rief: Nein, so eine Liebe, wie unter diesen Leuten herrscht, haben wir noch nicht erlebt! – –
"Aber, Madame, das ist alles recht" (fuhr die Wirtinn fort) "das ist alles recht, Sie können immer lieben, aber nur ein wenig moderat zu Werke gegangen. Bedenken Sie einmal die Feinheit ihres Körpers, Sie sind wahrhaftig von keinen gemeinen Leuten da, nein, nein, das lasse ich mir nicht weis machen. – Man darf ja nur Ihre Glieder ansehen und ihre Lebensart, es ist alles so etwas Hohes darinnen" ... Stille, mein liebes Weib, ich gehöre zur Menschheit wie sie, und komme einst, wenn der Gram mein Herz abgestossen hat, in eine finstere Grube wie sie. Hier flossen sie wieder über meine Wangen die Kennzeichen meiner weichen Seele. –
"Aber du lieber Himmel!" – (fing das Weib wieder an) "aber du lieber Himmel, so trösten Sie sich doch, sehen Sie, Ihr Schaz liebt Sie ja wie seine eigne Seele, wäre er sonst in diesem Schandwetter gekommen? – – Und für Verfolgungen von seiner Familie dürfen Sie auch nicht sorgen, ich will Den sehen, der sich in Ihr Zimmer drängt!" –
O das Weib war so beredt! – Dass Du sie ja mit einer Kleinigkeit beschenkst, damit sie es zu meiner Freude immerfort bleibt! – Du kennst ja die eigennüzzige Seele des Pöbels, ob mich das Weib gleichwohl von einer guten Art Pöbel dünkt. – Röschen hatte nach diesem Auftritt wieder an mir zu schleppen, denn ich war matt, und sie brachte mich aufs Bette, dann schlief ich bis gegen Abend, wo das Mädchen auf meinen Hauch horchte, ob ich denn auch noch lebte; denn die Wirtinn hatte ihr in Kopf gesezt, ich könnte aus Gram gähling sterben. –
"Ja, ja, (sagte die Wirtinn ganz leise) ja, ja, die Frau hat alles innwendig und ist nicht wie unser eins, dass sie so vieles ertragen kann." – –
Nun stunde ich endlich, müde über dieses Geschwäz, auf und lief nach dem Burschen, der Dich begleitet hatte, er musste mir sagen, wie Du fort gekommen seist. – O recht gut, recht gut! – Tausend Rüsse schikt er Ihnen zurück, sagte der Kerl, und ich ward etwas ruhiger.
Endlich wurde zu Nacht gespeisst; um 8 Uhr lag ich schon wieder im Bette und überdachte die festen Bündnisse unserer Zärtlichkeit, die wir uns vor dem Angesicht des Ewigen, unter dem äussersten Gefühl, dessen die Menschheit nur fähig ist, wieder erneuert hatten; dachte, mein Friz müsste die Liebe und ihre Seligkeiten hassen, wenn er jetzt nicht feurig an unserer baldigen Vereinigung arbeitete. – Dann fielen mir auch die glücklichen mit Dir verlebten Stunden wieder ein; ich bin doch eine unbegreifliche Schwärmerinn, weis mir aus jeder Kleinigkeit im häuslichen Leben eine Seligkeit zu schaffen. – –
Wie lebhaft sah ich Dich jetzt wieder, mit Deinem blassen gesicht, mit offenem Halskragen, zufrieden wie ein König an meiner Seite sizzen, wie Du dann meine Hand fest hieltest, mich zuweilen feurig küsstest, während dass Deine Seelenbildenden gespräche mir Tränen ablokten. – Wäre ich bis zu Deiner Bekanntschaft eine Sünderinn gewesen, Du würdest mich mit Engelsgüte von der Verdammniss zurück gebracht haben. – Aber nicht wahr Friz, das war ich doch nie? – – O wie mich die Menschen und Dein Bruder vor Deiner Bekanntschaft so sehr verkannten! – Ich war doch bloss feurig, lebhaft, ein Bischen eitel, wegen dem vielen Weihrauch, der meinen Talenten gestreut wurde, aber nicht ausschweifend, wie es Dir Dein liebloser Bruder weis machen wollte. –
Ich hatte gegen die Männer Hass im Herzen und wandte meinen Kopf dazu an, um mich durch Koketterie an ihnen zu rächen, mich vor den Betrug schadlos zu halten, den ich auf Unkosten meines empfindsamen Herzens durch sie erleben musste. – Aber erst jetzt sehe ich ein, wohin mich dieser unglückliche Entschluss hätte leiten können. – –
Mein Herz wäre in der grossen Welt nach und nach der Liebe abgestorben und endlich gewiss auch der Tugend. – Zur Menschenfeindinn würde ich zwar nie geworden sein, dazu war ich zu eitel; zur stoïschen Maschine auch nicht, dazu war mein Temperament zu lebhaft; zur wahren Philosophinn auch nicht, dazu waren meine Grundsäzze noch zu unreif; aus mir wäre ein falsches Unding geworden, die am Ende von den Sinnen hingerissen der Raub von mehrern Bösewichtern hätte werden können. – –
Friz, ich will es Dir noch in der Ewigkeit danken, ich will es der ganzen Welt sagen, dass Du mich in Deine arme zurückriefst, dass Du mich zu einer Liebe auffodertest, die meine Seele verbesserte. – Sich es als ein Werk der Barmherzigkeit an, das Dir Lohn sammeln wird vor dem Trone des Ewigen, Du hast nun Seele und Leib von mir in Deiner Gewalt, kannst sie aufrecht halten, oder zernichten. – O ich Undankbare, wie ich nur so etwas aussprechen kann! – Gegen einen so moralisch denkenden Engel aussprechen, der auch ohne Liebe doch ewig, ewig für mein beiderseitiges Wohl sorgen würde. – Nimm hin den feurigsten Dank, guter, sorgfältiger Gatte! – Die Gotteit schuf Dich um mir den lezten Atem zu segnen zum ewigen Wohl. – Ja gewiss, Friz, überlebst Du mich, ich weis es so gewiss