eines Sträflichen, der mich am Ende mitverdorben hätte. – Das WeiberHerz ist doch ein närrisches Ding, so unbesonnen gut, so leichtgläubig, selbst gegen Unwürdige. – Aber nun sei mir willkommen glücklicher Anlass, wo ich dieses Herz mit seiner Empfind samkeit an den Busen eines tugendhaften Gatten drükken kann! – Tausendmal noch werde ich dem Schöpfer für diesen Anlass danken, durch den ich meinen rechtschaffenen Friz erhielt!!! –
Nach Tisch.
Ich und Röschen assen recht munter zusammen, Du warst der einzige Gegenstand unsers Gesprächs. – – O wie die lose Schäkkerinn mir so fleissig, so beredt von Dir zu erzählen wusste! –
Denke, Friz, das Mädchen hat ein recht gutes Herz, und wird jetzt so brav, so arbeitsam; wir haben den ganzen Tag zusammen gestrikt, und vieles, recht vieles von Deiner Liebe geschwäzt. – Leben wir nicht wie die leibhaften Einsiedlerinnen? – – So eingezogen, so entfernt von den Menschen. –
O Du Ebenbild meiner Wünsche, was gäbe ich nicht um einen Nachkömmling von Dir, der mir in meiner Einsamkeit Gesellschaft leisten könnte! – Ha! – Dieses Glück überstiege wohl alle Leiden meimich mit Deinem Andenken zur Ruhe legen, und erst morgen diesen ziemlich langen Brief an Dich abschikken. – – Gute Racht teurer Friz! – –
Morgens.
Teuerster, liebster Gatte! – Ich hatte einen grässlichen Traum! – Die Tränen rollten so häufig auf mein Kopf-Küssen, dass es wie gewaschen nass wurde! – – Es träumte mir, Du hättest mich verlassen, ohne mir die Ursache anzugeben, darüber verlor ich den Verstand, und war so bedaurungswürdig glücklich in meinem Wahnsinn, dass sich ein Stein erbarmt haben würde! – Du kamst dazu und jammertest um meinen Verstand, riefst laut; "O ich Ungeheuer! – Du armes, armes Weib, Du hast Deinen so schönen Verstand durch mich verloren! – –
Nicht doch, (antwortete ich) mein Verstand ist ja nur spazieren gegangen, weisst Du, auf jenes grüne Pläzchen, und ins grüne Zimmer zu B..., überall hin, wo ich einst mit Dir glücklich war, ist mein Verstand gegangen. – Am Ende fing ich gar an, Dich laut auszulachen, dass Du mich für unglücklich hieltst, und mir war doch so wohl, ich fühlte es ordentlich, dass alle Begriffe von Liebe und Ehre, von Beleidigungen und andern Leidenschaften, nicht mehr in meinem kopf wohnten. – Ich war bloss tierische Maschine mit einer so rasend stark, dass man mich in Spital trug, und an die Ketten legen musste, die Schwere dieser Ketten drückte meine feinen Knochen schröklich! – – –
Aber Gott sei ewiger Dank gesagt, es war nur ein Traum! Ich bin gesund, besizze Deine Liebe und meinen gesunden Verstand. – – Tausend Küsse von Deiner bessten gattin. –
Nina.
LXX. Brief
Rosental den 3ten November.
Lieber, holder Gatte! – Tausend Küsse für Deine Nachricht! O ich bin so froh, dass Du so glücklich zu haus anlangtest! – Zwar habe ich heute wieder einen finstern Tag verlebt, aber Gott Lob er ist zu Ende. –
Was hat wohl heute mein Liebchen getan? – – O Du Armer, dass meine Entfernung Dir auch so schwer auf's Herz fällt, wie mir. – Um meiner Seelen Heil willen, beschleunige unsere Vereinigung, wenn Du nicht haben willst dass wir beide zu grund gehen? – Lange hier aushalten, werde ich beim herannahenden Winter ohnehin nicht können, sonst würde Schwermut, durch den Aufentalt in dieser abscheulichen Einöde verdoppelt, meiner Gesundheit allzu schädlich sein. –
Ich nahm mir heute vor, ein Bischen spazieren zu gehen, aber die morastige Strasse hielt mich zurück, dann sass ich zu haus in meinem Stübchen und Röschen erzählte mir, dass der Erzschurke Holbaur sie einst zur Kupplerinn hätte bestechen wollen. – Siehst Du nun, dass ich mich in dem Buben nicht geirrt habe? – Dem Himmel sei Dank gesagt, dass ich allen diesen Nachstellungen entwischte! – Meine EinKopfschmerzen hindern mich jetzt mehr mit Dir zu sprechen. – –
In der Frühe.
Guten Tag, besster Gatte! So kann ich denn gar keine Nacht mehr schlafen? – Der düstere Zustand meines Gemüts muss daran Schuld sein, und doch treibe ich zu meiner Zerstreuung alle nur mögliche Beschäftigung, damit ich Dir den Kummer über meine Gesundheit erspare. –
Weil aber das Nachdenken jetzt meine einzige Gesellschaft ist, so kannst Du leicht erraten, wie sehr es mir in der stillen Nacht zusezt. – Da denke ich, und denke so acht, neun Stunden durch, aber dabei doch so wenig Zusammenhängendes, dass ich mich über mein Denken schon oft ärgerte. – Willkommen wäre mir jetzt ein Bischen Leichtsinn und ein wenig minder Aengstlichkeit, – Weist Du auch, wo das alles herkömmt? – – Von den vielen überstandenen Schiksalen, die mir in grässlichen Bildern in dieser Einsamkeit wieder aufs neue erscheinen und Furcht für die Zukunft einjagen. – –
Dein lezter Brief, Teuerster, war nicht kalt, wie ich Dich beschuldigte, aber etwas zerstreut geschrieben! Und könnte er in einer Lage wohl anders sein, wo Glück und Kummer alle Minuten mit einander abreizend bleibt, und dann bei der geschwinden Trennung schnell wieder alle Leiden der Menschheit zusammenruft, um Dich und mich zu foltern! – Könnte ich Dir doch Riesenkraft wünschen, damit Du in wenig Wochen Alles ändertest! –