Sagt ich es Dir nicht, dass ich Dich sehen müsste? – O wie geschwind eilte ich bei diesem Anlass, wobei mir Dein Bruder so tödtlichen Verdruss verursachte, in Deine arme! – Das hättest Du doch wohl nicht geglaubt, dass ich nicht einmal des Boten Zurükkunft abwarten würde? – Dass ich es wagen würde, bis fast an Deine Stadtmauern zu fahren, um Trost von einem Gatten zu holen? – O ich hätte mich um die ganze Welt nicht von dieser kleinen Reise abhalten lassen! –
Indessen will ich Dich jetzt bitten, mir in Zukunft nichts mehr von Deinem Bruder zu schreiben, wenn Du nicht Tollheiten erleben willst! – Verteidige ihn und liebe ihn so viel Du willst, ich kann ihn nicht lieben, wenigstens lässt es meine stolze Seele nicht zu, die nicht leicht jemanden beleidigt, aber auch keine Beleidigungen ertragen kann. – Ein Beweis, dass ich von keinem Pöbel herstamme, der so gerne Niederträchtigkeiten duldet. – Deine guten Absichten mich durch seinen charakter zu beruhigen, der im grund nicht bös sein soll, ist Dir nicht gelungen. – Wer seinen Nebenmenschen nur bei einem Haare kränkt, ist Anlass dazu bekäme. –
Am allerwenigsten kann ich begreifen, wie ein Mann, der die Ehre mit seiner gattin teilen muss, einen Verdacht, der die Güte meines Herzens streitig machen wollte, wie er einen solchen Verdacht, flegmatisch ertragen konnte? – – Um Gotteswillen, Friz, lobe ihn nur nicht wieder! – Er verfolgt eine ihm unbekannte person aus Liebe für Dein Wohl? – – Was soll diese teuflische Moral? – – Kennt er mich als eine Niederträchtige, dann lege er Dir Beweise vor; weis er aber nichts, als was ihm alte Weiber in's Ohr raunten, dann bleibt er ein Verläumder unter dem Dekmantel der Guterzigkeit, ein höllischer Verläumder! – – Wer ein geschöpf vom blosen Hörensagen zu grund richtet, der will es mit Vorsaz zu grund richten und bleibt in meinen Augen ärger als ein öffentlicher Feind. – –
Vergieb, Teurer, wenn Du mich ausschweifend wild findest, Du kennst die Stärke meiner Leidenschaften. Liebe und Furcht Dich zu verlieren ist an dieser Wildheit Schuld. – Rache machte bis jetzt der Liebe noch immer Plaz, aber wenn Dein Bruder nicht aufhört mich eine Heuchlerinn zu nennen, dann wird mich Ehre und kummervolle Liebe zu einem Schritt verleiten, der Dich und Deinen argwöhnischen Bruder gewiss zu Boden schlagen wird!!! –
Friz, bei meiner gränzenlosen Liebe, bei dem namenlosen Entzükken, dass ich gestern wieder in Deinen Armen genoss, schone, o schone mich! – Lobe Deinen Bruder nicht wieder, bis ich ihn selbst lobenswert finde. – Wirst Du mir folgen, Friz, wirst Du Dich überzeugen lassen, dass er mich durch seinen Verdacht schändlich kränkte? – O wenn Du mit mir fühlst, wenn Deine Liebe das einzige Gefühl ist, dass in Deiner Seele herrscht, so rede mir nichts mehr von ihm, rede mir nichts mehr von dem Allsanzen, der sich in Herzenssachen einmischt. – –
Dein Herz muss mir dieses Opfer bringen; brachte ich Dir nicht jedes Opfer zu Deiner Beruhigung? – Gott im Himmel, ich fürchte, ich fürchte Dein Bruder hat den Samen der Zwistigkeit zwischen uns ausgestreut! – Ich muss mir alle Gewalt antun, um Dir wegen ihm keine Bitterkeiten zu sagen! – –
Gerechter Gott! – Soll der uns trennen können? – Doch was trennen! – – Ja er soll es, aber von meiner Seite nicht anders, als durch den Tod! – Erfahre ich noch den mindesten Verdacht in meine Liebe, dann, heilige Mutter Gottes, bitte für meine arme Seele und für meinen armen Friz!!! – Meine Schwermut, meine Lebhaftigkeit bürgen für nichts! – Ich muss so sprechen damit Du gegen mich vorsichtig handelst; wärst Du an meiner Seite, dann könnte mich Dein Bruder eines Schaffots würdig achten, es würde mich nicht beugen, meine rastlose Liebe würde Dich so lange in süsse Wollust einwiegen, bis Du den elenden Lügner bei den Haaren zurückschleudertest, der Dein trautes Weib kränken konnte! – Aber ich bin von Dir entfernt, und der Gedanke, dass Du doch schwach sein könntest, ist ein höllischer, undankbarer Gedanke, aber bei der Entfernung kann ich ihm doch nicht widerstehen! –
Es ist gebeugte Liebe, Krankheit und hizziger Kopf, die ich Deiner sanften Leitung anempfehle. – Friz, willst Du über mich wachen? – Willst Du? – Denke, ich habe ungeachtet den gestrigen Seligkeiten, die ich an Deinem Busen genoss, eine grässliche Nacht gehabt! – – Nenne es nicht Ueberspannung, ich hin nicht selbst daran Schuld .... Das Wetter stürmte schröklich, und mich dünkt ich harmoniere so sehr mit den Elementen, dass ich meinem Gram nicht widerstehen konnte. – Gott! Sollen dies etwa Ahndungen sein? – – Droht mir schon wieder Verfolgung, will man mich schon wieder mit Verdacht zu Boden drükken? – Was kann ich armer Wurm für mein schicksal? – Was kann ich für den Neid, der wich aus der Menschheit rotten will? – Sei wenigstens Du barmherzig! – Wenn Dich Liebe nicht dazu treibt, so treibe Dich die Menschheit dazu, ein Weib zu verteidigen, die auf ihre Ehre so empfindlich ist!!! – –
grosser Gott! – Warum schufst Du doch das Weib zur Misshandlung für die ehrendiebischen Männer! – Warum schufst Du