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nur so wenige rechtschaffne Weiber, und warum müssen gerade diese wenigen das Opfer eines lieblosen Verdachts werden? – – Ha! – überzeugung! – An Dich richte ich meinen Fluch, wenn Du mir meine Ehre nicht wieder zurückgiebst, dann ist alles Lüge, alles auf dieser Welt!!!

Nina.

LXXIII. Brief. Röschen an F. von G****

Rosental, den 6ten November.

Teuerster Herr! – –

Nehmen Sie es mir doch nicht übel, dass ich an Sie schreibe, ich muss es aus Liebe zu meiner guten Frau tun. – O warum haben Sie ihr doch alles geschrieben was Ihr ungerechter Bruder über die gute Frau argwöhnt? – Ich bitte Sie herzlich, schreiben Sie ihr nichts solches wieder, sonst bringen Sie sie um! – Sie kennen ja doch ihre Heftigkeit, Sie wissen, wie schröklich sie jede Kleinigkeit zu Herzen nimmt, und schonen sie doch nicht! –

Da liegt sie nun wieder, die arme Frau, wie dazumalen in B..., wo wir alle auf ihr Ende warteten. – Ich bin die ganze Nacht durch nicht von ihrer Seite gekommen, und ich wollte, dass ihr böser Bruder weis Gott wo wäre, weil er so eine brave Frau niederträchtig glaubt und sie bis in den Tod betrübte. – Mein Gott die gute Frau ist ja so unschuldig wie ein Kind und so tugendhaft, als es ein jeder Christ nur von ihr fodern kann. –

Wahrhaftig, und wenn sie jedermann verlässt und verfolgt, so will doch ich, auch in der äussersten Not, nicht von ihrer Seite weichen, weil ich sie mehr als meine eigne Schwester liebe. – O glauben Sie mir, Sie werden von ihr äusserst geliebt, hören Sie doch auf kein Geschwäz. – Ich bitte Sie, machen Sie, dass wir bald von hier fortkommen, ich stehe für nichts, meine Gebieterinn führt grässliche Entschlüsse in ihrem Sinne! – Sie läuft mir immer davon, ich kann sie gar nicht mehr aufhalten, und doch mag ich nicht, dass die Wirtsleute etwas von ihrem Kummer wissen sollen. – –

Gestern ist sie mir mitten in der Nacht davongesprungen, ich habe die grösste Angst ausgestanden bis ich sie wieder fand! – Mit aller Gewalt habe ich sie kaum wieder auf unser Zimmer gebracht, wo sie dann bis in der Frühe ganz sinnlos gelegen ist. – Die gute liebe Frau, ich möchte mich tot weinen, sie hat beinahe ihren Verstand verloren, und nichts hat sie mehr gekränkt als das Wort Heuchlerinn, sie hat es in der Fieberhizze wohl tausendmal wiederholt. – Gott gebe, dass es mit ihr besser werde. Seien Sie indessen ohne sorge, es soll ihr nichts abgehen, denn ich liebe sie um ihres guten Herzenswillen zu sehr, als dass ich nicht Tag und Nacht ihr beistehen sollte. –

Lieber Herr, ich bitte Sie um Gotteswillen, schonen Sie doch in Zukunft meine Gebieterinn mit traurigen Nachrichten, Sie wissen ja, sie ist gar zu empfindlich. – Sollte es mit ihr schlimmer werden, so erhalten Sie eiligst einen Boten, bis dortin suchen Sie sich zu beruhigen. – Ich bin übrigens mit aller Hochachtung

Dero

Ergebenste Dienerinn

Rosine ......

LXXIV. Brief

Rosental, den 8ten November.

Lieber Gatte! – Die natur hat sich noch einmal meiner erbarmt, und ich bin wieder aus dem Bette. Wie stark meine Krankheit war, weis ich nicht, denn ich war die wenigste Zeit bei Vernunft, aber so viel weis ich doch, dass mir das Wort Heuchlerinn, das ich von Deinem Bruder dulden musste, öfter in's Gedächtniss kam. – Lass mich nichts mehr von ihm hören, ich verzeihe ihm, ob er aber für meine Seele nicht einst Rechenschaft geben muss, ist eine andere Frage. –

Bedenke nur, wie schändlich er Dein Weib beleidigte! – Oder reizen Dich seine grossen Versprechungen die er Dir vorspiegelte? – Ist Dir Deines Bruders Liebe mehr wert, weil Du ihre feindseligen Ausbrüche, die alle mich trafen, so entschuldigst? – – Kannst Du Deine Eigenliebe, bei der er Dich um Deiner Talentewillen küzzelt, nicht unterdrükken, um meine Liebe desto feuriger zu fühlen? – Und wenn ich jetzt auch von seinem moralischen charakter besser überzeugt würde, so kann ich ihn doch nicht mehr als einen wohldenkenden Mann achten, er war doch immer ein heimlicher Verläumder; ob er nun seine Nebenmenschen durch Dummheit, oder Vorurteil zu dung, zu der Niemand ohne überzeugung ein Recht hat. – Wenn er aus Liebe zu Dir für Dein Wohl sorgen will, so muss er dabei Dein Herz und Deine Delikatesse schonen, muss das gute Urteil über mich eben so leicht annehmen, als das böse. –

Du solltest von mir zur probe eine grosse Summe Gelds fodern! – O der Niederträchtige, der Dich zu einer solchen schmuzzigen Prüfung anstiften wollte! – Kennt er denn meine Armut nicht, die gewiss keiner Lasterhaften so leicht eigen ist? – Und gesezt ich wäre reich, wäre es mir nicht Pflicht Alles mit Dir zu teilen? – O Menschengrausamkeit, wie gross sind deine grenzen! –

Siehst Du, wie dieser Gedanke meinen Kopf angreift? – Siehst Du, wie er im Herzen liegt der Stein, den dieser Harterzige hineingeworfen hat? – – Siehst Du, wie mein gallsüchtiges Temperament schröklich, schröklich in Gährung ist? – – O bei dieser feurigen Träne fühl doch mit und sei nicht so schwach, Dich von