Hier bei dem ehrwürdigen Namen der natur sei es geschworen. – Gute Nacht Licht der Sonne, wenn mir das schicksal und böse Menschen Deine Liebe raubten! –
Weg nun vom Altar des Schwures, dieses heilige feierliche Gelübde komme nie zur Ausführung. – Du hast mir geschworen, dass Dich tausend Schiksale nicht abhalten sollen von mir zu lassen. – Du bist Mann, denkender Mann, dem sich jedes Mädchen anvertrauen dürfte. – Aber für Deine Standhaftigkeit will ich Dich auch so pflegen, dass Du im grauen Alter noch sagen sollst, es lebe doch nur eine Nina! – Zeige mir eine von meinem Geschlechte, die Dich mehr schäzt, und ich will ihr mit Verlust meiner ganzen zeitlichen Glückseligkeit, auf Unkosten meiner Verzweiflung Deinen Besiz abtreten! – Ja das will ich! – Aber Du findest keine, ich darf es mit kühnem Stolz behaupten, die so innig überzeugt von Deinen moralischen Vorzügen ist, so fest an Dich gekettet, so unzertrennlich an Dir hängt, und so sehr an Dich gewöhnt ist. – – Ja Friz, das ist Deine Nina, die sich alles dies mit Liebe in ihr Herz schrieb, und es soll darinnen stehen bleiben, bis Du mir die Augen zudrükst. – – O mein Gatte! – Mein Friz! – Könnte Nina Dich mehr lieben? – – Engel, Teuerster, Liebster, lebe wohl bis Morgen ....
Dein liebendes Weib.
Nina's Empfindungen, an dem Tage da keine Post war Traurige, bittere Tage, wie qualvoll seid ihr für mein Herz, das seine Glückseligkeit in eine Nachricht sezt! – Fürchterlich einsam schleicht ihr dahin und macht mir meine Einsamkeit zur unerträglichsten Marter! – Jesus Christus! – Was litte ich heute, was werde ich erst morgen leiden, wenn sich die sehnsucht nach einem Briefe noch vergrössert? Sonst sah ich meinen Gatten täglich, und nun so lange Zeit weder ihn, noch seine Zuschrift. – Die ganze natur hat sich wider mich verschworen, denn sie versagt mir den Schlaf und ruft mit Barbarei die Stunden in mein Andenken zurück, wo ich sonst so ruhig an seinem Busen lag! – O Gott! – Sei milde, nimm weg von mir den Drang, der gewiss meiner Gesundheit mit ihrem Sturz drohet! –
Du liebst mich, holder Gatte, aber fühlst Du auch in der grossen Welt mein Elend? – hebt Dir der Kummer Deinen Busen auch so hoch? – – Stokt der finsterste Gram Deinen Atem auch so geschwind? – – Komm liebes Bildniss meines Gatten, lass Dich an dies ängstliche Herz drükken, bis Du zu leben anfängst! – O Du abscheuliche, hässliche, eiskalte Materie!!! – Warum lebst Du denn nicht auf? – Warum bist Du eben so undankbar, als es die Menschen sind? – Küsste ich Dich nicht warm genug? – Vergoss ich nicht Tränen auf Dich? – drückte ich Dich nicht wie ein Heiligtum an dies jammernde Herz? – Und doch leblos, und doch unbeweglich? – Kann Dich denn mein Gefühl nicht bewegen? – Bist Du so grausam, mich laut weinen zu lassen? – Ha! – Wohl mir! – Es wird leichter! – Sie rollen herunter über meine Wangen, die Zeugnisse meiner Schwermut. – Den ganzen Tag über fühlte ich schon unterdrükte Leiden, die Tränen brechen jetzt wider meinen Willen los, und wer mich hierüber tadelt, ist ein Elender, dessen Gefühl gescheitert hat. – Wer denkt auf seine Gesundheit, wenn er liebt? – Wer denkt auf seine Selbst-Erhaltung, wenn süsse Schwermut das Herz überwältigt? – – Wer kann jetzt meinen Zustand begreifen? –
Frühe um fünf Uhr.
Das war eine Nacht! – So schröklich habe ich noch keine erlebt! Hier liegen sie auf diesem Papier die Tropfen der innigsten Wehmut, die ich diese Nacht aus Liebe weinte! – Schlaf kam keiner in meine Augen, aber ein dumpfer Zustand war mein los, in dem man Alles und auch Nichts fühlt! – Süsse Wollust hatte sich meiner bemeistert, ich schwärmte in meiner Phantasie bis zur äussersten Mattigkeit in den Armen der Liebe herum! – Aber auch nur wenige Minuten übertäubte dieses Gefühl den Gram, der an meiner Seele nagte, und als sich meine Sinnen plözlich zur neuen Denkkraft erholten, Gott im Himmel, da fühlte ich wieder alle Leiden der Einsamkeit und der Trennung!!! – Ich überdachte die mir bevorstehende schrökliche Länge des heutigen Tages, zitterte vor mir selbst und fluchte meiner Hizze, die mich zur Mörderinn meiner Ruhe macht! –
Heilige Mutter Gottes! was wird das werden? – Nina! – Die Liebe wird ihr Grab, sei doch mitleidig, komm ihr nicht mit kalten Trostgründen entgegen. Ist sie nicht ohnehin Dulderinn genug? – Kämpft sie nicht mit Trieben, die sie ausser Dir nicht ein einzigesmal in ihrem Leben empfand? – O Barmherzigkeit, Vater im Himmel, Barmherzigkeit! – Ich kenne mich nicht mehr! – So werden denn sogar meine Sinnen die mitelfenden Tirannen, die mich ganz zu Boden drükken! – Ha! – Ich Elende, wo ist meine Ruhe? – Wo das sanfte Gefühl der Liebe, das mich ehdessen zu keiner Wildheit verleitete? – Friz, Du bist an Allem Schuld, Du hast mich hingerissen zur wunschvollen Liebe, und Du bist Der, bei dem alle meine Wünsche stehen bleiben. – Bei andern Bekanntschaften schwärmte nur mein Geist, das Blut blieb kalt, aber