verzweiflungsvollen Zustand Deines Weibes zu wenig! – Fühle, was ich dulde! – Fremd, verlassen, von Dir entfernt, mit einer zu Boden getrettenen Seele, mit einem Kopf voll Sorgen, mit einem kummervollen Herzen muss Deine gattin ausharren. – Meine ganze Seligkeit ruht bloss auf Dir, und wenn sie nun für mich auf einmal zusammen stürzte, wenn Du stürbest, oder Dich Deine Leute wieder einsperrten, oder was weis ich alles ... – Ha! – Dann wäre es ja lustig! – Nicht wahr Friz? – Lustig für einen heftigen Kopf wie der meinige ist! – Solche Höllen-Furien von Gedanken zerfleischen mein krankes Gemüt und entfernen sich gewiss nicht eher, als bis ich in Deinen Armen ruhe! – Ich Törinn, warum verlies ich B...? – Ich hätte doch stündlich zu Dir hinlaufen können, und Dich nähren aus dem Becher der Liebe. – Und jetzt kann ich weiter nichts als einige kalte, jammernde Briefe schreiben, die meine Verfassung doch nur obenhin zeichnen. – Arm bin ich jetzt in dieser verdammten Entfernung! – Vielleicht durch Krankheit bald ausser stand zu Dir zurück zu kehren. – Friz, Deine Nina ist wild und hart geworden durch's Unglück, das Deine Liebe ihr zubereitete! – Sie ist nicht mehr sanft und duldend, ihr Zustand gränzt an Unsinn!!! – Sie ist eine Gottlose, Undankbare gegen Dich, der Gram hat ihr allen Trost aus dem Herzen verbannt, das ein liebevoller Gatte mit Engelssorgfalt zu beruhigen suchte! – Aber es ist umsonst, gieb Dir keine fernere Mühe mehr, entweder in drei Wochen bei mir, hörst Du! Für immer bei mir, oder Tod und Verderben!!! – Was soll ich mich da langsam abzehren lassen, tausendmal sterben und doch noch leben! – Warum soll ich warten, bis Furcht, Angst und Schrekken mir den langsamen Todesstoss bringen? – Mein Feuer ist zu heftig, meine Liebe zu ungedultig um dem schicksal noch länger als drei Wochen nachzugeben. – Entweder kömmst Du bis auf diese Zeit – aber keine Einwendung mehr! – Du kömmst, oder ich werde mir schon selbst helfen. – Du sollst erleben, dass ich Entschluss habe! –
Wenn Dich diese Drohung kränkt, dann bleibe, Allzufurchtsamer, bleibe und überlass mich meinem Geschikke! – Ich sehe es ein, dass wir mit Wenigem leben können. Hast Du nicht Kopf, hast Du nicht Talente? – Meine jezzigen Hausleute (ich logiere bei der L...) sind wirklich mehr arm als reich, und doch glücklich. – Du unmenschlicher Grübler, der mich aus Zagheit lieber tot als lebendig aufsuchen will, wenn es einmal zu spät sein wird. – Zum leztenmale bitte ich Dich, lass es nicht zu lange anstehen. Frisch auf, Friz, raffe zusammen was Dein gehört und komme. – – Oder Deine Liebe ist der Fluch, den mir Gott zur Verdammniss aufgelegt hat!!! – Könnte ich ausser Dir noch ein geschöpf leiden, so wäre meine sehnsucht nicht so heiss, ich würde mit dem gewöhnlichen weiblichen Leichtsinn auf neue Eroberungen antragen. – Aber da sizze ich eingekerkert, verborgen, von allen Augen entfernt, mitten in einer grossen Stadt einsam auf meinem Zimmer und leide mehr, als eine andere um ein Königreich zu leiden das Herz hätte. –
entfernt von den Menschen, ungekannt von Freunden, ohne die mindeste Bekanntschaft, unter einem fremden Namen dulde ich alles einem mann zu Lieb, den ich anbete! – Ha! – Du müsstest ein heilloser Bube sein, wenn Du mir auf diesen Brief nicht so gleich den Tag Deiner Ankunft meldetest! – Ich bin des Elendes satt, das mir die Abwesenheit zubereitet, entweder fühlst Du meinen Zustand und hälst ihn nicht für blosen augenbliklichen Affekt, oder Du bringst mich mit eigner Hand um!!! –
Schreibe mir Trost zu so viel Du willst, er hilft nichts mehr. – Sag, furchtsamer, kalter Vernünftler, was soll ich tun? – Hätte ich wohl je gedacht, Dich so treiben zu müssen! – Hätte ich wohl je gedacht, dass ich Dich, Prahler, an Tätigkeit überträfe? – Bald muss ich es teuflisches Flegma, oder sträflichen Leichtsinn nennen, wenn Du noch länger zögerst. – Darüber keine Einwendung, oder die Mutter Deines Kindes flucht Dir!!! – Nun, Herr Menschenkenner, untersuche jetzt den Zustand meines Gemüts und zittere, oder komm für immer!!! –
Nach Tisch.
So eben sind wir vom Tisch aufgestanden, die Leute bedienten mich artig, aber mir schmekte kein Essen. Das Gift lag in meinen Sinnen und erstikte mich beinahe! – Wie sich doch die zwei jungen Eheleute gerade heute vor meinen Augen so schön tun mussten, um mich vollends zu verrükken und mir die verlebten Stunden mit Dir zurückzurufen, um mich an mein jezziges Elend zu erinnern, um mich noch wahnsinniger zu machen! – Gott, wenn es diese Leute gewusst hätten, wie sie dadurch an meinem Herzen nagten, dass ich so allein sizzen musste, wenn alles sich freute und der Liebe genoss! – Die Freuden der Liebe werden wohl nicht bald wieder für mich zurückkehren. – Ich werde wohl eher die Braut des Todes werden, als mit Gattenliebe in Deinen Armen wieder einmal himmlische Wonne geniessen. – Nicht wahr, Friz, himmlische Wonne? – Gott! Wenn ich so wie glühendes Feuer an Deiner Seite sass