer .... Röschen spricht mit ihm .... Gott, was mag es sein? – – Horch! ... O dem Himmel sei Dank, es ist nichts, als eine verdammte Kühnheit, womit er sich in's Haus drang; er bediente sich einer Lüge zur Ausrede, aber wurde von Röschen und der Hauswirtinn tüchtig abgefertigt. – der. – Gute Nacht Friz! –

In der Frühe.

Ich habe die ganze Nacht vor ängstlichen Träumen wieder nicht schlafen können. – Röschen ist auf die Post; barmherziger Gott, wenn sie keinen Brief brächte! – O mein armes Herz, es zerspringt fast! – Bei Gott, ich unterliege, wenn diese Ungewissheit nicht bald ihr Ende erreicht! – Mein Kopf schwindelt völlig ...

Nun Gott sei ewiger Dank! – Röschen brachte mir Deinen zweiten Brief seit Deiner Abreise von R... Aber um aller Welt willen warum schreibst Du denn nicht alle Posttage? – Weist Du denn nicht, dass die Post viermal wochentlich abgeht? – Störe nicht ferner durch Nachlässigkeit meine Seelenruhe! – –

Nina.

LXXXI. Brief

F... den 22ten November.

Teurer, guter, lieber Friz! – Heute ist wieder Posttag und warum denn keinen Brief von Dir? – Ist es möglich, dass Du mit schreiben zögerst? – – Erhalte ich in Zukunft nicht jeden Posttag Briefe, nun dann trag diese martervolle Ungewissheit wer da will, ich kann sie gewiss nicht mehr ertragen! – Der Kummer hat mich ohnehin wieder aufs Krankenbett geworfen und meine Augen sind vom Weinen halb blind. Kaum würdest Du mich mehr seit unserer lezten Unterredung kennen, bei den heiligsten Gatten- und Vaterpflichten beschwöre ich Dich, zögere nicht über die bestimmten drei Wochen, sonst findest Du mich im Sarg! – Du musst von meiner Empfindsamkeit nicht zu viel fodern, sie könnte auf einmal überschnappen! – Mache jetzt mit allen Kräften Unmöglichkeiten möglich! Jede Stunde Aufschub ist eine Mordtat an Deinem kind! – O des Leichtsinnigen, der wegen einigen Familien-Hindernissen das Leben zweier unschuldigen Geschöpfe aufopfert! – Liebte ich Dich nicht mehr als mein Leben? – War mir nicht dieses Leben um Dich feil? – O ich wäre bald aufgelegt Dir blutige Vorwürfe zu machen! – Wenigstens will ich damit Du Dich darnach richten kannst. – Deine eignen Leiden mögen stark sein, aber gegen die meinigen ein Schatten, Du hast Männerkraft, und ich Weiberschwäche, Du hast vorübereilende Affekten, und ich anhaltende. – Glaube nicht, dass ich Dich durch Schrekkenbilder lokken will, es ist Wahrheit; komm, oder Du findest mich in den kalten Armen des Todes!!! –

Ha, Friz! – Lass mich Dir nicht fluchen! – Schon oft dachte ich Dich fühlloser als mich, aber gleich bat ich Dir wieder diese Beleidigung ab. – –

O lass mich wieder in Deine Nachbarschaft ziehen, wenn es eine Unmöglichkeit ist Deine Geschäften zu enden. Unter dem Dach in einem Winkelchen will ich mein Quartier aufschlagen, dann wohne ich doch nahe bei Dir, und kann Dich doch im Notfalle zu Fuss besuchen.

Ja, ja, Friz, zu Fuss, zu so etwas wäre ich auch mitten im Winter im stand. – Meine Wirtsleute können nicht begreifen, dass ich mir jede Unterhaltung versage. – Alles ist ausser Dir für mich tot!!! – Lies folgenden kleinen Aufsaz, denn ich wieder im Gram verfertigte. – –

Empfindungen bei der Erwartung meines Gatten.

O gewiss, mein Gatte, werden die Abschiedstränen Deiner Eltern und Verwandten heisser brennen als meine abwesenden. – Ha! – Mein Friz! – Vergiss die jammernde stimme Deines Weibes nicht! – Lass Dein Ohr bei der stimme des Bluts auch für meinen Jammer offen! – Sieh Dich um, wenn Dich Deine Leute umringen, sieh Dich um, Du wirst in einer Ekke des Zimmers Dein armes, blasses Weib sehen, Du wirst sehen, wie sie ihre hände ringt, Du wirst sehen, wie sie laut weint und zitternd den Ausgang Deines Kampfes abwartet! – Du wirst sehen, wie Tod und Verzweiflung auf ihrem gesicht ruht