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, – und wenn alle Königs-Söhne zu meinen Füssen lägen. – –

O der holde, der liebevolle Junge, was seine sanfte Art in der Liebe entzükken kann! Wie sein Feuer, seine glühende Schwärmerei sich in's weibliche Herz schleicht! – Wie er mich hinzuzaubern wusste in die grösste Glückseligkeit durch seine Liebe! – Wie er so lange küsste, bis ich hinsinken musste an sein laut pochendes Herz! – Und das alles jetzt nicht mehr? – Nicht mehr für mich arme? – O Schöpfung! O Menschheit! O natur! – Ihr seid schön, aber für mich nicht mehr, einst liebte ich euch an der Seite meines Frizzen, einst fühlte ich für euch in den Armen meines Gatten, aber jetzt ... O mein Gott! – jetzt bin ich allein, bin entfernt von ihm, und liebe nichts weiter, als dich schwarzer Gram, du wirst mich bald hinraffen in eine Welt, wo Ruhe meiner wartet! –

Lasst mich doch ihr Menschen, ihr Stöhrer meiner Liebe, lasst mich hinsizzen und staunen über mein hartes schicksal! – Ha! – Es drükt, es drükt fürchterlich auf meiner Brust! – Der Wunsch Dich zu sehen, mein Gatte, lässt sich nicht mehr zurückweisen, ich will, ich muss Dich haben, ich muss, ich muss Dich aufsuchen!!! – Halt! – Wer klopft? – – Allmächtiger Gott, meine Ahndung ist erfüllt, er ist es!!! –

Du süsser Liebling meiner Freuden, erstikke mich nicht mit Deinen Küssen! – Sei gelassen, sieh, wie meine Kniee zittern! – Diese Ueberraschung, und das gerade in den Augenblikken meiner grössten Leiden... Schwärmer halt ein! – Du erdrükst mich! – Sprachlos war während seiner Unterredung meine Zunge, wallend mein Blut, nass meine Augen. Wem dieser Zustand begreiflich ist... Der fühle mir nach!!! –

LXVII. Brief

Rosental, den 26ten Oktober.

Teurer, unendlich teurer Gatte! – O wie kurz war der augenblick unserer Umarmung! – Wie geschwind eilte er vorbei, der seligste Traum unserer Wiedervereinigung nach so vielen überstandenen Leiden. – Ich hatte ja kaum Zeit Dich anzustaunen, in den wenigen Minuten Deines Aufentalts konnte ich nichts tun, als küssen und weinen. – Trug ich nicht ein volles Herz im Busen, das in meiner Einsamkeit auf Deine Teilnahme wartete? – – Einsamkeit nährt die Liebe, nährt die Schwermut, und dann keine fühlende Seele um mich herum zu haben, die mich verstünde ... O Gott! – Braucht ein so warmes Herz, wie das meinige, wohl diese Reize in der Liebe zu seiner völligen Prüfung? – Ist es nicht ohnehin glühend, feurig und schwärmerisch genug gestimmt? – Hast Du es nicht gefühlt, Friz, das lebhafte Weib an Deinem Halse? – Hast Du ihr leidenschaftliches Zittern nicht gemerkt? – Bei Gott! – Wenn ich auch keine Gegenliebe von Dir verdiente, so verdiente ich doch das wärmste Mitleid! – Wer kann sich Mensch dünken, ohne dass er wahren Anteil an den Leiden eines Liebenden nimmt? – – mächtigen schwören, alle Liebenden, die mir einst aufstossen werden, zu pflegen, zu trösten, zu laben, denn ich weis, wie wohl es mir tut, wenn die Menschen nur von weitem Mitleid gegen mich zeigen. – –

Als Du mich verliessest, durfte ich nicht weinen, traurig sah ich Dir nach, und wenn Röschen mich nicht mit Gewalt von dem grünen Pläzchen gerissen hätte, ich glaube, die Nacht hätte mich auf dieser Heide unvermerkt überfallen. – –

unwillig liess ich mich nach haus schleppen, dachte dann einsam wieder alles durch, was Du mir sagtest, und sah jetzt Deine Vorzüge millionenfach, weil ich Dich vermisste. – Nur Kummer und sorge unterbrachen zuweilen die nachgekauten Freuden meiner genossenen Liebe. –

Mehr trübe als heiter wollte ich die Treppe hinauf steigen, als mich die Wirtinn zu sich in die Küche bat, ich ging, und dann berührte das gute Weib gerade die gespannte Saite eines von Liebe angeschwollenen Herzens. Sie versicherte mich mit innigster Freude, dass Du meine Stiege zu zwei Stufen auf einmal atemlos hinauf gesprungen seiest. – Was mich diese Entdekkung wieder aufs neue erfreute, wie ich mir das Nemliche wohl zehenmal von dem weib wiederholen liess, wie Röschen mich heimlich stossen musste, um meinem Taumel vor dem umherstehenden Gesinde ein Ende zu machen, o mein Friz, das hättest Du alles sehen sollen! – Doch was wäre dies gegen Deine Liebe, Du übertriffst mich ja tausendmal in der Zärtlichkeit. – Und ich glücklich und doch unglückliches Weibchen kann Dir mit nichts hinlänglich danken. – Freilich habe ich ein Herz, das lieben muss, ein ewiges los hat es über mich verhängt, und doch war ich so unglücklich, an Elende zu geraten, die dieses Herz mit all seiner Liebe so unbarmherzig zerfleischten! – Beleidigt, in Staub getreten, betrogen, hintangesezt, verlassen, und hintergangen! – Siehst Du, wie dies Andenken wieder in mir tobt? Das Gift der Schwermut hat Wurzeln gefasst, sie würden wieder aufkeimen, wenn ich sie nicht um meines Frizens willen in diesem augenblicke erstikte. –

Deine Liebe sei nun mein Himmel auf dieser und jener Welt, Deine Liebe sei der einzige Gedanke zur Vergeltung meines überlebten Elendes, sie sei mir Alles in Allem, aber auch gute Nacht Licht der Sonne ...