einrichten. – Für Deine übrige Sorgfalt tausend Dank! Meine Liebe sei Dein Lohn, kannst Du mehr fordern, da ich doch ausser Dir so arm bin? – Mein Röschen ist sehr gebeugt, die Stille will ihr nicht behagen, ich kann es ihr nicht verdenken, man muss so wie ich lieben, um den ärgsten Kerker erträglich zu finden. – Das Mädchen kann gar nicht begreifen, wie man aus Liebe einen solchen Aufentalt, von aller Menschheit entfernt, wählen kann? – Die Eiskalte hat wohl nie keinen Friz gekannt! – Dein Bildniss hängt an meinem Bette, es ist bald völlig abgenüzt, von lauter Küssen.
Uebrigens segne ich meinen Aufentalt, so schröklich er auch immer ist, wärst Du bei mir, dann willkommen die erste beste Hütte. Mein Mädchen sagt zwar immer, um einen König würde sie sich keinen solchen Aufentalt wählen, aber sie hat gut schwäzzen, sie weis ja nicht, wie sehr ich Dich liebe. –
Engel unter den Menschen, lass mich in Deinen Schuz werfen; nie werde ich Deinen Zorn verdienen, aber vielleicht Dein Mitleid, Deine Nachsicht, Deine Sanftmut, Deine Führung. – Und wenn ich dann je einen Wert besizze, so sei er Dein und werde durch Dich vollkommen, durch Dich erhöht, durch Dich zum wahren Wert. – Kannst Du von einem weib mehr fordern, der Du immer so viel Stolz vorrüktest. – – –
Du warst seiter einmal bei der M... es freut mich, wenn sie mir gut ist, o wie wollte ich das Mädchen dafür herzen und küssen, wenn sie Dir Deine Leiden tragen hälfe! – Sei aber behutsam, Du weist, unsere Lage erfordert es. – Besuche immer zuweilen eine meiner Freundinnen, und heitere Dich auf, lieber Friz, Deine Nina bittet Dich darum aus ihrer Einsamkeit. – Ich will es gerne glauben, dass Dich alles an mich erinnert, Deine Liebe ist ja so unermüdet, dass Dich jeder Gegenstand zur Vergleichung anruft. – O Du sagst mir mehr von Deiner Liebe, als mir ein ganzer Himmel voll Engel versichern könnten. – Und doch bin ich unersättlich von Deiner Liebe reden zu hören, und doch bin ich noch etwas weniges furchtsam, weil ich mir in der weiten Schöpfung kein solches Ideal träumte. – Es ist mir so neu, so fremd, so entzükkend, ich könnte den erwürgen, der mir die Wahrheit davon abstreiten wollte. – O gesegnet sei mir Deine Liebe, gesegnet, wie am ersten Tag ihrer Entstehung. – Sag, Teurer, wie könntest Du je eifersüchtig sein? – Du kennst ja das Innerste meines Herzens, alles ist Dein, meine Schwachheiten und Tugenden, meine Fehler und Vorzüge, verstosse dieses Herz nie, oder ... Mein Gott! – Zu was mich meine Schwermut wieder verleitet! – Aber denke Dir auch einen Ort, wo man den ganzen Tag keinen menschlichen laut hört, denke Dir Dein Weibchen in ihrem Kämmerchen verschlossen, wie sie da sizt und die Stunden Deiner Ankunft zählt, wie Liebe, Kummer, Furcht und sehnsucht an Ihrem Herzen nagen, denke Dir alle diese Beweggründe und wundere Dich nicht mehr über meine Schwermut. – Heute hörte ich ein Pferd daher traben, da sprang ich zum Fenster und ... es war nur ein Bauer. – Röschen erschrak, die Täuschung drohte mir eine Ohnmacht. Nein, so rasch darf ich in Zukunft nicht mehr sein, sonst schade ich meiner Gesundheit. – Lebe wohl liebster Gatte, komm bald in die arme Deiner Nina. –
Phantasie einer fühlenden gattin, von Nina
Mit gepresstem Herzen, mit ängstlich kämpfendem Busen, mit einer Träne im Auge sass ich einst schwermütig an meinem Schreibpult. – Alles um mich herum war feierlich stille, kein Menschenlaut liess sich hören, nur sehnsucht und Andenken an Dich, Einziger, schwellten mein Herz. – Ich träumte mich wonnetaumelnd an Deinen Busen hin. – Leiden, die vielleicht noch kein weibliches Herz empfunden, tobten in meiner Seele! – – Trennung! – Ha! – Dies grässliche Wort erschütterte mich durch und durch! – Wo bist Du jetzt Sohn der Liebe? – rief ich laut ... Wo bist Du jetzt? – – Komm, o komm doch wieder einmal in meine arme! – Gott! – Welche Seligkeit wäre der meinigen gleich, wenn ich Dich jetzt nur eine Minute an dies klopfende Herz drükken könnte! –
Teure, edle, gute Seele, wenn Du wüsstest, wie unausstehlich mir Deine Abwesenheit, wie jeder Gedanke mir verhasst ist, der mich nicht an Dich erinnert, wenn Du sehen könntest, die Tränen, die um Dich fliessen, den Gram, der Dir geopfert wird, die Qualen, die ich anbete, Ha! – Du würdest eilen, Du würdest laufen, um durch einen feurigen Kuss alles zu heilen, was mich jetzt so unbarmherzig martert! – Gerechter Gott! – Was bin ich für eine Träumerinn, als ob es bloss bei Dir stünde, als ob Du kommen könntest, als ob Dich nicht das schicksal davon abhielte. – Nun so lass mich denn weinen, laut weinen über Deine Entfernung! – O willkommen ihr süssen Zeugen meiner Wehmut, willkommen ihr Tränen der gekränkten Liebe, fliesst immer fort, ihr seid mir gesegnet, denn ihr fliesst um den Bessten unter den Menschen, um einen Jüngling, dessen Wert in der grossen Schöpfung für mich nicht mehr zu finden ist