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jetzt ist Alles wider mich, Alles kocht, Alles vereinigt sich, mich in Staub zu werfen, wohin unglückliche Liebe gehört! – –

O meine Ruhe, o meine Gesundheit! Wäre es auch nicht um Dich Friz, möchte immer diese leztere schwinden. – Wäre Gesundheit dahin, Alles würde dann schweigen; was könnte dann ein Gerippe wohl mehr fühlen? – Todesschauer machte dann den siedenden Wallungen Luft, die jetzt so glühend durch meine Adern kreuzen! – – Lieber Gott im Himmel, sag, warum hört mich denn mein Friz nicht? – Komm wieder, Du Bildniss, so kalt du auch immer bist, so will ich mich doch an dir satt küssen, vollends will ich mich vergiften zu namenlosen Leiden!!!

Sonntags nach Tisch.

Ich bin zurück, mein Geliebter, von einer grossen Strekke weges, die ein schwächeres Weib gewiss nicht zurück gelegt haben würde. – Ich musste hinaus in Gottes frische Luft, es litt mich nicht mehr im Zimmer, da irrte ich denn und irrte, ohne zu wissen wohin? – Wälder, Wiesen und Weinberge habe ich der Menge nach durchgelaufen. – Du hättest mich sehen sollen, wie es mich herum trieb, gerade wie das böse Gewissen eine Sünderinn herum treibt. – Trübe war das Wetter, so trübe wie mein Inneres! – Ich lief B... zu, ohne es zu wissen. – Bald hätte ich Gefahr und alles vergessen und wäre schnurstraks zu Dir geloffen, kaum konnte ich noch meine widerspenstigen Wünsche bezähmen, sie tobten wütend nach Dir, nach Dir!!! –

Mit aller Macht meiner Vernunft musste ich die feurigste sehnsucht bändigen und ich kehrte dann wieder, wie eine Verirrte, wie eine Wahnsinnige, zurück. drei Stunden waren schon zurückgelegt, eh ich nur die Gegend wieder erkannte. – Bedenke einmal, wenn mich in diesem Zustande die Nacht überfallen hätte. – Doch was wäre denn auch ein hartes nasses Lager gegen die Leiden der Liebe gewesen? – Der Himmel schaft, Tränen zu meiner Labung. – Friz! – Gatte! – Mann! – Du weisst gewiss nicht was und wie viel ich bei dieser Trennung leide? – O meine verstorbene Mutter sagtest Du nicht oft: Liebe, Liebe, bringt Dich um!!! –

LXVIII. Brief

Rosental, den 30 November.

Ewig teurer Friz! – Gestern konnte ich Deinen Brief kaum abwarten, es trieb mich, ich musste wenigstens Röschen entgegengehen. – Lies aus beiligendem Aufsaz, was ich die zwei Tage ausstund, weil die Post nicht kam. – Gott, so macht denn eine sorge der andern Plaz? – Kaum entzükte mich eine Nachricht von Dir, so sehne ich mich schon wieder nach einer andern. – O warum bin ich denn ein so ungedultiges geschöpf? – Sonst war ich überall sanft, nachgebend, nur in der Liebe kennen meine Wünsche keine grenzen. – Diese Entfernung Friz, diese Entfernung ist härter, als ich glaubte! – Ich bin so ganz taub für alle Ruhe; Dein Andenken, Dein Bild, Deine stimme, Dein Wesen folgt mir in meiner Einöde, wie ein Schatten; bald sehe ich Dich lächelnd, bald mit einer Träne im Auge, bald finster, bald ruhig, bald gepeinigt von Verdriesslichkeiten wegen meiner. – Ich wünsche, dass Du Dich bald von Deiner Familie losrissest! – O Ja Friz! – O ja, sieh Dein Weib bittet Dich darum. – Du sollst meine Dankbarkeit kennen lernen, ein dankbares, durch Liebe beseeltes Herz ist doch wohl im stand das Leben eines fühlenden Mannes zu erste Tugend und der grösste Beweis eines unverdorbenen Herzens. –

Englische, herrliche Seele von einem jungen Mann, sag, wer hat Dich denn so gross, so hervorragend in der Liebe und Freundschaft, in der Grossmut und Menschenfreundlichkeit geschaffen? – – Ich würde mein Leben, meine Seligkeit Deinen Händen anvertrauen. – – O sei mir gesegnet fünfter April, wo ich Dich zum erstenmal sah! – Sei mir gesegnet augenblick, wo Du von mir Liebe fodertest, die ich schon so lange heimlich für Dich im Busen trug. – Und wie ich dann so hastig zugriff, wie ich nach Dir haschte, wie ich Die wurmstichigen Seelen, die ich vor Deiner kannte, gleich alle von mir wies und nur Dir anklebte. – Weisst Du noch, Friz, – wie ich Dich gleich vor jenen Galanterie-Helden verehren musste, – wie Du mich hinzogst an Dich mit Göttermacht, wie ich alle kleinen Eitelkeiten vergass, wie ich nur Dich sah, nur Dich hörte, nur von Dir wissen wollte? – Ha! – Seliges, seliges Andenken, dass mich in meiner lezten Stunde noch erquikken soll! – Nun gehe hin Du Liebling und suche Dir in der weiten Welt ein Weib, die das fühlt und die jedes Gefühl durch Denken verfeinert, vergrössert, die das kleinste Teilchen von Deinen Verdiensten sich zum Himmel schaffet. – – Mit dieser überzeugung Deiner moralischen Verdienste lieben gewiss wenige Mädchen ihre Liebhaber, ich kenne mein Geschlecht, es hängt sich zu gerne an die Schale, zu gerne bloss an Körper. – Unter dem Schwarm meiner Anbeter war ich in Rüksicht Deiner immer misstrauisch gegen mich, ich glaubte Dich nicht wonnetrunken genug, um Dich an meine mächtige Liebe hinzureissen, nur zuweilen flüsterte mir meine Eitelkeit in's Ohr: Vielleicht würde ihm doch mein Herz willkommen sein, wenn er es recht kännte, weil ich nur